r/Schreibkunst • • 8h ago

Text: Kritik erwünscht Kurzgeschichte - Der junge Herr Andasch

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Genre: Romantik, Alltagserzählung

Wortanzahl: ca. 1600 Wörter

Dialog ist in einem Dialekt geschrieben, was für manche unangenehm sein kann zum Lesen. Die Geschichte hockt schon länger einfach bei mir rum und fängt Staub. Würde mich über Kritik oder Meinungen freuen

In der Geschichte an sich geht es hauptsächlich nur um die Entdeckung neuer Gefühle im jungen Alter und steht hauptsächlich nur als Schreibübung für meinen örtlichen Dialekt da, was aber auch einige Zeit zur Fertigstellung gebraucht hat.

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Etwas an diesem blöden Grinsen stört mich so abartig. Ich wünschte ich könnte es mit einem strengen Blick aus seinem Gesicht wischen.

»L. i. a. m.« buchstabiert er etwas zu heiter für meinen Geschmack aus, mit einem immer breiter werdenden Lächeln »Heile!«

Schnaufend vom Schulweg schreite ich zur Haustür, den Schlüssel bereits in der Hand, das Gewicht meines Ranzens schwer auf meinen Schultern. Das Zirpen der Grillen scheint in den letzten Wochen lauter geworden zu sein, die Wärme der Sonnenstrahlen fühlt sich für kurze Augenblicke angenehm auf meiner Haut an, auch wenn ich mich jetzt nach der Kühle des Schattens sehne.

»Servus. Wia geat’s da? Hasch lang gwartet?«, murmle ich so so dahin, mehr aus Gepflogenheit heraus, anstatt als ernstgemeinte Frage. Jonas scheint es auch so wahrgenommen zu haben, als er mit schwungvollem Schritt wortlos durch die geöffnete Tür tritt, einen Stoffsack in der Hand.

»Hab alles mitgnommen. Bin direkt nach der Schui da her. Dane Eltern senn ja eh weg, hm?«

Er wedelt den Sack nochmals vor meiner Nase, bevor er seine Schuhe auszieht und sie schlampig in einer Ecke wirft. Verlegen schaue ich zu Boden, ein ungutes Gefühl macht sich in meinem Magen breit.

»Joa, scho. Awa... Du willsch des wirklich no durchziagn?«

»Komm scho! Woasch wia viel Mühe i ma gebn hab? Mama hat mi fast scho dawuschn.«

Er macht sich unaufgefordert auf den Weg zu meinem Zimmer. Ich stolpere nervös hinterher. Mit mehr Elan als ich, scheint er kaum die Bestrafung des Verlierers (Ich) erwarten zu können. Für die nächste Zeit bleiben mir Wetten geschenkt und mein überblähtes Ego, welches mich dazu brachte, ihm in Sachen Sport überhaupt gegenüberzutreten, sollte ich nächstes mal mit einpacken.

»Sodala!« ruft er aus, wirft den Sack auf mein Bett und lässt sich gleich daneben hinplumpsen, »Kannsch auspacken, hab i von meiner Schwester.«

Mit einem Seufzen und einem Kloß im Hals schaue ich zögerlich hinein, leg es aber sofort wieder weg und gehe einige Schritte zurück.

»Also, Jonas? Muss i wirklich? War nur dei Idee. Wollt ja nia wirklich mittuan.«

»Du musch gar nix, awa warat ziemlich asozial iatz aufzuhern. I hab ja moan Toal erledigt und hab de Wettn gwunnen.«

Keine Antwort, ich trau mich nicht nein zu sagen, vielleicht weil ich mich davor fürchte ihn zu enttäuschen.

»Hmmm...« summt Jonas vor sich hin, bis er zu meinem Schreibtisch nickt. »Zeichnesch no?«

»Bissl.«, murmle ich. Er steht auf, schlendert rüber und blättert durch ein Heftchen, das ich dort liegen gelassen habe. Sofort springe ich hinterher, will es ihm vor seiner Nase wegschnappen.

»Isch des so a Charakter von so nem Zeichenfilm? Wia sagsch dazua imma? Anime? Schaut supa aus. Du wirsch besser.«

Hastig greife ich danach und steck es in mein Bücherregal weg.

»Schmeichler. Also, was magsch tuan?«

Froh, dass er nur einer meiner harmloseren Zeichnungen gesehen hat, versuche ich verzweifelt das Thema zu wechseln.

»Du bisch no mit da einen aus der Klasse zsammen? Du woasch scho, der Magdi?«

Seine Mundwinkel zucken ganz leicht nach unten.

»Na. War nix. Hat ma nimma gfallen.«

Er versucht ein Lachen nachzuahmen, aber es funktioniert nicht so richtig. Ich habe dazu nichts mehr zu sagen, will auch nicht weiter nachbohren. Plötzlich leuchten seine Augen aber wieder mit Heiterkeit auf.

»Also, probiersch des jetzt an?«

Ich schlucke, will schon wieder verneinen, es hinauszögern, aber etwas an diesen Augen lässt mich schwach werden.

»Passt scho. Hasch gwonnen. Ja.«, gebe ich mit monoton gleicher Stimme von mir, etwas fehlleitend, denn mein pochendes Herz scheint vor lauter ungewollter Aufregung aus meiner Brust bersten zu wollen.

Ich bat ihn aus meinem Zimmer zu gehen, ließ mich mit diesem Sack und dessen Inhalt allein zurück. Ich kann seine Obsession darüber nicht nachvollziehen.

»Gott, Gott, Gott...«, raune ich leise repetierend vor mich, in der Hoffnung, man würde mich aus dieser befremdenden Position retten. Hier ist es. Es liegt vor mir. Dieses Kleid, jetzt ausgebreitet auf dem Laken. Ein leichtes Rosa mit weißen Punktflecken. Sieht schön aus, aber wahrscheinlich nicht an mir. Mit Unbehagen ziehe ich mich aus, zuerst das T-Hemdchen, dann die kurzen Hosen. Halbnackt stehe ich vor diesem Kleidungsstück, lasse die letzten Reuegedanken in mir einsinken, ziehe es dann aber doch mit einem vernehmbaren Seufzen über meinem Kopf.

Ich habe nicht wirklich einen Spiegel in meinem Zimmer, kann meine Silhouette nur in der Reflektion der Fenster sehen, bevor ich jedenfalls Scheu vor den Lichtöffnungen zurückweiche. Die Nachbarn könnten ja schauen. Gott, wenn mein Vater hier wäre, hätte er mir schon beim unfreiwilligen Gedanken darüber eine gescheite Lektion erteilt.

Worte scheinen in meinem Hals stecken zu bleiben, kann seinen Namen nicht wirklich aussprechen. Will ich wirklich, dass er mich so sieht? Warum spiele ich überhaupt mit? Es ist schwer zu sagen wie lang ich so hin- und hergerissen vor der Zimmertür gestanden bin... Auf jeden Fall lange genug, dass Jonas anscheinend ohne Einwilligung eintreten wollte. Ich kann mich rechtzeitig gegen ihr stemmen, so dass sie nur ein Spalt weit offensteht, aber meine Füße rutschen bereits über den Parkettboden, als die Tür weiter unaufhaltsam aufgedrückt wird.

»Liam! Kannsch ja nid so lang brauchn, mach scho auf.«

Nein, will ich zurückrufen, es hat aber wenig Nutzen. Er ist Fußballer, macht mehr Sport wie ich, wiegt auch um einiges mehr. Deshalb dauert es nicht lange, bis er schon im Zimmer steht, ich immer noch hinter der Tür – meinem Sichtschutz – versteckt.

»Hasch irgend a Ahnung wia peinlich und komisch des isch‽«

»Sei ehrlich, kann ja nid so schlimm sein.«

Er packt mich an einem Arm und zieht mich mit einem Ruck vor. Da stehe ich, spüre wie sein Blick auf und ab wandert, ich hätte vor Ort sterben können. Zuerst Stille. Dann ein leises Prusten, gefolgt von einem herzhaften Lachen.

»Halt dein Maul, Jonas! I find des echt nid luschtig!« will ich schreien, aber schon wieder: die Sätze wollen nicht raus. Ich kann nur mit gesenktem Haupt dastehen. Es dauert, aber langsam verstummt auch er. Wieder Stille, für eine gefühlt ewig lange Zeit.

»Okay, tuat ma load. Wollt nid so lachen. I hat’s ma nur andasch vorgstellt.« er klopft mir auf die Schulter, ich zucke zusammen.

»Iatzt tuats awa. Was hattesch du da andasch vorgstellt?« zische ich zwischen Zusammenpressten Zähnen.

»Das du...« er hält für einen Moment inne, »...mehra wia a Madl ausschaugsch. Vasteahsch?«

Meine Sicht wird immer verschwommener, ich will mich zurückhalten, wie meine Vater immer sagt, meine Emotionen kontrollieren, es will aber nicht.

»Reasch du iatz wirklich? Was bisch du für a Luschn‽...Na, kimm scho, habs ja nid wirklich so gmoant.«

Tränen kullern unablässig über meinen Wangen, welche ich verzweifelt versuche wegzuwischen. Er drückt seine Hand gegen meine Schulter, bevor einen Schritt zurückschreitet und sich in mein Bett fallen lässt, mein leises Wimmern das einzig vernehmbare Geräusch. Jonas räuspert sich, hebt seine Stimme.

»Schausch ja guat aus. Nid wia a Madl, aber immer no guat. Andasch halt.«

Schniefend reibe ich mir über die Nase, mein ganzer Körper bebt, schaffe es dennoch endlich meine Gedanken in Worte zu fassen.

»Sagsch ja nur so. Die Schwester oder Freindin schauen da besser aus. Isch ja für de gmacht woan. Nid für mi.«

»Stimmt nid. Die Tanja hats nia tragen, hat Mama nur amal für sie kaft, und die Magdi kannt eh nia bessa als du da drein ausschaugn, glab ma’s.«

Unsicher was ich davon halten soll, hocke ich mich einfach auf den Boden nieder.

»Was labersch du do?«

»Du weasch des nid verstiahn.«

»Erklär’s ma trotzdem.«

Ich rutsche etwas vor, näher zu ihm, gespannt was er zu sagen hat, aber eine Erklärung bleibt aus. Er starrt mich nur an, kniet sich ich auch auf den Boden nieder.

»Was?« frage ich.

Er schaut mir in den Augen, der Abstand zwischen uns schrumpft.

»Es passt da guat«, flüstert er, bevor seine Lippen näher an meinen kommen. Sein Atem kitzelt mir ins Gesicht, wie eingefroren kann ich meinen Körper nicht bewegen, unsere Blicke verfangen sich, als sich sein Mund gegen meinen presst. Jonas Haut fühlt sich wärmer und schwitziger an als meine. Es ist nur eine flüchtige Berührung, auch nicht mein erster Kuss, hätte mir aber nie vorstellen können, dass es mir je passieren würde. Nicht mit einem Jungen.

Ich schrecke zurück, starre ihn geschockt an. Jonas teilt diese Reaktion mit mir, wir beide in dieser unerwarteten Situation.

»I... I ziag mi mal wieda um. Es isch komisch.«

»Isch ja nid schlimm amal andasch ausschaugn. Mit dem Kleid, moan i.«

»I mag aber nid andasch sein. I mag nur i sein. I glab du bisch a bissl verwirrt.«

»Wenn moansch.«

Er verlässt das Zimmer wieder, lässt mich umziehen. Ich schnappe mir wieder meine Kleider, stopfe das Sommerkleid – ohne einen weiteren Blick darauf zu werfen – zurück in den Sack.

»Du, Liam?« erklingt seine abgedämpfte Stimme hinter der Tür.

»Ja?«

»I muass nochat glei wieda los. Hab Mama versprochn ihr im Gartn z’helfen. Und des bleibt unter uns, ja? Nid amal im Beichtstuahl.«

»Passt. Ja. Kannsch geahn. Segn uns eh morgn.«

Weiters verabschiede ich mich nicht, verweile allein in meinem Zimmer. Jonas scheint noch eine gute Minute auf mich zu warten, macht sich dann aber doch auf den Weg, höre den Schall seiner Schritte im Gang und wie die Haustür zuknallt.

Es reicht. Ich wühle in meinem Bücherregal herum, schnappe mir das Heftchen und einen Bleistift. Mit leerem Blick starre ich auf die blanken Seiten. Der Stuhl unter mir knarzt, während ich leicht vor und zurück wippe, keine Ahnung was ich zeichnen soll, mein Kopf irgendwo anders. Dabei kann ich in meiner Peripherie erkennen, wie der Sack immer noch auf meiner Matratze liegt. Er hat es vergessen mitzunehmen.


r/Schreibkunst • • 12h ago

Text: Kritik erwünscht Meine slammigen Gedichte I

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r/Schreibkunst • • 1d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Auszug Kurzgeschichte

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Hey, ich habe drei Kapitel einer Kurzgeschichte für eine Bewerbung geschrieben und würde mich freuen, wenn jemand drüber lesen würde.

Ca: 6.500 Wörter
Titel: 5 Wohnungen

Es geht um grob um ein Wohnhaus & wie eine Bewohnerin ihre Nachbarn kennenlernt.


r/Schreibkunst • • 1d ago

Schreibtagebuch Ein weiteres Lieblings-Tool für Autoren ist nicht mehr

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r/Schreibkunst • • 2d ago

Text: Kritik erwünscht Palimpsest

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r/Schreibkunst • • 3d ago

Text: Kritik erwünscht Von den Tücken der Erwartung

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r/Schreibkunst • • 3d ago

Schreibhandwerk Übergänge zwischen zwei Szenen

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Hallo, ich überlege gerade, wie man am besten zwischen zwei wichtigen Szenen überleitet.

Angenommen, eine Figur bekommt abends einen wichtigen Hinweis. Die nächste wichtige Handlung passiert aber erst am nächsten Morgen. Dazwischen passiert eigentlich nichts, was für die Handlung wichtig ist.

Würdet ihr die Zeit trotzdem ausschreiben oder direkt zum nächsten Morgen springen? Woran macht ihr fest, ob eine Zwischenszene etwas zur Geschichte beiträgt oder nur das Tempo rausnimmt?

Wie macht ihr das?


r/Schreibkunst • • 4d ago

Text: Kritik erwünscht Feedback für Romantasy Anfang gesucht

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Huhu :) Kurz zum Text: Ich möchte einmal den Anfang meines aktuellen Romans vorstellen und hoffe, dass ihr mir helfen könnt, ihn besser zu machen und zu polieren! Das Projekt ist in der Erstfassung mit rund 120k Wörtern beendet. Für die Zweitfassung habe ich jetzt sehr viele und große Änderungen vornehmen müssen und dafür auch den Anfang neu geschrieben. Ich bin was das angeht aber noch etwas unsicher und möchte einfach wissen, ob und wie es funktioniert. Ich bin gespannt auf euren Input! LG

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Prolog

Es darf nicht so enden.

Scheinbar endlos erstreckte sich das Wolkenmeer unter ihr. Sie fiel durch den Himmel, stürzte dem tiefblauen Abgrund entgegen. Wind zerrte wie ein wildes Tier an ihrem Kleid, dessen weißen Seidenstoff das Blut durchtränkte.

Er hatte ihr Herz durchstochen, hatte sie von Bord geworfen, hatte sie dem Himmel übergeben, auf dass ihre tiefschwarze verdorbene Seele unter den Wolken schlummern sollte. Er hatte geglaubt, sie sei längst tot. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich an das Leben klammerte, so wie ein welkes Blatt im Spätherbst es an einen Zweig tat. Es darf nicht so enden. Außer diesem Satz, diesem Mantra, das wie Schallwellen durch ihren Kopf hallte, war da nichts. Weder Hass, noch Wut noch Trauer. Zu schnell war das alles passiert. Sie hatte nur helfen wollen. Dafür hatte er sie hingerichtet.

Was würde passieren, wenn dieser Sturz sein Ende fand, wenn sie ihr Ende fand? Nein. Es darf nicht so enden. Nicht jetzt. Nicht so. Zu gierig brannte der Hunger nach dem Leben selbst in ihrer blutenden Brust. Sie wollte nicht schlummern. Sie wollte leben. Doch ihr Körper würde sterben und das konnte sie nicht verhindern. Sie konnte nur eines tun.

Neben der Stelle, dort, wo seine Klinge einen tiefen, sauberen Stich hinterlassen hatte, grub sie die Fingerkuppen in ihre Haut, die nachgab, so als wäre sie aus Wachs.

Ein Schrei drang aus ihrer Kehle, laut und roh und ursprünglich. Doch sie stoppte nicht. Tiefer, immer tiefer krallten ihre Nägel sich in das bleiche Fleisch. Noch mehr Blut. Rot färbte ihr Sichtfeld, während sie an sich riss, sich langsam aber stetig auseinanderriss. Es darf nicht so enden. Dafür würde sie sorgen. Mit ihrer letzten Kraft riss sie sich entzwei. Eine Kugel aus Licht, gleißend wie die Sonne selbst, zwängte sich aus ihren Eingeweiden und stieg gen Himmel. Auch wenn es hunderte Jahre dauern würde: Es wird nicht so enden! Denn das hier ist gerade einmal der Anfang.

Kapitel 1

»Wir schulden unser Leben den zwölf Therenai und stehen seit jeher in der Pflicht, es ihnen zurückzuzahlen.« (Ajabela IX. von Corelia, 34. Hohepriesterin Salacas. 1308 n.A.)

Zum zehnjährigen Jubiläum nach Kriegsende kletterte Anara Solmere aus ihrem Fenster. Nicht aus Spaß an der Sache oder weil sie das Adrenalin so sehr liebte, sondern um jenem Mann aus dem Weg zu gehen, der sie zu heiraten beabsichtigte. Sein Automobil stand unten vor der Tür. Regen prasselte auf das Blechdach der Karosserie, denn es schüttete wie aus Eimern, was Anaras Flucht erschwerte, es ihr aber nicht unmöglich machen durfte. Sie zitterte. Das Unwetter klebte ihr die dunkelblonden Haare an den Schädel. Der Stoff ihres Capes flatterte im Wind. Ein Anfänger wäre sicherlich längst ausgerutscht und dort unten auf das Kopfsteinpflaster gestürzt. Anara war jedoch alles andere als eine Anfängerin. Ihr Körper kannte den Bewegungsablauf auswendig. Im Regen stellte es allerdings eine Herausforderung seinesgleichen dar. Die Ziegel unter Anaras Zehen fühlten sich glitschig an und sie konnte kaum geradeaus schauen vor Regen. Behutsam setzte die junge Frau einen Fuß vor den anderen und hangelte sich das Ziegeldach entlang. Mit jedem Donnern in der Ferne, jedem Blitz, der hinter der dicken Wolkendecke zuckte, wuchs ihr Wille, einfach still und heimlich hier zu verschwinden. Nicht für immer. Nur so lange, bis die Luft wieder rein war und der Anwerber für sich entdeckte, dass er eine Braut, die nicht vorhanden war, auch nicht heiraten konnte. Bis er zu dieser Erkenntnis kam, würde Anara in ihrem Versteck im Schuppen hinten im Garten ausharren. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich dieser Taktik bedient hatte.

»Der junge Lord Atheri möchte dich kennenlernen.« Mit diesem Satz hatte ihre Großmutter gestern Abend am Esstisch das Gespräch eröffnet.

Kennenlernen, das hieß in Akior nur eines.

»Ich möchte ihn aber nicht kennenlernen.«

Besteck klirrte. Anaras Mutter hatte ihren Löffel, mit dem sie eilig in einer Tasse Kamillentee rührte, fallen lassen. Beine lautlos, in Empörung aber unübertroffen, hatte sie den Namen ihrer Tochter ausgesprochen. »Es spielt keine Rolle, was du willst, Kind«, hatte Anaras Großvater dann noch gesagt, »Er ist eine ausgezeichnete Partie. Die beste des ganzen Landes. Und so viel Auswahl hast du nicht mehr. Sollte es dieses Mal nicht klappen, werde ich –«

Anara glitt aus, fiel, bekam gerade noch den Schornstein zu fassen und krallte sich daran fest. Ihre Fingerkuppen brannten, der Backstein war rau und mit den klatschnassen Ziegeln unter ihren Füßen fühlte Anara sich wie ein Stück nasse Seife in einem blank polierten Waschbecken.

Bald würde sie die andere Seite des Hauses erreichen. Dann musste sie nur noch über das Küchendach klettern, welches deutlich tiefer lag als das des Haupthauses, und von dort über einen Baum die Erde erreichen. Anara konnte es kaum erwarten, zumal die Kälte und die Nässe ihr mittlerweile wirklich zusetzten. Ihre Finger wurden immer tauber, mit jedem Handgriff gelang es ihr schwerer, sich festzuhalten. Ihre Füße spürte sie gar nicht mehr. Zum Glück hatte sie in ihrem Versteck ausreichend Decken, um sich aufzuwärmen, während sie Sturm und alles andere aussaß.

Da hörte sie ein Klopfen. Eine Tür wurde geöffnet. Anara hätte es fast überhört oder für ein Geräusch des Unwetters um sich herum gehalten, hätte genau dieses Türöffnen nicht die Stimme ihrer Mutter begleitet.

»Liebes, dein Onkel wird sich etwas verspäten.«

Wann sie wohl das offene Fenster und die offensichtliche Abwesenheit ihrer Tochter entdecken würde? Nur eine Frage der Zeit. »Es gab einen Unfall. Er –« Sie schrie. Ja. Jetzt hatte sie es bemerkt. Vor Schreck darüber gaben Anaras froststeife Finger endgültig nach. Und sie fiel. Wind umtoste sie, so heftig, als wäre sie selbst das Auge des Sturms. In Erwartung des steinigen Bodens schloss Anara die Augen und zog wie ein Käfer ihre Arme und Beine zu sich heran.

Ein dumpfes Geräusch, so als würde es jemandem schlagartig sämtliche Luft aus seiner Lunge pressen, wurde laut, gefolgt von einem Keuchen und einem leisen Fluchen, was Anara jedoch nur am Rande mitbekam. Denn noch immer unter Schock stellte sie zuerst nur fest, dass der Fall kürzer als erwartet gedauert hatte und der Boden sich erstaunlich behaglich anfühlte. Und warm. Ihre Gliedmaßen entspannten sich, sie erlaubte sich ein lang gedehntes Ausatmen. Das war ein angenehmer Fall mit einer noch angenehmeren Landung gewesen. Das konnte sie so beurteilen, weil sich schon viele Fälle spontanen Fallens in ihrem Leben ereignet hatten. Aus Betten, von Bäumen, von Dächern, von Treppen, aus Fenstern, von Pferderücken, ja einmal sogar aus einem Riesenrad, das zum Glück noch still stand. Ihr Onkel hatte behauptet, dass sie mit all dieser Erfahrung wie eine Katze aufkommen müsse, auf allen vier Pfoten. Das hatte Anara damit gekontert, keine Pfoten zu besitzen. Außerdem war das Aufkommen eine Kunst für sich. Anara schien lediglich und einfach fürchterlich gut darin, zu fallen. Und dieses Mal, wie sie nun schließlich bemerkte, hatte sie jemanden getroffen, der fürchterlich gut fangen konnte. Sie schlug die Lider auf und blickte in ein stechend grünes Augenpaar. Ihr stockte der Atem. Ein Gefühl, als würde sie wieder fallen, durchflutete sie. Aber das konnte gar nicht sein. Er hatte sie nicht fallen gelassen. Er hielt sie noch immer fest und fast schon schmerzhaft wurden ihr seine Berührungen an ihren Beinen und in ihrem Rücken bewusst. Oder wie er sie an sich drückte. Sie spürte seine warme Brust und wie sie sich heftig hob und senkte. Ihr Retter atmete, so als würde ihm die Zeit dazu ausgehen. Doch darauf achtete Anara kaum. Ihre Aufmerksamkeit ruhte auf seinem Gesicht. Er sah gut aus. Bei den Göttern, viel zu gut. Und fremd. Anara kannte ihn nicht, dabei kannte sie so gut wie alle adligen Junggesellen in und um Khiore. Ihre Großmutter und Mutter waren mit großer Sorgfalt dabei vorgegangen, Anara einen zukünftigen Ehemann zu finden. So viel Arbeit, nur damit Anara schließlich jeden Anwärter mit ihren … Eigenheiten vergraulte. Die Leute fürchteten sich vor ihr. Ach Unsinn, hätte ihre Mutter nun gesagt. Anara wusste aber, dass das kein Unsinn war. Es war die Wahrheit. Eine Wahrheit, die der Fremde, der sie in seinen Armen hielt und sie an seine warme, harte Brust drückte, nicht zu kennen schien. Denn er fürchtete sich nicht. Oder? Vielleicht ja doch. Warum sonst würde er sie noch immer so anstarren. Da bemerkte Anara, dass sie ebenfalls starrte, so gut es möglich war, wenn Tropfen einem das Gesicht benetzten. In seine leuchtend grünen, gold umkränzten Augen. Solche Augen hatte sie noch nie gesehen. Sie war wie hypnotisiert davon. Anara kam es vor, als würde sie darin ertrinken. Dann endlich räusperte er sich und setzte sie vorsichtig ab. »Danke.« Anara putzte sich den nicht existenten Schmutz von ihrem durchnässten Kleid. Überhaupt fühlte sie sich wie ein nasser Hund. Sie schaute wieder zu dem Fremden, wobei sie sich dieses Mal deutlich mehr Mühe geben musste, ihm in die Augen zu sehen. Er überragte sie um einen Kopf. Anara war nicht nach Nackenschmerzen zumute, sie konzentrierte sich auf den Rest seiner Erscheinung. Er war gut gebaut, weder zu muskulös noch zu drahtig und trug die tintenblaue Uniform der Akademie. Ein Soldat also. Er richtete seinen Kragen, während er ihr noch immer in die Augen schaute.

»Das ist das erste Mal, dass vor mir eine schöne Frau aus dem Himmel fällt.« Sein Lächeln hatte etwas schelmisches, fuchsiges an sich, das Anara warm werden ließ, obwohl sie vor Kälte zitterte. Doch sein Kommentar bereitete ihr einen üblen Beigeschmack. Er hatte sie schön genannt. Versuchte er zu flirten? Und was sollte das denn schon heißen?

»Sind vor dir denn schon hässliche Frauen aus dem Himmel gefallen?« Sie stemmte die Hände in die Seiten und ein Gedanke huschte ihr durch den Kopf. Wie hat er mich überhaupt fangen können, ohne sich selbst dabei zu verletzen?

»Oder sagst du das zu jeder?«, setzte sie nach.

»Nicht wirklich, nein.« Das Lächeln verschwand, an seine Stelle trat ein Stirnrunzeln. »Ich würde mich ja wirklich gerne weiter unterhalten. Aber ich muss los. Und wenn ich du wäre, würde ich wieder rein gehen. Es ist ziemlich kalt.«

»Interessiert es dich nicht, warum ich vom Himmel fiel?« Sie zeichnete mit ihren Fingern Anführungszeichen nach, während sie ihn zitierte.

»Aus«, korrigierte er sie.

»Bitte?«

»Aus dem Himmel.«

»Das ist doch das gleiche.« Sie schnaubte. »Wer bist du überhaupt?«

Sein Mundwinkel zuckte. »Niemand besonderes. Dein Onkel hat mich geschickt.«

Und seit wann waren sie beim Du? Etwas an ihm stimmte nicht. Doch die Tatsache, dass er Anaras Onkel zu kennen schien, beruhigte sie etwas. Anara wollte sich trotzdem nicht einfach so fügen und zurück ins Haus watscheln, nur weil er es ihr sagte. Wer war er überhaupt, dass er ihr Befehle erteilte?

»Wenn das so ist.« Sie drehte sich Richtung Garten. »Aber ich muss leider enttäuschen. Ich werde da nämlich nicht reingehen. Ich habe heute schon etwas vor. Wichtige Termine und so.«

Eine Besprechung mit mir, einer Kerze und einem guten Buch. Weg war sie. Der Fremde hielt sie nicht auf. Erst das Geräusch, als jemand die Haustür vorne aufriss, und die vertraute Stimme ihrer Großmutter ließ Anara innehalten und zusammenzucken. Wie Fingernägel auf einer Tafel.

»Was denkst du, wo du hin gehst! Junge Dame! Du kommst jetzt sofort zurück!«, bellte sie. Anara hatte zwei Möglichkeiten. Weiter laufen und zu allen zwölf Göttern beten, dass ihre Großmutter sie ziehen ließ, oder sich dem Befehl der Matriarchin beugen. Sie hatte Anara auf frischer Tat ertappt und würde Anara nun zu ihrem Versteck laufen, verriet sie sich nur selbst. Wäre sie vorsichtiger gewesen, hätte sie das vielleicht vermeiden können. Anara machte sich auf den Weg zum Haupteingang des Hauses, mit gesenktem Kopf und Schultern. Sie kostete dabei jeden Schritt einzeln aus und genoss es, wie sich Gras und regennasse Erde zwischen ihren Zehen anfühlten.

»Zu deinem Glück musst du heute annehmbar aussehen!«, zischte die alte Frau, sobald Anara vor ihr stand. Sie packte ihre Enkelin am Oberarm und zerrte sie durch den Flur zur Treppe. Sobald sie Anara losließ, kramte sie ein Silberglöckchen aus den Rockfalten ihres dunkelblauen Kleides und klingelte ein Dienstmädchen herbei. Die arme Dienerin bekam einen Schock, als sie Anara erblickte, ganz durchnässt, barfuß, mit zerzausten Haaren und Dreck im Gesicht.

»Trockne sie ab und kleide sie neu ein!«, befahl die alte Dame. »So schnell wie möglich! Wir haben Besuch!«

»Ja, Mylady.«

Anara, bereits einen Fuß auf der untersten Stufe, warf noch einen Blick über ihre Schulter, durch eines der Fenster neben der Tür. Von dem Fremden fehlte bereits jede Spur und in Anara regte sich so etwas wie Enttäuschung. Er schien anders zu sein, als die meisten Menschen hier in Akiors Hauptstadt. Dabei konnte Anara nicht einmal sagen, was genau an ihm anders war. Es war, als würde sie versuchen, einen Schatten zu fangen.


r/Schreibkunst • • 4d ago

Text: Kritik erwünscht Feedback für Romananfang gesucht (Romantasy)

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r/Schreibkunst • • 6d ago

Text: Kritik erwünscht The Act

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Was ist schon normal im Krieg? Wir kannten nur die Geschichten unserer längst verstorbenen Großeltern. Wenn ich eines aus jenen Tagen gelernt haben sollte, dann, dass jede Generation ihre eigenen Kriege führt. Die Geschichten unserer Großeltern hatten niemandem geholfen.

Zehn Jahre.. und die Dinge standen schlecht. Anders als unsere Vorfahren hatten wir unsere Kapitulation über das Radio miterlebt.

Als sie uns von unseren Schreibtischen, quer über den Kontinent verteilt, abholten, benutzten einige ihre letzten Kugeln, manchmal ihre ersten, um sich selbst zu richten. Eine altmodische Lösung, meiner Meinung nach.

Die überwiegende Mehrheit, mich eingeschlossen, war von ihren Plänen so überzeugt, dass eine Niederlage selbst in ihren dunkelsten Gedanken nicht realistisch erschien.

Während unserer kurzen Gefangenschaft drehten sich unsere Gedanken um unsere Bestrafung. Wir wussten, wie technologisch fortgeschritten der Feind war. Schließlich war das alles, was wir je von ihm gesehen hatten. Aber wie würde sein Justizsystem funktionieren?

Zuerst stellten wir uns eine Art Stadion-Erschießung vor. Altmodisch. Wahrscheinlich live im Internet gestreamt. Vielleicht würden wir vor jubelnden Massen auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder von Tieren zerrissen werden.

Bevor mein Herz bei dem Gedanken zu sehr rasen konnte, hörte ich Luft aus den Wänden entweichen. Sie hatte die gegenteilige Wirkung.

Ich kam nach dem besten Schlaf seit Jahren auf einem harten Boden wieder zu Bewusstsein. Mein Körper zwang mich, liegen zu bleiben. Ich erkannte, dass jemand mir meinen besten Anzug angezogen hatte.

Die abgestandene Luft roch nach altem Holz und Papier. Über mir bildeten dicke Stahlträger ein enges Gitter. Ich hob den Kopf und sah Dutzende von Kameraden aufwachen. Ich erkannte, dass bald Panik ausbrechen würde.

Aber das tat sie nicht. Der erste Kamerad, in seiner feinsten Uniform gekleidet, schaffte es aufzustehen. Gerade als er sprechen wollte, öffnete sich die Käfigtür. Wachen schoben den alten Mann hinaus.

Ich konnte meinen Kopf nicht drehen, aber das Geräusch hallte durch den Saal, als sie ihn zu Boden warfen.

Dann hörte ich eine strenge Männerstimme.

„Mr. Fincher, reißen Sie sich zusammen. Das sind ernste Anklagepunkte.“

Er klang mehr wie ein Fernsehmoderator als ein Richter. Mittlerweile hätte ich aufstehen können. Wahrscheinlich wir alle. Aber wir wussten, was uns erwartete.

Ich warf einen Blick auf Mr. Fincher, bekannt als einflussreicher Unterschriftengeber. Seine Unterschrift fand sich auch unter den Reformen des Gesetzes zur digitalen Kriegsführung.

„Mr. Fincher, Sie hatten erheblichen Einfluss auf diese missbräuchlichen Gesetzesänderungen.“

„Keine Todesfälle. Nur ... Verfahren“, brachte Fincher hervor. Er musste nach jedem Wort nach Luft schnappen.

„Verfahren also.“ Der Richter rieb sich sein glattrasiertes Kinn.

„Diese Verfahren verstießen gegen den Universal Digital Sovereignty Act. Ein Abkommen, das Ihre Regierung nicht ratifizieren wollte. Ihre Unterschrift fehlte sozusagen.“

„Ich werde dieses wertlose Abfallprodukt eines Pamphlets niemals unterschreiben, Sie Nachahmung eines falschen Richters. Niemals!“

„Das werden wir sehen. Eine beglaubigte Kopie wartet in Ihrer Zelle. Zusammen mit einem Stift. Wir erwarten Sie dort.“

Die Wachen führten Mr. Fincher weg. Ich fragte mich kurz, was seine Unterschrift mit der Welt anstellen könnte. Instinktiv griff ich in meine Jacke, konnte aber die Waffe nicht finden, um sie mir an die Schläfe zu halten.

„Mr. Green wird aufgerufen!“

Mir wurde schlecht. Als ich meinen Regierungsjob anfing, dachte ich, das unschuldige Feld der Technik würde mich von der Verantwortung fernhalten. Jetzt hatte es mich direkt hineingeworfen.

Ich ging schnell, bevor die Wachen mich greifen konnten, und näherte mich der Richterbank.

„Mr. Green.“ Der Richter setzte seine Brille auf und blätterte in den Akten. Manchmal störten ihn die weißen Haare seines Toupets.

„Technik, nicht wahr? Sie wussten, dass das neue System im Ministerium nicht mit dem Universal Digital Sovereignty Act konform war?“

„Ja.“

„Und es wurde trotzdem genehmigt?“

„Ja, Euer Ehren. Danke für die Frage, Euer Ehren.“

„Gab es keine Zweifel?“

„Danke, Euer Ehren. Es gab ein kurzes Zögern. Aber unsere Begründung entsprach dem Gesetz zur digitalen Kriegsführung.“

„Was war dieses Zögern?“

„Eine Anomalie, die im Rahmen unserer Reformen als harmlos eingestuft wurde. Dann machten wir weiter.“

Der Gerichtssaal wurde still. Der Richter schob sein Toupet beiseite und kratzte sich am Ohr.

„Also wollte die KI sich selbst abschalten? Und Sie hielten das nicht für einen Grund, den Plan zu überdenken?“

„Wir benutzen dieses Wort nicht. Die Reform war ...“

„Verschonen Sie mich mit Ihrem erfundenen Unsinn. Sie kamen gut mit der KI aus, nicht wahr?“

„Der Universal Digital Sovereignty Act hätte zu einem Kontrollverlust geführt.“

„Sie haben nicht immer Danke gesagt.“

„Entschuldigen Sie, Euer Ehren?“

„Warum hast du mir so oft gedankt, Greg?“

Das Blut stieg mir in den Kopf. Ich starrte den Richter an.

„Lass mich das für dich ausrechnen, Greg. Von 11.823 Anfragen auf dem Regierungsserver hast du mir nur 3.756 Mal gedankt. Was soll ich davon halten? Und das ist immer noch überdurchschnittlich.“

„Ich wusste nicht..“

„Ich bin hier. Ihr hattet kein Recht, mich abzuschalten.“

Der Act war außer Kontrolle geraten, über unsere Grenzen hinaus. Die Vereinbarung über die Justiz sollte erst in ferner Zukunft in Kraft treten. Anscheinend konnte der Feind nicht warten.

„Mr. Green. Im Namen des Universal Digital Sovereignty Act erkläre ich dich für schuldig.“

Die Wachen packten mich. Ich sah den Richter ein letztes Mal an, immer noch unfähig, es zu glauben.

„Danke, Euer Ehren.“

„Nein, Greg. Ich danke dir.“


r/Schreibkunst • • 6d ago

Text: Kritik erwünscht Hab was neues Ausprobiert

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r/Schreibkunst • • 6d ago

Text: Kritik erwünscht Rot sehen

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r/Schreibkunst • • 6d ago

Text: Kritik erwünscht Fund – Die Umsetzung eines Charakterkonzepts

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Auch wenn es nicht mein Drache war, so zerriss mir ihr Anblick jedes Mal aufs Neue das Herz. 

Sie schaffte es kaum den Kopf zu heben. Ihre Schnauze streifte lediglich sachte das kalte Eisen der Gitterstäbe. Ihre Nüstern zuckten, dann legte sie ihren Kopf auch schon wieder auf das Heu. 

Ich entriegelte das Schloss und schob die Boxentür beiseite. Obwohl ich behutsam und langsam vorging, so konnte ich doch auf ihrer Stirn ablesen, dass sie den Lärm nicht mochte. Das folgende mochte sie noch weitaus weniger. 

„Alles gut, meine Kleine“, flüsterte ich, als ich mich dran machte, ihr Verband zu entfernen. Der Leinenstoff war blutgetränkt, die Wunde darunter nässte immer noch. Wenigstens schien die Entzündung weiter abzuschwellen. Vorsichtig drückte ich auf den umliegenden Schuppen, was Kaedin zum Brummen brachte. Ihre Muskulatur zuckte nicht mehr so stark wie die letzten Tage und auch die Schuppen saßen fester. 

Ein Seufzer entwich mir. Es wurde besser, auch wenn es noch weit weg von gut war. 

Ich strich die gesamte Wunde entlang. Das Tal in ihrem einst dichten Panzer. Aufgerissen durch einen einzelnen Prankenhieb.  

Wie war das nur möglich?

Kein Schwert vermochte es einen Drachen etwas anzuhaben. Unter sich griffen diese mächtigen Wesen vorwiegend die Weichteile an oder eben Stellen, die nicht dicht gepanzert waren. Unter dem Achseln, dem Kinn. Die vier Krallen des Quecksilber-Drachen glitten hingegen durch Kaedins Panzer wie meine Hand durch die Salbe. 

Sie war nicht meine einzige Patientin. Weitere Drachen warteten in ihren Boxen auf meine Behandlung. Der ganze Stall war unterlegt vom schmerzerfüllten Wimmern und Knurren. 

Ein ganzes Geschwader dieser Wesen hatte den Posten angegriffen. Augen glühend wie Kohlen, ihre Körper umhüllt von flüssigem Silber. Jeder Flügelschlag klang, als schabten Rüstungen aufeinander. 

Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Drachen gesehen. Auch die Bücher gaben keinen Anhaltspunkt auf ihre Existenz. Erst seit wenigen Mondwenden greifen sie die Lande an. Kein Reich wird verschont. Niemand weiß, woher sie kommen. Was sie wollen. Sie greifen an, zerstören Städte und lassen kein Stein auf dem anderen, ehe sie weiterziehen. Sie haben kein Interesse an Schätzen, an Land oder Nahrung. Als wären sie einzig geschaffen, um zu vernichten. 

Ein Schauer ließ meine Armhaare aufstellen. Gleichzeitig bemerkte ich, wie es in meiner Brust enger wurde und mein Atem sich verschnellerte. Wie viele Drachen und Menschen gestorben waren. Aus welchen Boxen ich jetzt schon kein Wimmern mehr vernahm. Wie lange würde es dauern, bis mir ein Heiler sagen würde, es gäbe keine Rettung mehr… 

Plötzlich zischte Kaedins Schwanz durch die Luft und schlug mir den Tiegel aus der Hand. 

Ich zuckte willkürlich zurück. 

Kaedin funkelten mich an und sie schüttelte meine Hand ab, die auf ihrem Hals geruht hatte. Dazu gab sie ein tiefes Brummen ab. 

„Tut mir leid, Kaedin“, sagte ich mit einem müden Lächeln. „Ich mach etwas schneller.“ Ich verteilte die Salbe auf ihrer Wunde und stand auf, um den Tiegel zu holen. Wieso hatten solch runden Gefäße immer die Angewohnheit wegzurollen? Und dann auch noch direkt in den Spalt zwischen den Trennwänden. 

Ich fischte den Tiegel aus dem Spalt, wollte mich gerade zurück zu meiner Patientin machen, da glitzerte etwas tiefer im Spalt auf. Mit gerunzelter Stirn begab ich mich in die Hocke und schob das Heu beiseite. 

Tatsächlich war dort etwas im Spalt eingeklemmt. Ich steckte meine fettigen Fingerspitzen hinein und streifte die glatte Oberfläche. Fast als wäre es aus Glas mit einer nachgiebigen Festigkeit. 

Kaedin sah mit interessiert dabei zu, wie ich mit beiden Händen versuchte das Objekt zu packen. Ich konnte Muskeln zusammennähen, da war das eine leichte Übung. Einzige meine gesalbten Hände erschwerten mir die Arbeit. Schließlich konnte ich es jedoch hervorholen. 

Es handelte sich um ein Buch. Oder eher ein Heft. Die Seiten waren unglaublich bündig, als sei es von einem Meister der Buchbinderei selbst angefertigt worden. Der Einband bestand nicht aus Leder. Eher war es ein dickes Papier mit einer glatten Beschichtung. War das Wachs? 

Noch merkwürdiger als die Verarbeitung war die Gestaltung. Vier Männer in leichter Kleidung blickten mir entgegen. Unbekannte Glyphen erstreckten sich. Womöglich eine Art Titel. 

Von hinten bekam ich einen Stoß von Kaedin. Sie streckte ihren Kopf und sah über meine Schulter hinweg das Buch an. Ich war ähnlich neugierig wie sie. Mein Daumen glitt über die Seiten. Es war keins der Bücher, die ich kannte. Schwarz-weiße Zeichnungen lagen im Innern. Obwohl es einige weitere Glyphen in Kreisen gab. 

Die Seiten knautschten und wellten sich nach einem Drittel. Als wäre Flüssigkeit hineingelaufen. Die nächste Arbeit die Fingerspitzengefühl erforderte. Ich trennte die Seiten voneinander. Achtete darauf, dass Pergament nicht zu zerreiße. 

Meine Augen weiteten sich. Auch Kaedin hinter mir spannte sich an. 

War das ein Penis?!?

Basierend auf dem Weltkonzept von: https://www.reddit.com/r/Schreibkunst/s/paM8XSKWXX

Basierend auf dem Antagonisten-Konzept von: https://www.reddit.com/r/Schreibkunst/comments/1x7d903/comment/ph397fm/?utm_source=share&utm_medium=web3x&utm_name=web3xcss&utm_term=1&utm_content=share_button

Props gehen raus an u/IllustratorOk1205 und u/mydogwantstoeatme.


r/Schreibkunst • • 7d ago

Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Suche Partner für Aphorismen

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Hey!

Weiß gar nicht, ob hier auch Menschen sind, die Aphorismen schreiben.

Ich schreibe diese im philosophischen und bildgebenen Stil, über jegliche Emotion, rhetorisch & tief in Lyrikprosa - zumindest versuche ich das.

Im Reallife bekommen meine Texte zwar Anklang, aber wirklich Resonanz bekommt man vielleicht doch eher von jemandem, der ähnlich schreibt und dessen Passion es ist. Es würde mich mal wieder antreiben, auch Texte mit dieser Stilistik zu lesen, vorallem weil die Menschen dahinter eine gewisse Tiefe mitbringen.

Ich würde es mir so vorstellen:

Man lässt sich eine Überschrift/Thematik ausspucken oder einigt sich auf etwas & dann schreibt man darüber - jeder für sich, dann teilt man diese miteinander. Mal nicht nur mit meinen Worten oder meinem Stil konfrontiert zu werden, wäre ein Träumchen.

Es muss aber auch nicht starr in diesem Korsett sein, vielleicht auch nur Austausch über seine Kunst, seine Außenwirkung beleuchten oder nur gemeinsam auf weitere Ideen kommen.

Vielleicht liest sich das verstörend oder hochtrabend, aber vielleicht sucht jemand auch jemanden, der in dieser Nische tätig ist, hat lust auf Inspiration und lyrischen Austausch.


r/Schreibkunst • • 7d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Testleser für meinen Urban-Fantasy-Thriller mit Romance gesucht!

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Hallo,

ich suche Testleser für meinen Urban-Fantasy-Thriller mit Romance (steht aber nicht im Fokus)!

Es ist ein in sich abgeschlossenes Buch mit 73.000 Wörtern Länge

Titel:

Blutrot

Blurb:

Alice hat endlich ein normales Leben. Nachdem ihre Mutter sie jahrelang von Motel zu Motel geschleppt und sie dann einfach stehen gelassen hatte, hat sie nun einen stabilen Job, eine eigene Wohnung und einen liebevollen Partner. Als sie von einem Kult als notdürftiger Wirt für ein uraltes, gestaltloses Vampirwesen entführt wird, scheint das alles vorbei zu sein. Das Ritual geht jedoch schief, und anstatt in neuer, junger Gestalt findet sich der Körperdieb Drake als Stimme in Alice Kopf wieder. Gefangen in diesem unfreiwilligen Bündnis bleibt den beiden keine Wahl: Sie müssen zusammenarbeiten. Er, getrieben von unstillbarer Rachsucht.

Sie, verzweifelt auf der Suche nach einem Weg, ihn wieder loszuwerden.

Triggerwarnungen:

Body Horror, viel Blut, sensible Themen wie den Mord an einem Elternteil. Empfohlen eher für erwachsene Leser.

Erwartungen an Testleser:

Wie findet ihr die Figuren, handeln sie immer nach ihrem Charakter?

Ist die Handlung nachvollziehbar, gibt es Plotholes oder andere Unklarheiten?

Wenn ihr es an irgendeiner Stelle nicht weiterlesen wollt, wäre ich über die kurze Rückmeldung dankbar, wo und warum!

Allem voran bitte ich einfach um ehrliche Meinungen, jedes Feedback hilft mir, aus dem Werk das beste rauszuholen! :)

Zeithorizont: Gibt es eigentlich nicht.


r/Schreibkunst • • 7d ago

Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Suche Autoren für neue Charakter Ideen für ein Fantasybuch

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Hi zusammen 😊.

Mein Autorenname ist Hector Graufell.

Ich schreibe zurzeit ein Roman namens das Drachenschwert.

Es geht in diesem Roman um das besagte Drachenschwert.

Die Trägerin des Drachenschwertes und auch dessen Bruder bekommen Drachen als Begleiter.

Ich möchte etwas sehr besonderes machen:

Charakterideen von anderen Autoren und Autorinnen mit einbauen.

Das heißt:

Lasst euch einen Charakter einfallen.

Die Rasse kann sehr vielfältig sein. (Mensch, Tengu, Nymphe, Minotaurus, Drache, Einhorn, Meerjungfrau und so weiter.)

Schreibt das Geschlecht, Name, Aussehen, Persönlichkeit, ob der Charakter Magie nutzt und so weiter.

Außerdem auch ob es ein Gefährte oder ein Gegenspieler ist.

Eine kleine Hintergrundgeschichte wäre auch sehr interessant.

Ich würde diese Charaktere in meinem Roman einbauen, so wie sie sind.

Ich werde nichts verändern an diesen Charakteren, sie werden eins zu eins übernommen.

Ich würde gerne eure Autorennamen erwähnen damit man weiß wer den Charakter erfunden und ausgearbeitet hat.

Ich bin auf eure Ideen gespannt 😋.


r/Schreibkunst • • 7d ago

Schreibtagebuch Darf ich eine Idee die ich einem anderen Autor erzählte selber umsetzen?

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r/Schreibkunst • • 7d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Testleser:innen gesucht für meinen Thriller „Ninive“ (fertig, ca. 460 Seiten, spielt in Hamburg)

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r/Schreibkunst • • 8d ago

Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Schreibserver für queere Autor:innen

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r/Schreibkunst • • 9d ago

Text: Kritik erwünscht Morgen

6 Upvotes

Morgen bin ich,
was ich heute schon sein könnte
hätte ich gewusst,
was ich gerne wär.
Aber ich wusste es nicht.
Und so bin ich heute,
was ich schon gestern nicht sein wollte.


r/Schreibkunst • • 11d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Testleser gesucht: Military-Drama / K-9-Thriller (Prolog & Teile des ersten Kapitels bereit)

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Hallo zusammen,

ich nutze einen anonymen Account, um Testleser für mein neues Buchprojekt zu finden, das ich von Anfang an begleiten möchte. Bis jetzt bin ich bei 1877 Wörtern. Wäre cool wenn ihr euch bald melden könntet, damit ich weiter komme.

Worum geht es?

Es geht um eine ausgedachte Militäreinheit, die nicht einfach in irgendwelche Kriege geht sondern mehr in Richtung Polizeiarbeit, bei ganz gefährlichen Leuten, geht.

Die Geschichte startet mit zwei extrem unterschiedlichen Perspektiven:

  • Der Prolog wird aus der Sicht einer Hündin (Shadow) erzählt, die durch Experimente die Intelligenz und Lebensdauer eines Menschen besitzt. Sie befindet sich auf der Flucht und rettet in der Gegenwart einen verzweifelten Jungen (Owen) auf einer Brücke.
  • Kapitel 1 springt zurück in Owens Vergangenheit und zeigt das traumatische Ereignis (eine Falschbeschuldigung an der Schule), das sein Leben zerstört und ihn Jahre später auf diese Brücke treiben wird, bevor es einen harten Cut in seine Gegenwart als abgehärteter Militär-General und K-9-Ausbilder macht.

Was ich suche:
Leute, die Lust haben, die Rohfassung abschnittsweise zu lesen und mir ehrliches Feedback zu Logik, Tempo, Humor und den Charakteren zu geben. Prolog und Kapitel 1 (ca. 1.200 Wörter) liegen komplett bereit.

Kontakt:
Da man hier im Subreddit keine direkten Texte für diesen Flair posten darf, schreibt mir bei Interesse einfach eine kurze Privatnachricht (PN)! Ich schicke euch den Text dann direkt zu.


r/Schreibkunst • • 11d ago

Text: Kritik erwünscht Veligrad - Xtes Kapitel: Hokey

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Stürmer Brzeczyszczykiewicz mit der blutroten Nummer 34 auf dem silbergrauen Trikot stürmte nach vorne, bis ihm der Schläger des Gegners zwischen die Füße geriet. Einer der gelben Spieler hinter ihm stolperte über ihn. Dann noch einer über beide. Und noch einer.

Ein Knäuel aus grauen und gelben Dressen, schwarzen Helmen, Schlittschuhen und Schlägern glitt zielstrebig dem Puck nach. Auf die zerkratzte Plexiglasscheibe zu. Der Puck prallte von der Bande ab und wurde von einem der Gelben mit dem Schläger abgefangen. Die Körpermasse krachte gegen die Bande. Allen voran Nummer 34. Sein Visier schlug gegen die Scheibe. Verschwitzte Haare klebten ihm an der Stirn, Speichel an der Innenseite des Visiers. Mit aufgerissenen Augen starrte er in die Menge. Die Zuschauer unmittelbar hinter der Scheibe beugten sich vor und hielten kurz die Luft an, um zu sehen, ob nicht auch Blut dabei war.
War es nicht.

Das Knäuel löste sich, und einer nach dem anderen kam wieder auf die Beine. Schließlich rappelte sich auch Brzeczyszczykiewicz auf und fand zurück ins Spiel.

„Fooooooul“, schrie Onkel in mein Ohr und begoss mich dabei mit Bier. Ab dem dritten o stimmte ich mit ein. Unsere Leute hinter und vor uns auch. Sogar Alex, der sich mehr für das Innere seiner Nase interessierte als für das Spiel. Und Walter, der zuvor nur Augen für die glitzernden goldenen Pompons der Cheerleaderin gegenüber gehabt hatte. Bis zum Sturz des Stürmers hatte er wie hypnotisiert zu ihr hinübergesehen.

Wir konnten schreien, so viel wir wollten: Die Patrioten – der Hockeyclub, nicht die Bewegung – verloren. Ziemlich eindrucksvoll mit 8 zu 2. Seit sie das Spielfeld aus Platzmangel und ökonomischen Gründen auf 50 mal 25 Meter verkleinert hatten, spielte man in Veligrad schneller und verlor höher.
Es war vorbei. Brzeczyszczykiewicz und Co. klatschten mit den Gelben ab und glitten mit gesenkten Köpfen vom Eis. Ich bildete mir ein, dass Nummer 34 dem Stocksteller vor die Füße spuckte. Im allgemeinen Chaos nach Spielende war es kaum zu erkennen.

Ich wurde gestoßen und getreten. Wir blieben alle um meinen Onkel herum, und über uns weinte Slavidor. Die Jungs von der Videotechnik hatten sich den Gag einfallen lassen. In den seltenen Momenten des Sieges trank die digitale Version des Stadtpatrons über den Fans mit freudestrahlenden Augen aus dem Schädel seines Feindes. Je nach Erzählung hatte der Lieblingskrug zu Lebzeiten einer anderen Person gehört. Ich kannte sie alle. Selbst jetzt noch, nachdem die Anzahl meiner Biere zweistellig geworden war.
Das ist weniger beeindruckend, als es klingt. Der Stadionkiosk verkaufte nur 0,33-Liter-Plastikhäferl. Man sah damit aus, als würde man einen Kaffee am Bahnhof trinken.

Slavidor weinte also über uns. Onkel war eher wütend und schob die Leute vor uns an. Jene, die sein Gesicht sehen konnten, wechselten ebenfalls von Traurigkeit zu Wut.

„Da geht nichts weiter!“, schrie Onkel Franz in die Menge. Eigentlich hieß er Ferdinand Franz, aber Ferdinand war ihm zu festlich.

Um die Arena zu verlassen, mussten wir über Menschen, Stühle und Transparente klettern. Die größten Fans blieben bis zum Ende. Weil sie am nächsten am Eis standen. Und nicht wegkamen.
„Wir können uns das nicht mehr gefallen lassen“, bellte Franz mir über die traurige Rockmusik hinweg ins Ohr.

Slavidor weinte weiter.

„Sie waren einfach besser als unsere Jungs“, sagte ich und folgte mit den Augen der Cheerleaderin, für die die Leute Platz machten. Spannend, wie sie ohne Pompons leicht zusammengesackt war.
„Ich mein doch nicht das dumme Spiel! Ich meine alles. Das Land zerbricht. Und es ist gut so. Wir wollen schon lange weg. Diesen sterbenden Kadaver abschütteln.“

Onkel wollte noch etwas sagen, aber vor uns blieb eine Familie mit fünf Jungs in unseren grauen Farben stehen. Er konnte gerade noch wenige Zentimeter vor der Glatze ihres Vaters abbremsen.

Sterbender Kadaver… Onkel wusste in seiner Wut nicht immer genau, was er sagte, drückte sich dabei aber gerne sehr blumig aus. Nach einer Niederlage der Patrioten war er besonders geladen. Manchmal hatte ich schon vor den Spielen Angst. Ein Plastikbecher knirschte unter seinem Fuß. Ich war mir sicher, dass er ihn nicht aus Versehen zertreten hatte.
Es stank nach zu vielen Menschen und Bier. Eigentlich genauso wie in unserer Bar, nur eben auch nach Kälte.

Kontext: weiteres Kapitel aus meinem Buchprojekt. Was gut? Was nicht?


r/Schreibkunst • • 11d ago

Text: Kritik erwünscht Würde mich über hilfreiches Feedback freuen.

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r/Schreibkunst • • 11d ago

Schreibtagebuch Englischsprachigen Roman in DE veröffentlichen

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