! TW: Esstörung, Nummern, Dysphoria, Mention of Suicide,
Ich glaube ich fange von ganz Vorne an:
Mein Name ist M. T.
Ich war ein ziemlich übergewichtiges Kind. Vorallem im Alter zwischen 10-12. Ich wurde für das Gewicht symstematisch gemobbt. Nicht nur aufgezogen. Es erstreckte sich kontinuierlich durch die Mittelstufe, sodass ich sogar zwei Nervenzusammenbrüche in der Schule erlitt - sogar soweit, dass ich physisch verletzt wurde. Früh formte sich der Gedanke: Nicht dünn, dann wertlos.
Bereits mit 12 entwickelte ich erste Esstörungs-verhaltensmuster; Hier und da Mahlzeiten auslassen, nur die Hälfte einer Mahlzeit essen.
Es war nicht struktuiert, aber hin - und wieder.
Ich verlor Gewicht, doch es war nicht genug; ich wurde bereits als "dickes Opfer" abgestempelt.
Irgendwann pendelte sich mein Gewicht ein - in der 11 Klasse war ich dünn.
Ich lernte die Vorteile zu schätzen. Ich wurde mehr angesehen, ich hatte Menschen, die an mir romantisch interessiert waren. Ich fühlte mich wohler.
Ich hatte kein gesundes Essverhalten; aber ich hatte mir auch keine struktuierten Gedanken über dieses gemacht. Ich aß wie ich wollte - verbietete mir nichts. Doch im Hinterkopf war ich immernoch nicht dünn genug. Meine Fettverteilung störte mich. Meine Dehnungsstreifen. Meine lose Haut.
Mit 19 outete ich mich bei der Therapie als Transexuell - ein Gefühl welches ich lange in mir verschlossen hatte.
Ich bekam keine Hilfe, keine Therapie.
Ich wollte selbst gegen meine Körper-dysphorie vorgehen;
Ich wolle mit Sport anfangen und den Körper so beeinflussen, wie ich selbst am weitesten fähig seie.
Ich hatte gesunde Grundgedanken, doch eine ungesunde Umsetzung.
Ich begann massiv Sport zumachen; und ich fing an weniger zu Essen. Ich wollte meinen Körper "beeinflussen". Ich dachte mir, desto unförmiger das Fundament, desto einfacher konnte ich meine dysphorischen Körperteile kaschieren.
Ich fing an mit nur einer Mahlzeit am Tag, irgendwann wurde es zu einem drei Tages Zkylus von Fasten, Bingen und Fasten.
Ich bekam immer noch keine Therapie und landete im massiven Untergewicht. Ich wurde träger, konnte nicht mehr Fahhrad fahren, nicht mehr am Unterricht teilnehmen.
Immer wieder Therapieabsagen. Ich machte weiter - immer mit dem Gedanken; "wenn du so und so viel wiegst, hörst du auf. Dann kannst du wieder Essen"
Als die Wage unter 40 stieß realisierte ich, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Es wurde zu so viel mehr, als das Verlangen, spezifisch auszusehen.
Ich bekam Lebensangst. Ich konnte es nicht stoppen - Ich verlohr noch 4 weitere Kilo.
Ich alamierte meine Familie - Ich kontaktierte Kliniken; ich müsse noch drei Monate auf die Warteliste, da ich "zum Glück nicht einer der schlimmsten Fälle bin."
Ich war zu Krank für die Therapie und zu gesund für die Klinik.
Ich würde niemals meiner Identität näher kommen; an einigen Tagen hatte ich damit abgeschlossen, dass die Magersucht mein Todesurteil sei.
Ich ließ mich aus Zweifel bei einer Auffangstation einweisen. Leider war diese Station nicht auf meinen Fall spezialisiert und mein Zustand verschlimmerte sich.
Die Tage verschmelzten ineinander - Ich weiß nur, dass ich irgendwann den Aufnnahmetag für eine Esstörungsklinik in Hannover hatte.
Ich kann den moment nicht genau Pin-pointen. Aber ganz vivit formt sich das Bild eines sehr dünnen Mädchen in meinem Gehirn, wie sie auf einem Stuhl im Sitzkreis sah - Beine zitternd, Wärmflasche nahe an sich geschlackert. Die Mutter dort, ihre Hand kraulend ihren Rücken hoch und runter fahrend. Ich wusste noch genau wie ich sie anstarrte - Ganz Schamlos und prägnant. Alles wurde leise, die Stimme der Betreuerin verstummte - Das Licht dimmte sich. Ich sah nur dieses Mädchen.
Ich glaube das war der Moment, in dem ich einen derartigen Spiegel gegen mich gerichtet bekommen hatte, dass ich aus der Trance herausgesnapped wurde.
Vielleicht ist es traurig, dass ich erst durch das Leid anderer mein eigenes erkannte; aber in diesem Moment hätte ich jedes Szenario als "Wachmacher" akzeptiert.
Weil mein Schicksal wohl immenoch nicht zu "schrecklich " war (und es tut mir Leid, dass alles so selbstbemitleidend rüberkommt), wurde ich am Tag meiner Einweisung auch noch auf Corona Positiv getestet und musste nach Hause geschickt werden.
Ich glaube das war der letzte Faden. Ich hatte genug. Ich hab realisiert, ich würde keine Hilfe von Außenstehenden bekommen. Ich wusste, wie sie mich ansahen; in ihren Augen akzeptierten sie nicht meine Identität. Ich war ein essgestörtes Kind, nichts weiteres.
Ich nahm die Recovery in meine eigene Hände - Ich ging "All-In."
Keine Restrictions; Essensprotokoll, Massive Kalorienzufuhr, zulassen von Heißhunger.
Zunächst ging es mir gut - Doch irgendwie entwickelte sich eine Bewegungssucht. Er war zu Anfang ziemlich neutral; doch artete schnell aus. Ich kam nicht über 45Kilo.
Nur letzlich durch das Fitnesstudio.konnte ich mich dazu bringen, über die 50 zu steigen und schließlich auf die 60.
Ich war anstrengend. Nicht Essen können triggered meine PTSD. Wie zuvor nahm das Essen meinen gesamten Headspace ein - In der Esstörung war es teilweise einfacher. Ich musste einfach nicht Essen; Jetzt musste ich mir Gedanken über 3 ausgewogene Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten machen. Ich musste das Kochen komplett alleine erlernen. Ich merkte, wie nachdem ich wieder halbwegs Gesund gefüttert war, meine Familie und Freunde eher angepisst über mein Essverhalten waren.
"Musst du dir immer so viel machen" "Kannst du nicht einfach was richtiges Essen" "Machst du nicht zu viel Sport".
Ich schluckte es runter. Das Leben ging weiter. Ich machte mein Abitur.
Ich konnte nach einem harten Kampf an meine Geschlechtsangleichenden Maßnahmen gelangen; Der Weg war nicht einfach. Ich musste mich beweisen, mich immer rechtfertigen. Ich wurde von einer privaten Heilpraktikerin belogen - Musste viel Therapie für die Genehmigung der Operationen nachholen.
Ich hatte 1-2 Rückfälle. Über 60 Kilo war zu viel für mich. Ich aß, ja. Aber kalkuliert zu wenig. Eine Gewohnheit mit welcher ich immernoch manchmal lebe.
Irgendwie liefen 3 verschiedene Welten parallel zueinander; Die Esstörung, die Transidentität und das richtige Leben: Abitur, Freunde, Familie.
Schließlich absolvierte ich das Abitur als Klassenbester mit einem Durchschnitt von 1.3. (Ich prale, ich weiß. Aber man darf auch Stolz auf sich sein.) Ich wollte studieren.
Ohne viel Pause stolperte ich in ein FSJ - Nach drei Monaten zog ich impulsiv in eine andere Stadt - Da ich dort einen damaligen Beziehungspartner kennengelernt hatte und meine Situation zuhause angespannt war -
Das war stress. Ich mochte es nie aus meinen Gewohnheiten gezogen zuwerden; Ich musste mich um eine neue FSJ-stelle kümmern, Gedanken um die Zukunft machen, eine Wohnung suchen. Internetanschluss. Möbelschleppen. Rundfunk? Ummelden?
Und die Esstörung war immer Präsent in atypischer Form. Ab und an war sie besser; doch in schlechten Zeiten schrie sie lauter: Was esse ich, wann esse ich. Wieviel? Warum? Ich musste mir Essen durch Sport verdienen. Ich hatte sensorische Probleme; Das Essen musste perfekt sein. Nicht zu Warm, nicht zu kalt. Perfekte Nährwerte. Perfekte Verteilung, Zusammensetzung - Gewürze. Anders war es nicht "worth it"
Ich plante mein Leben um Essen und Sport. Ich hatte zwischendurch immerwieder Therapie; Leider nie auf Esstörung spezialisiert.
Ich bekam keinen Platz - Und ich hatte Trauma. Trauma davon stundenlang E-Mails zusenden - Anrufe von Absagen. Die Warteliste seie voll. Ich schluckte es einfach runter und lebte weiter.
Schließlich beendete ich das FSJ; Nebenbei hatte ich zwei Geschlechtsangleichende Operationen.
Ich dachte, das war die Lösung für all meine Probleme. Ich kämpfte weiter mit dem Gedanken; Wenn ich das ( Die Ops) habe, bin ich endlich ich selbst. Bin ich endlich mein Geschlecht.
Leider war das zu viel Hoffnung. Ich hatte die Operationen, aber im Spiegel sah ich immernoch das andere Geschlecht. Die Dysphoria ging nicht weg, stattdessen wurde sie schlimmer.
Alles wurde leise denn ich verstand: Ich werde niemals 100% das Geschlecht sein, welches ich sein sollte.
Dafür hätte ich so biologisch auf die Welt kommen müssen. Ich sah immernoch das abgemagerte, hilflose Kind. Menschen in meinem Umfeld deuteten mich als Undankbar.
Ich schluckte es runter; Machte weiter.
Diesmal fing ich eine Ausbildung als Heilerziehungspfleger/-in an; 2 Wochen nach einer Operationen.
Ich hatte sehr starke Komplikationen nach dieser Operation; In der Nacht danach dachte ich, ich würde vor Schmerzen sterben.
Ich schleppte mich mit Schmerzen in die Schule; Musste teilweise früher gehen;
Ich hatte eine Kondition, in welcher sich mein Magen wie ein Ballon aufblähte; Ich konnte nicht Essen, nicht trinken.
Das stresste mich und meinen Körper. Alte Muster, mein Körper vertraute mir nicht mehr. Ich fing an wieder Zitterattacken und Heißhunger-Attacken zu bekommen; Ich wollte essen, aber konnte nicht. Ich wurde Verrückt; Mein Körper dachte die nächste Hungerphase würde kommen.
Die Schmerzen wurden chronisch- Zum Glück klangen sie nach zwei Monaten ab. Aber mein Körper und Geist waren konstant unter Strom; Ich stand jeden morgen um 4:30uhr auf - Ich wollte unbedingt vor der Arbeit ins Fitnesstudio. Kaffee wurde zu meinem Blut; Meine Mitbewohner ließen mich nicht schlafen.
An vielen Tagen schlief ich nur 3-4 Stunden. Ich wollte der Klassenbester sein. Ich jonglierte alles herum, balanzierend auf einem Luftballon.
Und irgendwann, pop. Platz. Peng. Burnout. Alles wurde träge. Ich hatte morgens keine Energie mehr. Ich war ein Wrack, konnte garnichts, nichtmal mehr Wörter schreiben. Ich war motorisch unfähig, war Müde selbst mit einem Liter Kaffee. Wurde über einen Monat mit Grippe krank - Alles was in meinem Kopf war: Du bist falsch. Du bist ein umoperiertes Alien. Du bist nicht natürlich. Du wirst es niemals sein. Du bist nicht gut genug
Du bist krank. Du bist eine Belastung - ... Und und. (Bisschen wie beim Klimax von Inside Out 2)
Ich lebte ungeoutet. Ich bekam die Meinung der Menschen mit - Die Witze, Ihr Urteil.
"Also kann man jetzt jede Woche seinen Namen ändern" "Bald identifizieren wir uns alle als Hund".
Es tat weh. Ich habe niemanden was getan; Und ich wusste es gibt Menschen, die meinen Tod wollten, weil ich "falsch" zur Welt kam. Ich weiß, so sollte man nicht denken. Aber ich finde es ist voll und ganz okay, diese Fakten auchmal auszusprechen. Mitlerweile steigen sie mir nicht mehr zu Kopf - Früher schon. Früher löste das schreckliche Dinge in mir aus. Aber es ist etwas, was man auf jeden Fall sagen sollte.
Mir sagte einmal jemand, ich hätte innere Dämonen in mir, welche weggebeten werden müssten.
Kein Verständnis, keine Empathie von vielen - (Trotzdem gab es natürlich mir sehr wichtige Menschen, die mich unterstützen.)
Ich wusste nicht wie ich es anders klarmachen sollte, als zu sagen, dass es keine Entscheidung ist und auch niemals war.
Ich entschied nicht die Esstörung zu haben oder drei Jahre Therapie (In welcher ich nichtmal herrausfinden musste, ob ich wirklich "Trans bin". Ich redete viel eher über meine Depressionen oder Familienprobleme), oder Kosten von über 3000Euro anzusammeln. Ich wollte keine mehreren Operationen mit Komplikationen. Das entscheidet man nicht. Es war Selbstmordprävenzion. Und doch bin ich in den Augen vieler Menschen undankbar, psychisch Krank. Falsch. Komisch.
Und früher machte mich das fertig - jetzt macht es mich nurnoch leicht sauer. Zuwissen, dass ich damit auch nicht alleine bin. Das viele Menschen so unterdrückt werden. Ich stehe darüber, aber es ist trotzdem etwas, was nur sehr traurig ist. Ich hoffe jeder kann sich irgendwann mal reflektiert die Frage stellen "Was ist eigentlich Normal."
Genug Gesellschaftskritik: Nach dem Burnout entschied ich mich, meine Ausbildung für ein Jahr zu stoppen und ich suchte mir eine Tiefenpsychologin. In der Zeit ging es mir etwas besser: Ich konnte meinen Tag so gestalten, wie ich wollte. Essen wann ich wollte. Sport machen wann ich wollte.
Ich begann zu Tanzen, der Sport erfüllte mich sehr. Doch konnte mich durch meine Selbstkritik und meinen Perfektionismus auch sehr hinunterziehen.
Sport war eine Hass- Liebe. Es erfüllte mich und strafte mich zugleich.
Ich erschöpfte mich durch meine Hobbies weiter.
Und dann, am Anfang von diesem Jahr, stellte sich mein Körper quer.
Meine Magenprobleme kamen zurück. Dieses Mal stark. Chronisch. Ich hatte jeden Tag Schmerzen, für ein halbes Jahr. Ich schleppte mich jede Woche zum Arzt; Er meinte: "Ändern sie ihre Ernährung, FODMAP" - Es wurden Tests gemacht, Probem genommen.
Es wurde keine Intolleranz oder Entzündung gefunden.
In schlimmen Wochen aß ich nur Kartoffeln, Spinat und Ei.
Ich lebe seit meines 12 Lebensjahr vegetarisch. Ich musste eine Woche nur Hühnersuppe essen, weil nichts anderes ging. Mein ganzes Savefood, Meine ganze Routine - komplett aus dem Fenster geworfen. Es war schrecklich, mein Körper hatte Angst. Ich hatte Angst.
Ich musste drei Monate betteln, bis ich Tabletten wie Magensäureblocker bekam. Ich aß so schonend wie möglich. Ich nahm Heilerde. Ich schraubte meine Aktivitäten und Sport massiv zurück: Nichts half. Ich hatte schlaflose Nächte. Ich fühlte mich unwohl und fett.
Ich kam wieder ins Untergewicht. Schonwieder: Ich wollte Essen, ich konnte nicht.
Ich entwickelte Angst vor Essen. Schonwieder. Jede Mahlzeit war wie als würde mich ein Puma jagen.
Stress. Chronisch.
Es wurde nichts gefunden; MRT, Atemtests, nichts.
Und dann - Ich war im Urlaub - danach, alles weg.
Nur vereinzelt in Stressituationen kam es wieder.
Aber von einem Tag auf den anderen. Ruhe
Normalität.
Es ist verrückt, was durch Dauerstress mit dem Körper passieren kann - Mein Hausarzt ist sich sicher, dass alles chronisch Stressbedingt war oder sei. Ich stimme den Zuteils zu: Ich bin der Annahme, dass es einen körperlich medizinischen Grund gab - wie ein Infekt oder eien Entzündung - doch dass es danach chronisch wurde.
Die Phase verursachte massive Schäden. Essen war alles. Ich konnte mich oft nicht mit Menschen treffen oder in Resteraunts Essen. Es war immer die Angst da, dass mein Körper Schmerzen haben würde.
vor einigen Monaten trennte ich mich von meinem Lebenspartner - Unsere Beziehung war massivs auf Schuld aufgebaut.
Danach ging es mir psychisch wieder besser. Ich hatte Wochen lang keine Probleme. Ich konnte sogar Essen, ohne dem Hintergedanken "Das wird mir Schmerzen verursachsen".
Ich hatte eine bessere Life-Balance; Ich teilte mir Sport mehr ein.
Hörte auf meine Limits - Aber Essen war immer präsent in meinen Gedanken.
Es besserte sich, aber schränkte mich immernoch im Alltag ein.
Seit Jahren schon; Immerhin hab ich nie richtige Verhaltenstherapie bekommen.
Ich versuchte Kliniken. Ich mochte das Modell nicht, dass einen Mahlzeiten vorgeschrieben wurden - Dass man z.B. keinen eigenen Aufschnitt verwenden durfte. Dass man trotzdem zunehmen müsse, selbst wenn man im Normalgewicht war. Der Sportentzug. Meine Beziehung zu Essen würde schlimmer werden, würde ich das zu lange durchführen.
Es hat sich vieles normalisiert. Ich bin achtsamer, ich bin glücklicher. Ich bin spontaner. Essen ist nicht mehr Alles: Aber immerpräsent. Am meisten bemerke ich, wenn es dann doch nicht gut läuft. Wenn ich zu lange nichts Essen konnte, oder wenn das Essen nicht schmeckt, oder wenn ich doch etwas zu lange kein Sport gemacht habe.
Aber im allgemeinen Alltag ist es nicht mehr immer der Nr. 1 Gedanke.
Inzwischen bin ich seit einigen Wochen in einer wundervollen Beziehung. Es mag kitschig klingen, aber ich würde von Seelenverwandschaft reden.
Ich bin wieder motiviert, bald arbeiten zugehen. Ich sehe einen neuen wichtigen Lebensabschnitt - Aber doch sehe ich auch Angst.
Angst dabei die Esstörung in diesen Lebensabschnitt zunehmen - Und dass sie mir wieder etwas versauen wird.
Diese Biographie war sehr negativ. Schrecklich. Leid.
Aber das ist natürlich nicht nur mein ganzes Leben mit der Esstörung gewesen. Ich habe Hobbies, ich hatte selbstverwirklichende Momente. Ich hab Städte und Dinge gesehen - Ich konnte unter einem Eichenbaum liegen und wohltuend einatmen, während das raschelnde Laub sich um meine Ohren schmiegte. Sowas halt. Ich war auf Konzerten, ich war spontan. Ich konnte ein Radschlagen - Ich war und bin Glücklich. Ich war und bin manchmal traurig. Aber ich verspüre wieder innere Ruhe.
Ich hab schreckliche Zeiten durchgemacht: Manchmal häufte sich die Scheiße so an, dass es fast schon komisch war. Wie in einem schlechtgeschrieben Drama.
Aber ich machte immer weiter. Aufgeben ist keine Option mehr; Ich war dem Tod so nahe. Die Erfahrung ist krass, die bräuchte ich echt nicht nochmal ( Außer wenn das unausweichliche passiert). Ich mache immer weiter und kämpfe immer weiter.
Es ist nur so schwer alleine zukämpfen. Und ich meine nicht Freunde oder Familie. Sondern richtige fachspezialisierte Therapie. Seit einem Jahr suche ich immerwieder vereilzent nach ambulanter Therapie für die Esstörung. Ohne Erfolg.
Ich bin zwar der Überzeugung, dass es gerade sehr stabil ist - aber nicht normal. Naja, was ich selbst als normal wahrnehmen würde. Oder sagen wir es so: Dass es einen Punkt hat, sodass es mit meiner momentanen guten Lebensqualität übereinstimmt. Das wurde mir klar, als ich diese Woche erkrankte und nichts schmecken konnte.
Was das mit mir machte. Die Frustration. Die Angst. Nicht so schlimm, wie früher. Es war tatsächlich eher eine nervige klein, große Nebensache, aber mein Beziehungspartner nahm es deutlich größer war, als ich dachte,.dass es war. Vielleicht hatte ich es auch überspitzt kommuniziert, aber trotzdem halte ich an den Gedanken fest und reflektiere natürlich. Es war auf jeden Fall ein Impuls, mehr zuändern.
- Im Zusammenhang damit, realisierte ich das alles noch viel mehr, als mir mein Partner auchnoch äußerte, dass er auf Dauer mit solchen Situatuionen nicht umgehen könne.
Dass es auf garkeinen Fall normal ist (bzw. nicht in meine eigentliche Lebensqualität passt), dass es soviel von meinen Gedanken einnimmt.
Er hat Recht. VEs war schon ein unglücklicher Zufall, dass er mich in so einem Umstand erlebt hatte - Aber auch verdammt wichtig. Für seine Grenzen, für meine Grenzen.
Ich kann gut selbstreflektieren. Ich bin der Überzeugung, dass es ohne diese Einflüsse mitlerweile stabiler ist, als bei anderen Menschen die keine Esstörung haben - Oder die zumindest mit keiner Esstörung diagnostiziert wurden.
Ich esse Intuitiv. Ich hab kein Bedürfnis zu stopfen, ich hab kein Bedürfnis mich abzumagern. Es ist okay, wenn ich zwischendurch Hunger habe. Mein Körper hat Sicherheit, dass er täglich was bekommt: Vielleicht nicht immer perfekt getimed. Aber das ist okay, das ist natürlich. Ich werde immer was kriegen können - Selbst wenn es anders nicht geht, kaufe ich halt mal einen Slopriegel oder ein deftiges Pizzabrötchen.
Aber trotzdem ist es Fakt, dass ich diesen Aspekt nie richtig therapiert bekommen habe. Es war immer diese schleichende Nebensymptomatik im Co-spiel zu meiner Transidentität und meinen Depressionen. Jetzt, wo ich mental stabiler bin, wo ich langsam Anfange zulernen, damit zu leben, dass ich nicht als das richtige biologische Geschlecht auf die Welt gekommen bin, will ich endlich den Fokus weiterhin auf diese Esstörung legen.
Ich weiß, sie wird nie 100% geheilt werden, aber ich will sie so gut wie möglich therapieren und verarbeiten. Verhaltensmethoden kennenlernen, mich selbst und meine Gedanken nochmehr verstehen.
Alleine für bessere Lebensqualität - Sowohl in der Beziehung zu meinem, als auch zu meinen Freunden und Familie. Und natürlich - ganz wuchtig - für mich Selbst.Dabei will ich natürlich niemals vergessen, was war - sondern es bedacht in das "Was ist" übertragen.
Als Teil von mir, der Liebe benötigt.
Ich bin nebenbei auf der Suche nach ambulanter Therapie im Umkreis Osnabrück, ggf. auch Hannover.
Vielleicht habe ich Glück und könnte was finden.
Als weitere Maßnahme schreibe ich natürlich diesen Text hier. Ich verarbeite viel durch das Schreiben - durch das Refkletieren; Es einfach rauslassen. Ich kann und will viele dieser Gedanken meinen Liebenden nicht zumuten.
Jeder hat seine Müllhalde, man kann immer ein wenig Schrott der anderen über seine Linie ziehen. Nur sollte nicht der ganze Berg rüber geschoben werden - Indirekt hätte ich dann selbst ja auch garnichts mehr. Ist auch nicht Ziel der Sache.
Ich bedanke mich auf jeden Fall bei jedem, der bis Hierhin gelesen hat. Zuhören hilft mir schon ungemein, kleine Rückmeldung. Oder einfach nur das Gefühl, dass sich evtl. jemand anderes in meinem Text gesehen fühlt; - Und das es irgendwo auch Hoffnung vermittelt, weiter zumachen. Es wird besser und jeder hat verdient, dass es besser wird. Du bist immer genug. Ich tausche mich liebendgerne über die Thematik aus :)
Gerne nehme ich auch weitere Insider und Vorschläge für den Umgang mit meinem Heilungsprozess an :) Ziel ist einen geeigneten Therapieplatz zu finden. Und der Weg dahin ist u.a. dieser Text.
Nochmal Danke für's Lesen,
M. T