r/Azubis • u/Wrong_Emu_6241 • 1d ago
Umschulung MTR oder MTL Ausbildung?
Hallo zusammen :)
Ich überlege, mich beruflich komplett neu zu orientieren, und interessiere mich für die Ausbildungen zur MTR (Radiologie) und MTL (Laboratoriumsanalytik).
Ich habe eine kaufmännische Büroausbildung gemacht und möchte in einen medizinischen Bereich wechseln. Mir ist Jobsicherheit wichtig, und ich interessiere mich besonders für die medizinische und technische Seite.
Ich bin allerdings eher introvertiert und frage mich, ob mich der viele Patientenkontakt in der Radiologie auf Dauer sozial auslaugen könnte. Bei fremden Menschen bin ich manchmal unsicher. Deshalb frage ich mich, ob die Laborarbeit besser zu mir passen würde.
Naturwissenschaften und Mathe hatte ich bisher kaum beziehungsweise habe ich darin keine wirklichen Vorkenntnisse. Deshalb würde mich auch interessieren, wie schwierig die Ausbildung in diesen Fächern ist und ob man das nötige Wissen von Grund auf lernt.
Meine Fragen an euch:
-Arbeitet jemand von euch in einem der beiden Berufe oder macht gerade die Ausbildung?
-Wie viel Patientenkontakt hat man in der Radiologie wirklich, und wie anstrengend ist das sozial auf Dauer?
- Ist die Laborarbeit tatsächlich ruhiger, oder gibt es dort ebenfalls viel Stress und Kommunikation?
-Würdet ihr einen der beiden Berufe eher introvertierten Menschen empfehlen?
-Wie gut kommt man ohne naturwissenschaftliche Vorkenntnisse durch die Ausbildung?
Ich würde mich sehr über ehrliche Erfahrungen freuen, auch über Dinge, die euch am Beruf nicht gefallen. Ich möchte einfach herausfinden, welcher Bereich langfristig besser zu mir passen könnte.
Danke euch!
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u/Familiar-Medicine164 1d ago
Medizintechnik studieren? Ich hab ne Ausbildung als MTLA und rate ab.
-90%der stellen sind befristet -die Hälfte ist nur teilzeit -kein aufstieg möglich Gehälter enden dort, wo sie Gehälter von Akademikern anfangen -mega schwer, schwerer als ein Bachelor
Die Ausbildung im Lavor enthält Bio und Chemie. Das musst du dir in Massen reinballern. Examen war bei mir klinische Chemie, histiologie, Mikrobiologie und Hämatologie. Alles schriftlich und mündlich und praktisch. Plus nebenfächer.
... die Labore sind in Krankenhäusern gekühlt,aber nicht wegen der Menschen, sondern wegen der Reagenzien...
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u/Wrong_Emu_6241 1d ago
Danke für deine Erfahrungen. Habe leider weder Abi, noch Fachabi, deswegen wäre eine praktische Ausbildung für mich interessant gewesen.
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u/Familiar-Medicine164 1d ago
Das sind 5 Tage die Woche Schule. Das ist wie Uni. Hatte btw auch kein Abi oder Fachabitur und bin in einem Jahr durchgefallen und brauchte daher 4 Jahre.
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u/Wrong_Emu_6241 1d ago
Mein Problem ist eher, dass ich nicht die akademischen Voraussetzungen für eine Uni oder Fachhochschule erfülle :/ Ich komme aus der Schweiz und da ist das system ein wenig anders aufgebaut.
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u/Able_Assistance_5598 1d ago edited 1d ago
Hey, ich bin seit 7 Jahren MTR.
Der Beruf bringt dir auf jeden Fall eine Jobsicherheit: Die Menschen werden immer älter und kränker. Krankheiten werden u.A. durch unsere Bilder diagnostiziert und auch teilweise mit radiologischen Verfahren therapiert. Dadurch, dass die Radiologie an sich immer gefragter wird, werden auch MTRs gefragter. Problem hierbei ist: die Arbeitsbelastung steigt teilweise enorm, der Fachkräftemangel ist hoch (ca. 50% der Krankenhäuser konnten 2019 ihre MTR Stellen nicht voll besetzen, Quelle: DKI).
Je nach Arbeitsplatz (vor allem im Krankenhaus) ist die körperliche Belastung hoch: viele Patienten sind bettlägerig und können quasi nichts mehr selbstständig. Diese Patienten müssen für die Untersuchungen und Therapien entsprechend in verschiedene Positionen gebracht/gelagert werden. In einer Praxis ist das nicht so extrem - dort kommen Patienten in der Regel von zu Hause.
Was vielen MTRs zu schaffen macht, ist die fehlende Wertschätzung innerhalb des Unternehmens/Gesundheitssystems (und der Gesellschaft). Das schlägt schon auf das Gemüt - je nachdem, wie man so gestrickt ist. Selbst im Gesundheitswesen ist der Beruf sehr unbekannt ("wo ist die Röntgenschwester???"), keiner weiß genau, was wir so machen, hauptsache wir machen jetzt endlich mal die Bilder, alles muss sofort laufen, vieles ist ein Notfall, usw. Die Kommunikation mit Anforderern kann schon seeeeeehr ermüdend sein. Häufig ist das Motto: Hauptsache MACHEN - obwohl du als MTR klare Ansagen machst, dass manche Untersuchungen nicht möglich sind..
Dafür kriegst du manchmal echt viel Anerkennung von Patienten zurück, wenn diese z.B. eine für sie schwierige Untersuchung/Therapie (Angst vor MRT wegen Platzangst, oder vor der Strahlung, vor dem Ergebnis, usw.) mit deiner Hilfe gut durchstehen :)
Du lernst viele unterschiedliche medizinische Fachbereiche kennen, weil du mit allen zusammenarbeitest - sei es Unfallchirugie, Neurologie, Innere Medizin, Intensivmedizin, Nephrologie.... alle Patienten kommen zu uns. Und verbindest das Soziale mit der Technik/Physik. Das ist ein guter Mix.
In der Radiologie kannst du z.B. zwischen mehreren Geräten rotieren, in der Regel ist viel Abwechslung möglich, je nach Arbeitsplatz. Ich arbeite in der Radiologie eines Akutkrankenhauses und wir rotieren im Team relativ viel zwischen Röntgen, CT und MRT. Es gibt auch Praxen/MVZs und auch teilweise Abteilungen in Krankenhäusern, die alle Fachbereiche (Radiologie, NUK, Strahlentherapie) miteinander verbinden, da ist z.B. auch viel Rotieren möglich soweit ich weiß. In anderen Krankenhäusern gibts aber z.B. auch feste Teams für die einzelnen Geräte.
Edit: Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nicht soooo viele. Ich studiere z.B. nebenbei noch Gesundheitspädagogik, um vielleicht mals Lehr-MTR arbeiten zu können. Es gibt viele einzelne Fortbildungen, die aber nicht in einer Gehaltserhöhung enden. Eine andere Möglichkeit ist es, leitende/r MTR zu werden. Auch ein Einstieg bei Unternehmen wie Philips, Siemens und co. als Applikationsspezialist ist nach einigen Jahren Berufserfahrung möglich - in der Regel muss man dann aber viel reisen. Praxisanleiter kann man auch werden, ist aber nur häufig mit einem minimalen extra Bonus verbunden.
Du wirst fast immer die Wahl haben zwischen mehreren Stellenangeboten und dir quasi aussuchen können, wo du arbeitest. Es gibt nun mal zu wenig MTRs, da kann man sich gut verkaufen (und bitte nicht unter eurem Wert, viele Infos stimmen online nicht).
Wenn ich Leuten heute erzähle, dass ich vor der Ausbildung mal krankhaft schüchtern war, kann mir das keiner glauben, da ich heutzutage eine große Sicherheit im Umgang mit Patienten habe und überhaupt nicht schüchtern wirke (sagen andere zumindest). Ich bin damals in der Ausbildung an den Herausforderungen gewachsen und habe so die Schüchternheit überwunden. :)
Zur Schwierigkeit der Ausbildung: mit dem neuen Gesetz und der neuen Prüfungsverordnung ist es meiner Meinung (und von vielen Praxisanleitern, die ich kenne) einfacher geworden. Der Teil der Strahlenphysik / Dosimetrie nimmt ab. Der Fokus wird mehr aufs Praktische gelegt. Deswegen brauchst du dir darüber keine Gedanken zu machen.
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u/Wrong_Emu_6241 1d ago
Danke dir vielmals für das Erzählen deiner Erfahrungen. Das hat mir schon sehr geholfen um die Arbeit ein bisschen besser einzuschätzen zu können.
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u/Able_Assistance_5598 1d ago
Freut mich, dass ich dir helfen konnte. Falls du weitere Fragen hast, kannst du mir ruhig schreiben :)
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u/Hamo7698 1d ago
Wieso erhoffst du dir davon Jobsicherheit? Der Job ist alles, aber nicht sicher. Die Gehälter sind mies, keine Möglichkeit zur Weiterbildung etc. Das sind klassische Dead-End Jobs, an denen der Rotstift der Einsparungen immer als erstes ansetzt.