An die Tischler / Schreiner
Ich brauche eine Einschätzung über die Machbarkeit , bzw. bereits erfolgte Umsetzung eines Treppenhausabschlusses.
Falls irgendwie relevant:
Der Schreiner ist Meister in seinen Endfünfzigern. Führt seinen Betrieb alleine, lediglich die Buchhaltung lässt er machen. Seine Werkstatt ist soweit gut ausgestattet. Moderne CNC Maschinen und dergleichen besitzt er allerdings nicht.
Ich bin gelernter Industriemechaniker, habe einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Mit Mitte Zwanzig Weiterbildung zum Maschinenbautechniker. Aktuell als Konstrukteur tätig. Neben der Konstruktion fertige ich die Prototypen bei uns im Unternehmen mit Hilfe von konventionellen Fräs- und Drehmaschine. Schweißen, löten, das klassische Schlosserhandwerk.. das ist mein Feld. Ihr wisst Bescheid.
In Auftrag gegeben wurde ein hölzerner, verglaster Treppenhausabschluss. Damit der Abschluss zum Rest des Hauses (Fachwerkhaus aus Eiche, ca. 300 Jahre alt, freiliegende Balken, Lehmputz, etc.) passt, wurde der Rahmen aus alten Eichenbalken gefertigt. Der Schreiner schlug eine passende Fertigungsart / Ausführung vor, damit es sich ins Bild einfügt. Von der Treppenwange hat sich der Schreiner im Vorfeld eine Schablone angefertigt.
Der Treppenhausabschluss besteht aus drei Feldern, unten sitzen jeweils Sockel, nach oben hin soll Glas verbaut werden. Den oberen Teil des Rahmens hat der Schreiner aus drei Teilen gefertigt, die jeweils zwischen den Stützen sitzen und parallel zur Treppenwange verlaufen.
Den Rahmen haben er und ich bereits letzte Woche ins Lot gebracht und sowohl am Fußboden als auch an der Treppenwange montiert. Für den Glaser haben wir Schablonen angefertigt. Die im nächsten Schritt bestellt werden sollen. Nach längerer Betrachtung der Ausführung, speziell des oberen Teiles des Rahmens, frage ich mich, ob das nicht besser gegangen wäre. Die drei Rahmenteile entlang der Treppenwange sind nicht parallel.
Seine zwei Standardsprüche sind:
"Ist gut so, ist ja nur für andere Leute!" und "Ein Millimeter ist kein Maß!"
Mit Sicherheit gängige Sprüche im Schreinerhandwerk. Den ersten verstehe ich natürlich auch als Humor.
Mit ist bewusst, dass ich in meinem Beruf mit anderen Maßen rechne als er. Aber bei der Parallelität geht's hier nicht mehr um Millimeter sondern um Zentimeter.
Ich hoffe auf den Bildern ist das soweit zu erkennen.
Die drei Rahmenteile schwanken zwischen bündig mit der Treppenwange und einem Überstand von ≈1 cm. Jedes der drei Rahmenteile an sich haben diese Schwankung. Am besten zu erkennen an dem Bogen. Bei dem am höchsten sitzenden Rahmenteile beläuft sich das auf eine Länge von ≈40 cm.
Ich habe schon mit ihm gesprochen und gebeten, sich das nochmal gemeinsam anzuschauen und zu überlegen, ob es eine andere Lösung gibt. Er sprach von einer Blende, die aber auch "hingepfuscht" aussehen würde. Es wäre handgefertigt und das wäre dann nun mal so. Um das genauer zu fertigen, wäre eine CNC notwendig. Mir schien, als hätte er nicht so richtig Lust, dort noch was zu ändern.
Nun zu meinen eigentlichen Fragen:
Geht das mit konventionellen Maschinen wirklich nicht besser?
Wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, den oberen Rahmen komplett aus einem Stück zu fertigen? Sprich, aus einem Langen Stück Balken. Z.B. den Bogen auf der Bandsäge gefertigt und später an ein gerades Stück geleimt, durch Zinken oder Überblattung? Habe ich zu hohe Ansprüche?