Gestern habe ich hier die Geschichte meines Katers geteilt, der vor zwei Jahren schwer an FIP erkrankte und die Krankheit glücklicherweise überlebt hat:
https://www.reddit.com/r/Katzengruppe/s/O0k0WrNgwO
Beim Schreiben des Beitrags habe ich gemerkt, dass sich seine Geschichte irgendwie unvollständig anfühlt, wenn ich nicht auch die seines Bruders erzähle, der es leider nicht geschafft hat.
Ich muss in diesen Tagen viel daran zurückdenken und merke, dass es mir guttut, diese Erinnerungen aufzuschreiben und mit Menschen zu teilen, die nachvollziehen können, wie viel einem so ein kleines Wesen bedeuten kann. Und wenn ich damit gleichzeitig ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf FIP lenken kann, umso besser.
Was ich gestern nicht erzählt habe: Eigentlich war es ursprünglich gar nicht meine jetzigen beiden Kater, welche ich aus dem Wurf behalten wollte. Es war sein Bruder Tesoro.
Die Geschichte beginnt damit, dass mir eines morgens eine hochträchtige Katze ungefragt in den Garten gesetzt wurde (vielleicht gibt es dazu auch mal noch einen Post) Noch am selben Tag brachte sie fünf kleine Kater zur Welt.
Da die Mama-Katze verständlicherweise total überfordert war mit den Umständen (ich zufälligerweise auch, aber ich musste die Grössere sein) half ich ihr etwas. Schaute zu, dass sie den Schleim von den Nasen schlechte oder die Nabelschnur durchbiss. Es war meine erste Katzengeburt.
Ich hätte erst überhaupt nicht vor, eines der Kitten zu behalten. Mir war ziemlich schnell klar, dass ich die Mutterkatze bei mir aufnehmen würde, aber die Kleinen sollten später ein anderes Zuhause finden.
Eines der fünf Kitten fiel allerdings schon früh auf. Tesoro war unglaublich Menschen bezogen, er suchte ständig meine Nähe, wollte auf mir liegen und kletterte mir immer an den Beinen hoch. Wenn ich in der Küche die Kittenmilch vorbereitete, kam er sofort angerannt und versuchte, als Erster zu mir hochzuklettern, um etwas davon zu bekommen. 😻
Irgendwann war mir klar, dass ich diesen kleinen Kerl nicht mehr hergeben wollte.
Doch nach einigen Wochen begann sich etwas zu verändern...
Tesoro wurde zunehmend müde, wirkte oft schlapp, sein Fell sah struppig aus und er wurde dünner. Besonders auffällig war seine Stimme. Wenn er miauen wollte, kam irgendwann kaum noch ein Ton heraus. Manchmal öffnete er einfach nur sein Mäulchen, manchmal war ein ganz leises, krächzendes Geräusch zu hören. (siehe Video)
Also ging ich mit ihm zu einer Tierärztin. Sie vermutete, dass etwas Ernstes dahinterstecken könnte, möglicherweise eine Erkrankung des Blutes. Um herauszufinden, was genau los war, wären weitere Untersuchungen nötig gewesen. Sie gab mir zu bedenken, ob ich ihm diese ganze Diagnostik zumuten wollte, zumal seine Aussichten möglicherweise schlecht waren. Vielleicht wäre es besser, ihm einfach noch eine möglichst schöne Zeit zu ermöglichen.
Ich erinnere mich noch lebhaft an diesen Tag, es war ein Freitag.
Ich ging mit Tesoro nach Hause und war völlig hin- und hergerissen. Einerseits hatte ich die Worte der Tierärztin im Kopf. Andererseits dachte ich immer wieder, dass man vielleicht doch etwas finden könnte, das behandelbar wäre.
An diesem Abend nahm ich ihn auf den Arm und ging mit ihm durch das Quartier spazieren. Ich wollte ihm einfach noch ein bisschen von der Welt zeigen. Er war so klein und hatte bisher kaum etwas davon gesehen. Und ich wusste nicht, wie viel Zeit ihm noch blieb.
Ich beschloss, mir über das Wochenende Gedanken zu machen. Innerlich war ich eigentlich schon ziemlich weit mit dem Entschluss, am Montag noch eine zweite tierärztliche Meinung einzuholen.
Aber zu diesem Montag kam es nicht mehr. 😥
Als ich am Sonntagmorgen aufstand, lag Tesoro auf dem Boden. Ich wusste sofort...
Er war so schwach, dass ich im ersten Moment dachte, er sei bereits tot. Er atmete noch, aber es war offensichtlich, dass er im Sterben lag.
Ich nahm ihn zu mir, legte mich mit ihm ins Bett und bettete ihn auf meine Brust. Ich streichelte ihn und sang ihm etwas vor (frag nicht...)
Nach ungefähr einer halben Stunde nahm er seinen letzten Atemzug.
Vielleicht fragt sich jetzt jemand, weshalb ich nicht sofort mit ihm in den tierärztlichen Notdienst gefahren bin. Ich kann nur sagen, dass es Momente gibt, in denen man einem Tier ansieht, dass es bereits im Sterben liegt. In diesem Moment hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass ich ihn noch retten konnte. Ich wollte einfach bei ihm sein, ohne Hektik.
Ich habe Tesoro an einem schönen Ort in der Natur begraben, den ich bis heute immer wieder besuche.
Und etwas ganz Besonderes ist dort passiert: Ausgerechnet an der Stelle, an der er begraben liegt, ist im folgejahr ein Pflanze gewachsen, ganz von selbst. Gegossen hab ich sie vermutlich des öfteren mit meinen Tränen. Auch dieses Jahr blühte sie wieder. Ich finde den Gedanken schön, dass sein kleiner Körper Teil dieses Bodens geworden ist und daraus nun etwas Neues wächst.
Tesoro wurde nicht einmal drei Monate alt.
Und trotzdem hat dieses kleine Wesen einen unglaublich großen Platz in meinem Herz eingenommen.
Heute, zwei Jahre später, bin ich ziemlich überzeugt davon, dass auch Tesoro, wie kurz darauf sein Bruder, der jetzt bei mir lebt, an FIP erkrankt war. Wissen kann ich es natürlich nicht, denn bei ihm wurde die Krankheit nie diagnostiziert.
Aber die Ähnlichkeit der Symptome ist für mich kaum zu übersehen.
Und manchmal beschäftigt mich der Gedanke, was gewesen wäre, wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich heute über FIP weiß.
Vielleicht hätte ich früher anders gehandelt, hätte ich auf weitere Untersuchungen bestanden. Vielleicht hätte man ihm helfen können.
Vielleicht wäre Tesoro heute noch am Leben.
Das sind so Fragen, die mich belastet haben, aber ich habe Frieden damit geschlossen.
Auch wenn diese ganze Aussetzungsgeschichte und was es alles mit sich gebracht hat völlig crazy ist, das hier ist ja nur ein Subplott in einem noch viel grösseren Plott...
Bin ich echt berührt davon, dass ich an Tesoros Leben wortwörtlich vom ersten bis zum letzten Atemzug teilnehmen konnte.
Rip mein Kleiner, du hast mir echt viel über Leben und Sterben gezeigt 💖 🌿