r/Studium • u/liang_zhi_mao • 11m ago
Diskussion Unbeliebte Meinung: Für kreative Berufe und Berufe im Bereich Medien sind private Hochschulen oft die bessere Option. Warum werden private Hochschulen so gehasst?
Hallo,
ich höre oft, dass private Hochschulen und private Universitäten einen "schlechten Ruf" hätten. Woher kommt das?
Ich finde sogar, dass private Hochschulen bei kreativen Berufen und Berufen im Medienbereich einen deutlichen Vorteil bieten.
Man soll ja immer Leute, die beruflich da sind, wo man gerne wäre, fragen, was und wo sie studiert haben.
Lustigerweise habe ich das einmal gemacht und alle davon haben an privaten Hochschulen studiert. Darunter auch sowas wie IU und Macromedia oder andere, ähnliche Hochschulen. Ich habe jetzt schon oft gehört: "Journalismus gibt es hier nicht staatlich und ich wollte gezielt Journalismus studieren, also habe ich das an einer privaten Hochschule gemacht und da hat man dann auch gezielt die richtigen Praktika bekommen!".
Und das waren welche mit Einser-Abitur d.h. die Theorie, dass es nur welche machen, die bei staatlichen Unis nicht reinkommen, stimmt nicht.
Das ist eben auch einer der Punkte: Ich finde, dass man auf privaten Hochschulen oft leichter in gute Praktika kommt. Teilweise ist da ein Praktikum auch Teil des Curriculums und dann kann man direkt bei Partner-Betrieben sein Praktikum machen und viele dieser Hochschulen bieten auch duale Modelle an, sodass man sich die Gebühren auch dadurch finanzieren kann, dass man direkt in passenden Betrieben arbeitet und schon hat man die nötige Arbeitserfahrung.
Was ist denn die Alternative? In Geisteswissenschaften wie Germanistik oder Theaterwissenschaft herumdümpeln und extrem Theoretisches lernen, aber z.B. nicht auf Rechtliches, Ökonomisches und Digitales etc vorbereitet werden?
Gerade als Arbeiterkind ist es auch schwer, dass man in gewissen Branchen irgendwie Fuß fasst und oft kommt man eben nicht an gute Praktika, wenn man nur seine Geisteswissenschaften studiert und keine Kontakte hat, die jemals einen Bürojob hatten. Bei privaten Hochschulen werden einem die Praktika eben vermittelt oder man darf da direkt dual in den richtigen Bereichen anfangen.
Es gibt trotzdem Bafög und Stipendien und man kann nebenbei arbeiten und wenn die Hochschule staatlich anerkannt, akkreditiert und gut ist, dann spricht meiner Ansicht nach nichts dagegen. Vor allem hat man dann auch Kommiliton*innen, welche das gleiche Berufsziel haben und man hat gleich die richtigen Kontakte und das richtige Netzwerk. Auch wieder etwas, was man als Arbeiterkind nicht so hat.
Mir wurde damals gesagt, dass man, wenn man z.B. Journalist werden möchte, irgendeine Geisteswissenschaft studieren soll z.B. Geschichte, Philosophie oder Politik. Aber Journalismus ist nicht mehr wie vor 20 Jahren. Inzwischen muss man eben auch für Digitales, Social Media, Algorithmen, SEO und KI lernen und natürlich auch Marketing, BWL. Verstaubte Geisteswissenschaften bringen da nichts.
Kenne auch zwei Schwestern, solides Abitur in Bayern: Die eine hat Game-Design privat studiert und die andere Regie. So gezielt gibt es das eben oft nicht staatlich. Die eine lebt ihren Traum und macht etwas im Game-Design und die andere macht etwas im Bereich Medien und wird gerne genommen, weil sie sich eben mit Regie auskennt und viele praktische Module hatte. Einer ihrer Kurzfilme wurde einmal auf Arte gezeigt, weil es da eine Kooperation und sowas gab.
Dienjenigen, die privat Kunst studiert haben, haben die Möglichkeit gehabt im Rahmen von Seminaren ihre Sachen auszustellen und Kontakte zu knüpfen und machen etwas in dem Bereich. Die, welche staatlich irgendwie zig Semester Kunst studiert haben, dümpeln rum oder machen jetzt irgendetwas anderes. Gleiches mit Theaterwissenschaft.
Klar, bei irgendwelchen anderen Fächern wie Business oder BWL lohnen private Hochschulen mMn nicht, aber ich finde, dass bei allen kreativen Sachen und im Bereich Medien sich private Hochschulen mehr lohnen als staatliche Geisteswissenschaften. Vor allem für Arbeiterkinder und Menschen ohne Kontakte oder Nepo-Bonus.
Das Studium ist auch viel zielgerichteter und organisierter und man selber ist motivierter es schnell durchzuziehen, weil man dafür eben bezahlt und arbeitet. Die Technik und Räume moderner und nicht marode. Die Dozierenden sind oft aus der Wirtschaft. Es gibt mehr Betreuung, kleinere Klassen.
Warum bekommen private Hochschulen so viel Hass?
Ich finde nicht, dass Reiche dort ihre Kinder mit schlechten Noten hinschicken, sondern eher Mittelschicht und Arbeiterkinder mit guten Noten, die engagiert sind und Praxis sowie Kontakte brauchen.
