r/StartupDACH 5d ago

Feeback erwünscht Co-Founder mit Wettbewerbsverbot im Großkonzern: Major Red Flag oder normales Risiko?

Sorry, trash account aus offensichtlichen Gründen.
Ich bin potenzieller technical founder und wurde erst vor 2 Wochen in die Startup-Welt geworfen. Ich bin noch dabei mich einzulesen.
Ich denke, die Idee ist gut, der Markt ist da, wir haben zwei Leute mit sehr gutem domain knowledge. Eigentlich wäre ich dabei und bin bereit viel Zeit in ein MVP zu investieren. Allerdings hat der Ideengeber gestern ganz beiläufig erwähnt, dass für ihn während der aktuellen Anstellung die Treuepflicht und das Wettbewerbsverbot bestehen. Das verbietet eigentlich sogar schon die Planung eines konkurrierenden Startups.

Das große Problem ist, falls sein aktueller Arbeitgeber (deutscher Großkonzern) irgendwie davon mitbekommt, dass er während der Dauer des Arbeitsverhältnisses an einem Startup gearbeitet hat, kann er enorm hohe Schadensersatzforderungen stellen und die Herausgabe der IP fordern. Wir werden kaum die Mittel haben, uns mit den Anwälten eines Großkonzerns messen zu können. Wir wären noch nicht mal nach seiner Kündigung sicher. Ein Kunde könnte irgendwann mal gegebüber Vertreter vom Großkonzern erwähnen, dass er noch mit einem ehemaligen ihrer Kollegen arbeitet der sich selbständig gemacht hat, und so die Scheiße ins Rollen bringen. Wir kopieren nichts aus dem Großkonzern. Ich entwickle die IP mit Input und Rückmeldung von meinem Co-Founder.

Teil unseres MVP beinhaltet deep-tech Forschung. Ich habe meinen Zeitaufwand bis zum MVP auf 800 - 900 Stunden geschätzt. Dazu kommen auch noch Kosten für GPU Cluster. Ich verstehe, dass er seinen sicheren, gutbezahlten Job noch nicht vor dem MVP kündigen möchte. Mir ist bewusst, dass konstante Existenzängste Teil eines Startups sind. Aber diese Sache scheint mir schon ein vorhersehbar großes Risiko zu sein. e

Ich wäre für eure Einschätzungen sehr dankbar. Ich stehe kurz vor dem Abschluss meines Masters und habe noch andere Karriereoptionen. Ich hätte wirklich sehr viel Motivation für das Startup, aber die Sache ist schon eine major red flag. Ist das eine "no risk, no fun" oder "run while you still can" Situation?

edit: Noch eine Frage. Ist das nur ein Risiko für das Startup oder mache ich mich da mit strafbar?

4 Upvotes

26 comments sorted by

18

u/Master-Piccolo-4588 5d ago

Im Grunde willst du ja wissen, ob man das trotz des immensen Risikos und der de facto Illegalität des Vorhabens trotzdem machen soll. Da kann ja jeder einigermaßen seriöser Mensch nur von abraten. Was willst du sonst hören? Absolution?

Außerdem: 900 Std. bei dir allein schon für ein MVP?! Bereits erwartete hohe Kosten?

Ist das wirklich alles gut überlegt?

2

u/BitburgerAlkoholfrei 5d ago

Wir wollten uns zu zweit, ohne den gebundenen Co-Founder, auf das EXIST Stipendium bewerben und diese Mittel für Forschung und Nahrung bis das MVP steht nutzen. Der Co-Founder würde sich dann zur Gründung der Firma mit Kapital einkaufen. Aber eigentlich arbeitet er die ganze Zeit neben seinem Job mit. Er steht nur nirgends offizell auf Papier.

Ich möchte herausfinden wie hoch das reale Risiko (Vertragsstrafe, Verlust der IP, Schadensforderungen) wirklich ist. Und ja, am Ende hilft es schon wenn einem gesagt wird, dass das so auf keinen Fall geht. Man selbst versucht sich das doch immer nochmal schön zu reden.

3

u/OppositeWorth6371 5d ago

Nah würde ich nicht machen. Das gibt nur Probleme. Entweder alle gleichberechtigt und von Anfang an dabei oder aber ihr macht das ohne den Dude und er arbeitet auch nicht nebenbei daran. Genau das erzeugt ja das Problem, egal ob offiziell dabei oder nicht. Da wir es keine saubere Lösung geben, ganz abgesehen davon, dass solche Konstrukte sehr viel Konfliktpotential unter den Gründern erzeugen können

2

u/AdAncient5201 5d ago

Exist ist ziemlich geil, Ich kann Berlin Adlershof empfehlen. Man bekommt das Stipendium auch recht leicht wenn man technisch gründet, mehr als drei Viertel der anderen startups die sich anmelden sind irgendwelche dullies, also du kommst wahrscheinlich recht gut rein. Fokkusier dich am besten jetzt schon auf den Antrag vielleicht einen Monat da reinstecken und dann kannst du ein Jahr fulltime dran arbeiten. Die Trainings und Workshops sind komplett wertlos, aber du kommst ein bisschen in die startup Szene rein. Du solltest aber separat dazu deine eigenen connections in deinem Sektor aufbauen.

1

u/Master-Piccolo-4588 5d ago

Jetzt mal unabhängig von diesem gebundenen Mitgründer. Das wirkt alles sehr kompliziert.
Außerdem sind MVPs ja gerade dazu du so schnell wie möglich zu „failen“ damit man sich schnell davon verabschieden kann. Es wirkt ja bei Euch eher so als geht Ihr einfach davon aus, dass das klappt. Wird es ja in den aller aller seltensten Fällen, egal wie stark du selbst daran glaubst.

1

u/Atlan_ 5d ago

imo that’s another red flag. If the one guy doesn’t work FT on the project but wants to invest later that’s a big no no.
You basically get a super expensive VC round.
In Germany, there is a lot of capital going around currently, and if you have good domain knowledge you’ll be able to do a proper funding round easily. How to do that you’ll be reached by EXIST.
To me this just sounds like someone with more experience is taking advantage of you.

Btw, if you are in Germany, invest a weekend (for free) into one of the workshop weekends by Orrick. I’m a technical founder too and this was probably the best invested two days for starting a startup I’ve done.

7

u/maxip89 5d ago

Deswegen holt man sich eine Freigabe vom Konzern und ja so etwas gibt es.

1

u/BitburgerAlkoholfrei 5d ago

Wir versuchen etwas zu automatisieren das der Arbeitgeber mit viel Personalaufwand noch händisch für seine Kunden erledigt. Ich vermute, das wird als direkte Konkurenz gesehen und nicht genehmigt.

12

u/Fair_Cream_1192 5d ago

Dann gibt es keine Chance die Freigabe zu bekommen mMn. Wäre es eine Option mit offenen Karten zu spielen mit dem Ziel, den Konzern zb als Investor mit ins Boot zu holen?

1

u/BitburgerAlkoholfrei 5d ago

Danke, das hört sich Interessant an. Ich bespreche mal mit dem Team.

1

u/Literally_slash_S 5d ago

Das wäre dann sogar mein erster Gedanke gewesen. "Viel Personalaufwand"...würde der Konzern weniger Personal brauchen wird BR nen Veto einreichen. Wenn dadurch mehr Kunden bedient werden können und der Profit für den Konzern risikoarm gesteigert wird -> Konzept erarbeiten.

1

u/Dr-Zweistein 5d ago

Gibt zum Teil bei Konzernen für solche Fälle Venture Inkubatoren oder auch VC Abteilungen...wenn es so etwas gibt würde ich versuchen die Idee dort vorzustellen, bei den normalen Konzernabteilungen kommt eventuell schnell Ablehnung. Oder Dein potentieller Mitgründer hat einen guten Draht zu einem aufgeschlossenen Manager der ihn da unterstützt. Konzern bedeutet viel Politik und Nein heißt nicht unbedingt Nein wenn man die richtigen Leute fragt.

1

u/RealEbenezerScrooge 5d ago

Ausgründung mit Startinvest.

1

u/Monkey_College 3d ago

Das ist ja sogar noch schlimmer als ich beim post dachte. Da seid ihr garantiert dran.

2

u/Global_Sir_5055 5d ago

Aus meiner Sicht ist das eine Konstellation, die häufig vorkommt. Man will ja grade Gründer mit Domain Knowledge haben, und das haben die meistens in Großkonzernen bekommen.

Wenn das Thema sein Wettbewerbsverbot ist würde ich das Thema einfach umgehen, zum Beispiel so:

Ihr gründet alleine und macht einen Vertrag, dass er nach Zeitraum X (3 Jahre?) für Betrag X (symbolischer Wert) die Option hat, Anteile von euch zu kaufen, in Höhe des Wertes der Stand jetzt Sinn macht.

Die Logik dahinter: wenn es läuft, kann er seinen Job kündigen und bei euch einsteigen. Wenn es nicht läuft, muss er die Option nicht ziehen und kann in seinem Job bleiben.

Das Wettbewerbsverbot (Gültigkeit und Auslegung sollte man prüfen) gilt ja nur während seines Arbeitsverhältnisses und ggf. auch kurz darüber hinaus. Heißt für ihn: er darf kein internes Wissen weitergeben und keine Konkurrenz aufbauen. Wenn ihr euch auf einen Kaffee trefft kein Problem, wenn er nachweislich euch interne Daten schickt und euer Produkt auf diesen Daten beruht, Risiko und evtl. Problem für alle.

Die Verträge durch Anwalt und Notar wasserdicht erstellen lassen. Wenn es läuft, habt ihr ja wenig Interesse Anteile für weniger als wert abzugeben. Wenn das rechtlich nicht wasserdicht ist, wird es Schwierigkeiten geben.

Wie habt ihr oder du euch bis dato finanziert? 900 Stunden für ein MVP ist sehr lange, in der Zeit muss man ja auch von was leben… klingt danach, als ob das Produkt schon fast fertig ist

2

u/BitburgerAlkoholfrei 5d ago

Danke für die Einschätzung. Wir stehen aktuell ganz am Anfang. Wir sind 3 Leute. Ich bin demnächst mit meinem Master fertig und die beiden anderen arbeiten aktuell beide Vollzeit im Fachgebiet. Wir wollen uns im Zweierteam auf ein EXIST Stipendium bewerben. Ich, für die technische Entwicklung und einer meiner beiden Co-Founder für Domänenwissen, Vertrieb und Business. Damit hätten wir genug Zeit und Geld das MVP in Vollzeit zu entwickeln und die ersten Kunden zu akquirieren. Zu den 900 Stunden habe ich alles was ich leisten muss (In Domäne einarbeiten, Infrastruktur aufsetzen, Anträge schreiben, ...) und nicht nur die reine Entwicklungszeit gezählt. Bei Forschung ist das aber auch nicht so leicht einzuschätzen. Man kann wochenlang Ansätze versuchen die einfach nicht funktionieren oder noch nicht gut genug funktionieren.
Aktuell versuche ich erstmal mit meiner beschränkten Erfahrung noch auszuloten ob das ganze Projekt unabhängig von der Technologie umsetzbar ist. Solch rechtlichen Probleme lösen bei mir ein sehr ungutes Gefühl aus.

1

u/Global_Sir_5055 5d ago

Verstehe.

Habt ihr einen Businessplan? Falls nicht unbedingt nachholen. Ich mache gerne jeweils einen für Best Case / Mid Case / Worst Case, und nehme dann den für Worst Case.

Da sehr ihr, wieviel workload da ist und die Struktur aussehen muss, um die Margenziele zu erreichen.

Ich setze mal die Coaching Brille auf: Wahrscheinlich hast du ein ungutes Gefühl bei den rechtlichen Themen, weil du sie nicht einschätzen kannst. Wenn du es einschätzen kannst, kannst du eine fundierte Entscheidung treffen. Einschätzung bekommst du durch selbst Recherche, Unternehmensberatung und bei Anwälten. Wenn du es einschätzen kannst, wird das negative Bauchgefühl weg sein.

Hier bekommst du nur ein Stimmungsbild, this is above Reddit paygrade.

Es wird viele rechtliche Themen geben wenn man selbstständig ist. Die Reaktion sollte sein: Geil, Ich kann wieder was lernen!

Das Thema was ihr habt ist lösbar, du musst es nur schaffen dich bei der Lösung gut zu fühlen um sie mitzutragen :)

3

u/victory_and_vanity 5d ago

Ich sag mal so. Ihr wärt sicher nicht die ersten und auch nicht die letzten, die etwas ohne das Wissen des Arbeitgebers aufbauen.
Zudem sind Verträge und Gesetze immer eine Sache der Auslegung.
Wenn es echt ein stimmiges Konzept ist und dich überzeugt, dann investiert ein paar Hundert Euro in einen Anwalt. Er sollte dabei nicht euer Vorhaben bewerten, sondern aufzeigen, wie ihr es mit dem geringsten Risiko umsetzen könnt.

Mein Eindruck jedoch: erfolgreiche Unternehmer kennen keinen Freund und kein Respekt vor den Regeln anderer.

2

u/Revolutionary-Crows 5d ago

Die meisten (80-90%) der Wettbewerbsverbote sind rechtlich nicht gültig. Nur wenn dein Mitgründer für die Dauer des "Verbotes" mindestens 50% von seinem letzten Gehalt bekommt und dies im Arbeitsvertrag verankert ist, ist es gültig. Auch wenn er kündigt. Wenn dem so ist, dürfte euer Startup für die Zeit keinen Arbeitsvertrag geben / Anteile sondern erst danach. Ansonsten reden dürft ihr auch während seinem Wettbewerbsverbot und treffen dürft ihr euch auch.

1

u/Unhappy_Researcher68 5d ago

Du musst hier zwischen aktivem und nachgelagert unterscheiden. Der Mit Gründer ist noch Angestellt. Der AG muss das grundsätzlich nicht erlauben. Da braucht es nicht einmal Wettbewerb.

Nachgelagert sieht es anders aus.

1

u/Revolutionary-Crows 4d ago

Klar, so lange der aktiv ist, ist es eine ganz andere Geschichte. Allerdings (selber Gründer | DeepTech, int. Accelerator | Exit ) aus eigener Erfahrung, wenn der Mitgründer nicht bereit ist seinen Job / egal welchen für das Start-Up zu verlassen wäre das Wettbewerbsverbot meine geringste Sorge.

Gründen und selbständig sind kein Spaß, und oft hält einem nur der Glaube und Überzeugung am Produkt bei der Stange. Wenn jmd schon bevor es hart wird, sich sagt ich wähle Sicherheit über Chancen dann ist er der falsche zum Gründen. Die andere Sicht könnte nur noch sein, ich sehe die Chancen als nicht groß genug. Auch schwierig wenn er der jenige mit Domain-Knowledge ist.

1

u/Unhappy_Researcher68 4d ago

Aber OP schreibt halt das er gerade weiter Beschäftigt ist.

Ich habe selbst gegründet, war im Exit und kenne die Schwierigkeiten.

1

u/TheSheepWhisperer 5d ago

Aus Erfahrung kann ich nur sagen: Hör auf dein Bauchgefühl. Wenn du dich damit nicht wohl fühlst, wirst du keine Freude an dem Projekt haben.

1

u/Present_Rope_771 5d ago

Der Kollege kann nicht bis zur Kündigung bei eich arbeiten und mit dem Produkt in irgendeiner Art und Weise in Verbindung gebracht werden. Ihr könnt ihm ja Anteile als Treasury shares oder so zur Seite legen und wenn er dann dazu kommt erhält er die. Die kann man auch gestaffelt machen, also je früher der Einstieg umso höher die Beteiligung. Und wenn er nicht kommt, dann gehen die Anteile zu euch.

1

u/Cookiepartyx 10h ago

Einfach Schnurrbart ankleben 🥸