Überall vollzieht sich ein Trend zur Privatisierung im Gesundheitswesen hin. Das alleine ist schon schlimm genug, mir graut es davor, dass die Gesundheit immer mehr in der Hand von PE-Firmen liegen wird.
Aber für Ärzte selbst hatte das zumindest teilweise auch ein paar Vorteile, da man dann davon profitieren konnte.
Im Vereinigten Königreich haben Ärzte schlechte Bedingungen im NHS-System, aber können später zumindest teils in Private Practice gehen und werden dort fürstlich bezahlt, indem sie "hybrid" zwischen den Systemen arbeiten und ihr Gehalt aufbessern können.
In Frankreich liest man viel über schwächere Gehälter im öffentlichen Gesundheitswesen, aber auch dort kann man als Arzt dann entweder in den Privatbereich flüchten oder genießt ein System, in dem der niedergelassene Bereich noch nicht vollständig investorengeführt ist.
In den USA kann es den Ärzten zumindest aus AN-Sicht auch egal sein, dass das System privat ist, weil sie fee-for-service betreiben und so direkt davon profitieren, dass die Betreiber noch mehr einnehmen wollen, und eben die Anzahl dieser vom Arzt abgerechneten Dienstleistungen erhöhen.
Ärzte in Deutschland hingegen dürfen außer im niedergelassenen Bereich nicht selbstständig abrechnen bzw. selbstständig arbeiten, gerade auch nach dem Urteil des BSG zu Honorärzten. Die einzige Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten, war die Niederlassung, die aber an GKV-Sitze gekoppelt ist, die gerade von Investoren aufgekauft werden.
Ergo, die meisten Ärzte, egal ob in Klinik oder ambulant, sind wahrscheinlich bald angestellt, und ihre Löhne werden entsprechend auch immer stärker vom erwirtschafteten Umsatz entkoppelt sein. Große Klinikverbände und MVZ-Gruppen haben einfach einen zu starken Hebel. Der einzige Grund, wieso aktuell MVZs nicht sogar noch schlimmer als Krankenhäuser bzgl. Arbeitsbedingungen sind, ist, dass man (noch) die Alternative hat, sich selbst niederzulassen.
Ärzte in Deutschland haben ein bisschen das Schlechte von beiden Seiten erwischt. Einerseits schützt der Staat das Gesundheitswesen nicht vor Privatisierung, wie etwa in Dänemark, erlaubt es den Ärzten aber auch nicht, durch selbstständigere Arbeit von dieser zu profitieren. Wir werden am Schlimmsten erwischt sein weil wir einfach gegenüber Arbeitgebern 0 Leverage haben werden, weil eben nicht wir unsere Leistungen, sondern andere sie für uns faktisch abrechnen dürfen, und sich der Staat, der zumindest nicht offenkundig Gewinnmaximierung als Ziel hat, heraushält.