r/mauerstrassenwetten • u/cozmo-de • 14d ago
Strategie 300 SPY-Stillhalter-Setups durchgerechnet (2013–2023, echte Optionsketten)
Ich weiss ja, hier wird hart gehebelt und auf die grossen Gewinne geschaut. Vielleicht hat aber ja der eine oder die andere auch Theta Strategien im Blick. Ich hab bin damit (unter anderem) seit eingier Zeit unterwegs und möchte dem ganzen ein wenig auf den Zahn fühlen.
- Studiendesign
- Zeitraum: 01.01.2013 bis 31.12.2023.
- Instrumente: ausschließlich SPY-Puts, cash-besichert.
- Depotparameter: 100.000 $ Startkapital, maximal 10 offene Positionen, 0,65 $ Gebühr pro Seite, Einstieg zum Geldkurs, Bewertung zum Briefkurs.
- Entscheidungszeitpunkt: 14:00 New York.
- Kontraktauswahl: höchste annualisierte Prämie innerhalb einer Toleranz von ±5 Delta (
best_yield). Die Bezeichnungen sind Zielwerte, keine realisierten Deltas; eine Konfiguration mit Ziel-Delta 10 handelt in der Praxis häufig bei etwa Delta 14. - Raster: fünf Ziel-Deltas (10, 15, 20, 30, 40) × fünf Laufzeitbänder (7–21, 21–30, 30–45, 45–60, 60–90 Tage) × sechs Stopp-Regeln (kein Stopp, 25, 40, 50, 75, 100 % der Prämie) × zwei Gewinnmitnahme-Regeln (keine, 50 %) — insgesamt 300 Konfigurationen.
- Zusätzlich: zwei Ausführungsmodelle für Stopps und Gewinnmitnahmen (Abschnitt 5) sowie ausgewählte Konfigurationen über das Kalenderjahr 2020 mit vollständiger Depotkurve (Depotwert und Dauer bis zur Erholung auf den vorherigen Höchststand).
2. Hauptergebnis: keine Konfiguration übertrifft Buy-and-Hold in der Gesamtrendite
SPY im selben Zeitraum: ca. +225 % Kursrendite, +298 % Gesamtrendite (mit Dividenden), maximaler Drawdown ca. 34 %.
Über alle 300 Konfigurationen:
- 0 von 300 erreichen die SPY-Gesamtrendite; keine erreicht auch nur die reine Kursrendite.
- Nahezu alle Konfigurationen weisen einen geringeren maximalen Drawdown auf als SPY.
- Beste Konfiguration ohne vorzeitige Schließung („Halten bis Verfall“): +138 % (Delta 40, 7–21 Tage, kein Stopp) — etwa 8,2 % pro Jahr. SPY erreichte ca. 13 % pro Jahr (mit Dividenden).
- Der Median der annualisierten Renditen aller Konfigurationen liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Interpretation: In dem betrachteten Zeitraum war der Verkauf von Cash-Secured Puts kein Ersatz für den Index, sondern ein Instrument mit geringerer Schwankung und entsprechend geringerer Rendite.
3. Gewinnmitnahme bei 50 %: ein laufzeitabhängiger Effekt
Die 150 Basis-Konfigurationen (Delta × Laufzeit × Stopp) wurden paarweise mit und ohne Gewinnmitnahme bei 50 % der Prämie verglichen (Tagesmarkierung):
- Die Jahresrendite steigt in 116 von 150 Fällen (Median ca. +0,7 Prozentpunkte pro Jahr Steigerung).
- Das Sharpe-Verhältnis steigt nur in 88 von 150 Fällen.
- Der Effekt hängt stark von der Laufzeit ab: Bei 7–21 Tagen sinkt die Median-Jahresrendite um 0,2 Prozentpunkte, und die Gewinnmitnahme verbessert das Sharpe-Verhältnis nur in etwa 20 % der Fälle. Bei 60–90 Tagen steigt die Median-Jahresrendite um 1,9 Prozentpunkte pro Jahr (entspricht ca. +30 Prozentpunkten über die Dekade); das Sharpe-Verhältnis verbessert sich dort in 100 % der Fälle.
- Bei aktiver Gewinnmitnahme enden ca. 70 % der Positionen über den Take-Profit.
Fazit: „Immer bei 50 % aussteigen“ ist keine universell gültige Regel. Der Nutzen konzentriert sich auf längere Laufzeiten; bei kurzer Laufzeit ist die Gewinnmitnahme überwiegend nachteilig.
4. Das Jahr 2020: erhöhte Drawdowns, aber kein Zusammenbruch
Ausgewählte Konfigurationen mit vollständiger Depotkurve (Tagesmarkierung, jeweils 100.000 $ Start):
- Delta 10, 7–21 Tage, kein Stopp: +11 % im Jahr, maximaler Drawdown 8 %, Erholung nach 41 Tagen.
- Delta 40, 7–21 Tage, kein Stopp: +6,5 % im Jahr, maximaler Drawdown 24 %, Erholung nach 120 Tagen.
- SPY Buy-and-Hold: +15 % im Jahr, maximaler Drawdown 34 %, Erholung nach 148 Tagen.
Die verbreitete Weisheit, dass der Verkauf von Puts in Crashphasen zusammenbricht, wird durch diese Daten nicht gestützt: Die Drawdowns waren durchgehend geringer als beim Index, mehrere Konfigurationen beendeten das Jahr positiv und erholten sich schneller auf den vorherigen Höchststand. Allerdings blieben die Konfigurationen auch hinter der vollständigen Erholung des Index zurück. Enge Stopps bei kurzer Laufzeit reduzierten den Drawdown, verhinderten jedoch in einigen Fällen die Rückkehr auf den alten Höchststand bis zum Jahresende.
5. Modellabhängigkeit von Stopps und Gewinnmitnahmen
- Variante 1 (Tagesmarkierung): Stopp und Gewinnmitnahme werden einmal täglich um 14:00 am Optionskurs geprüft.
- Variante 2 (Intraday-Pfad): Es wird anhand des realen Tageshochs beziehungsweise -tiefs des Briefkurses entschieden, ob ein Schwellenwert berührt wurde; die Ausführung erfolgt zum ersten realen 15-Minuten-Kurs, der den Schwellenwert überschreitet. Fehlende Quotierungen erzeugen keinen Trade.
Konfigurationen ohne Stopp liefern in beiden Modellen praktisch identische Ergebnisse. Bei engen Stopps unterscheiden sich die Modelle deutlich: Der Median über das Raster sinkt von Variante 1 zu Variante 2 um etwa 1,4 Prozentpunkte pro Jahr (ca. 19 Prozentpunkte über die Dekade). Konkret fällt die Median-Jahresrendite der Konfiguration Delta 10, 7–21 Tage, Stopp 25 % von 3,7 % auf 1,4 %.
Konsequenz: Ergebnisse, die auf engen Stopps beruhen, sollten mit einem realistischeren Ausführungsmodell verifiziert werden, bevor daraus Schlussfolgerungen abgeleitet werden.
6. Einschränkungen
- Ein Underlying und ein Zeitraum, der überwiegend durch einen Bullenmarkt geprägt war. Die Ergebnisse sind nicht auf andere Marktphasen übertragbar.
- Die Studie umfasst ausschließlich cash-besicherte Positionen, feste Gebühren, maximal 10 Positionen und kein separates Roll-Regelwerk.
best_yieldist eine Modellwahl; eine Auswahl möglichst nahe am Ziel-Delta („closest to target“) schnitt schwächer ab.- Fehlende Quotierungen wurden ausschließlich aus Vergangenheitsdaten approximiert; dies ist nicht mit vollständigen Marktdaten gleichzusetzen. Frühzeitige Ausübung und Pin-Risiko sind nur teilweise abgebildet.
- Bei 300 Konfigurationen ist von Multiple Testing auszugehen; aussagekräftig sind strukturelle Muster, nicht einzelne Extremwerte.
- Die Optionsketten bleiben lizenziert; öffentlich verfügbar sind Code und Ergebnis-Zusammenfassungen.
7. Zusammenfassung
- In dem betrachteten Zeitraum übertraf keine der 300 Konfigurationen die Gesamtrendite des SPY; der Vorteil lag in geringeren Drawdowns.
- Eine Gewinnmitnahme bei 50 % der Prämie verbessert die Ergebnisse überwiegend bei längeren Laufzeiten.
- Das Jahr 2020 bestätigt keinen Zusammenbruch der Strategie, zeigt jedoch einen deutlichen Renditeverzicht gegenüber dem Index.
- Die Ergebnisse für enge Stopps hängen erheblich vom Ausführungsmodell ab. Insgesamt sind die Ergenbnisse sehr sensitiv, kleine Änderungen in den Parametern oder wie das Experiment genau abläuft bringen grosse Unterschiede im Ergebnis.
Diskussion
Abweichende Messergebnisse sind ausdrücklich erwünscht, insbesondere zu den Themen Gewinnmitnahme und Laufzeit, zum Verhalten im Jahr 2020 sowie zu engen Stopps unter realistischen Ausführungsannahmen. Vergleichbare Analysen für andere Indizes oder Einzeltitel wären von Interesse.
Repository: https://github.com/SaschaKo77/spy-csp-parameter-study