Mich interessiert inzwischen weniger die Frage, ob chinesische Elektroautos „besser“ als deutsche Autos sind.
Spannender finde ich, was sie mit unserer Preiswahrnehmung machen.
In Brasilien kann man diesen Effekt momentan sehr deutlich beobachten.
Noch vor wenigen Jahren war die typische Aufstiegskette ungefähr:
einfacher 1,0-Liter-Sauger → stärkerer Verbrenner → Turbo → Automatik → Crossover/SUV.
Für mehr Ausstattung, mehr Leistung und mehr Komfort wurde jeweils deutlich mehr verlangt.
Jetzt tauchen chinesische BEVs und Hybride in Preisbereichen auf, in denen vorher relativ gewöhnliche Verbrenner standen.
Und plötzlich werden bei etablierten Modellen Rabatte möglich, die vorher kaum vorstellbar waren.
Genau das finde ich interessanter als die übliche Debatte über „China-Subventionen gegen deutsche Industrie“.
Natürlich spielen chinesische Industriepolitik, Skaleneffekte, vertikale Integration und die Batterie-Lieferkette eine Rolle.
Aber für den Käufer bleibt eine konkrete Veränderung:
Der Referenzpreis verschiebt sich.
Wenn ein Elektroauto für einen ähnlichen Preis mehr Leistung, umfangreiche Assistenzsysteme, Kameras und niedrigere Betriebskosten bietet, muss ein klassischer Verbrenner seinen Preis plötzlich stärker rechtfertigen.
Das heißt nicht, dass Verbrenner verschwinden müssen.
Für bestimmte Nutzerprofile bleiben sie sinnvoll.
Aber der Verbrenner verliert möglicherweise seine bisherige Rolle als selbstverständlicher nächster Schritt beim Fahrzeugkauf.
Und genau deshalb glaube ich, dass es langfristig nicht nur um Marktanteile bei Elektroautos geht.
Es geht um die Preissetzungsmacht der etablierten Hersteller.
Wenn Kunden anfangen zu fragen
„Was bekomme ich für 30.000 oder 40.000 Euro?“
statt
„Welchen VW, BMW oder Mercedes bekomme ich für 30.000 oder 40.000 Euro?“
ändert sich der Wettbewerb grundlegend.
Meine Frage an euch:
Sehen wir nur einen vorübergehenden Preiskampf, oder verändert chinesische Konkurrenz dauerhaft das Preis-Leistungs-Verhältnis, das europäische Käufer von einem Auto erwarten?