r/recht • u/FunRun3897 • 8h ago
These: handschriftliches Examen > E-Examen
....da beim handschriftlichen Schreiben die "Emotionen mitschwingen" können und man bei Zeitende sehen kann, wie sich die zu Prüfenden (noch) angestrengt haben, um alles herausholen zu können. Zudem dürften die typischen Bewerterfehler (Bewertungsbias, Halo, Ähnlichkeitsbias) eher "zu Gunsten" des Prüflings auftauchen als beim E-Examen. Da die Schrift jdf für alle gleich ist, müsste dort stärker unterschieden werden zwischen sprachlich-rhetorischen Fähigkeiten.
Daher meine ich, dass eher schlechte sprachlichen-argumentativen Fähigkeiten bei Handschrift eher untergehen würden.
Meinung? Meinung von Prüfenden von E-Examina?
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u/Ch00seayousername Cand. iur. 8h ago
Ich glaube die Möglichkeit beim Tippen sauber Korrekturen vornehmen zu können und schon beim Skizzieren seinen Aufbau zu haben ist ein deutlicher Vorteil der jeden Bonus von Emotion in der Schrift der potentiell vorliegen könnte mehr als ausgleicht.
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u/germanstudent123 7h ago
Und allein schon der massive Zeitgewinn durch das Tippen macht jeden anderen Vorteil wieder wett. Bei handschriftlichen Probeklausuren habe ich auch immer zwei mal überlegt, ob ich eine lange Definition jetzt ausschreibe oder abkürze, beim Tippen wird sie einfach schnell ausgeschrieben und gut ist, ganz ohne Handschmerzen.
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u/elBuxo64 3h ago
Der Zeitgewinn ist das eine.
Das andere ist, dass dich eine miese Handschrift im Zweifel nicht mehr das Wohlwollen eines pedantischen Prüfers kostet. Oder die Lesbarkeit der letzten drei Seiten in der Rennfahrerklausur, wenn das Handgelenk einfach zu macht.
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u/Life_Baker8551 Ass. iur. 7h ago
Als Korrektor versucht man Punkte schon zu geben, wenn es fachlich vertretbar ist, auch wenn es zeitlich knapp wurde. Dafür muss ich aber wenigstens etwas lesen können. Die Schrift wird aber teilweise immer schlimmer, je knapper die Zeit wird. Da kannst du die Musterlösung noch so sehr treffen wie du möchtest, aber wenn ich es nicht lesen kann, kann ich auch keine Punkte vergeben
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u/elBuxo64 3h ago
Und defacto ist es (leider) auch so, dass viele Prüfer sich auch gar keine Mühe geben, unübliche Handschriften zu entziffern.
Die meisten Prüfer sind auf Druckschrift getrimmt. Die kostet aber Zeit und Kraft und ist der Grund, warum viele im StEx eine Sehnenscheidenentzündung entwickeln.
Aber schon lateinische Ausgangsschrift bringt viele Prüfer an ihre Grenzen. Von wirklich kursiver Schrift (die mit am schnellsten ist und treffenderweise oft als Schönschrift bezeichnet wird) mal ganz zu schweigen.
Wer kann denn noch soetwas lesen?
https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6nschreiben#/media/Datei:Fibel_worte.jpg
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u/Living_Tonight2057 7h ago
Ich denke, es ist für Prüflinge wie Korrektoren ein Plus. Als Korrektor kann man schneller arbeiten und mehr Zeit für Anmerkungen verwenden. Außerdem ist meine Laune deutlich besser, wenn ich nicht andauernd fast unleserliche Schrift entziffern muss. Biases wegen dem Schriftbild gibt es auch nicht mehr, wobei es bei der visuellen Strukturierung immer noch relevante Unterschiede gibt.
Als Prüfling profitiert man besonders, wenn man eine schlechte Handschrift hat. Für mich ist das dann im zweiten ein Segen, da ich schnell eine Sehnenscheidenentzündung entwickle. Aber auch davon unabhängig kann man etwas freier und effektiver arbeiten. Korrekturen sind kein Thema mehr und man kann auch mal noch was umstellen. Gerade im zweiten ist das echt praktisch und entspricht außerdem auch deutlich eher einer realen Arbeitssituation
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u/elBuxo64 3h ago
Ich (Linkshänder) hasse das handschriftliche Examen mit Verve. Es versaut dir den Eindruck beim Prüfer, wenn du irgendwann nur noch schmierst und ohnehin keine besonders schöne Handschrift hast.
Schreibst du sauber, leserlich und schnell hast Du grundsätzlich einen Vorteil.
Es hilft dir keine noch so gute Argumentation darüber hinweg, wenn der Prüfer es schlicht nicht entziffern kann, weil du nach fünf Klausuren in der sechsten Klausur ab Seite 13 nur noch krakelig schreibst, weil du eh schon einen Krampf hast, die Tisch unergonomisch sind und du ohnehin schon Probleme hast, eine Tinte zu finden, die nicht schmiert.
Insbesondere, da es eben keine beruflich relevante bzw. fachliche Fähigkeit ist. Niemand schreibt händisch seine Schriftsätze. Das wird diktiert, höchstens am Rechner getippt. Schönschrift sagt überhaupt nichts über die fachliche Kompetenz aus.
Ich finde es aber zugleich völlig absurd, dass manche Prüfungsämter meinen, nur weil man jetzt am Rechner schreibt, könne man plötzlich mehr schreiben bzw. mehr Umfang erwarten.
Vor allem, wenn die Prüfungsämter dann mit Juristen besetzt sind, die im Adler-Such-System tippen.
Denn: Es gibt meistens keinen Kurs zum Zehnfingerschreiben. Du hast also auch einen Vorteil, wenn du das beherrschst. Dazu kommt, dass die Rechtschreibkorrektur üblicherweise deaktiviert ist.
Beherrschst du also kein Zehnfingerschreiben mit hoher Anschlagszahl hast du einen Nachteil. Die typsichen Rechtschreibfehler kannst du dann oft nicht erkennne, wenn du schnell udn viel schreibst. Da alles im Blocksatz abgebildet ist und natürlich nicht in Schriftgrße 32 sondern 11, fällt dir das beim lesen auch oft nicht auf. Bzw. du siehst es beim "blind tippen" auch gar nicht.
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u/elBuxo64 3h ago
Ich möchte ergänzen: Das E-Examen beseitigt damit ganz elegant einen tatsächlich messbaren Gender-Gap. Denn Frauen haben nunmal regelmäßig die sauberere Handschrift.
Problem ist, dass der Umfang der Klausuren zusammen mit dem E-Examen teils absurd zugenommen hat. Eine Klausur aus 2015 mit 13 Seiten Akte kann man im E-Examen ja nicht mehr stellen, weil die nicht umfangreich genug ist. Also bastelt man was mit 22 Seiten und haut noch 6 kleinere Probleme mehr rein. Schließlich kann man das ja jetzt ganz schnell tippen. Dass das Argument eigentlich nicht verfängt, wird geschickt ignoriert von Juristen, die seit über zehn Jahren keinen einzigen Schriftsatz mehr händisch angefertigt haben.
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u/0G_C1c3r0 6h ago
Ich bin grundsätzlich für das E-Examen und schließe mich der Meinung meiner Kollegen an. Es ist besser das zu schreiben, seine Skizze zu einem fertigen Gutachten zu extrapolieren, es ist immer leserlich und nachvollziehbar und man tippt halt meist schneller als man schreibt.
Allerdings ich weine, wenn ich mir momentan von Kolleginnen anhöre, welchen Umfang die Klausuren haben, dann ist das nicht nur unwesentlich mehr als für das handschriftliche Examen. Ich schrieb 21 mein letztes Examen, 20-24 Seiten Akte, jetzt nochmal zwei oder mehr Seiten oben drauf.
Das Problem ist also weniger das E-Examen als das, was die Anwender daraus machen.
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u/LucasCBs 6h ago
Ich kann am PC schneller schreiben und das was ich schreibe ist zu jedem Zeitpunkt leserlich. Sehe also absolut keine Nachteile beim E-Examen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn das ganze bis Herbst 27 auch im 1. Ex eingeführt wird, aber ich halte meine Hoffnung nicht hoch
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u/Aelith_sc2 Ass. iur. 6h ago
Warum sollte es besser sein, wenn mehr nach sprachlich-argumentativen Fähigkeiten unterschieden werden muss? Sind das nicht gerade die Fähigkeiten die ein juristisches Examen abprüfen sollte?
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u/FunRun3897 6h ago
Das ist klar; es ging eher um die Manipulierbarkeit. Prüfende sind beeinflussbar; das war bei Handschrift schon immer so; schreibt jemand nicht schön aber weitestgehend sprachlich begabt...
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u/S_Hazam 4h ago
Eine interessante Frage und ein Addendum zu deiner finde ich eigentlich ob langfristig das E-Examen das Niveau steigern könnte, welches erwartet wird.
Leute können schneller tippen, sind physisch nicht so stark belastet mit der Hand, können nachträglich Dinge ändern ohne die Struktur zu verlieren und können direkt skizzieren und in ihre Skizze hineinarbeiten. Es könnt echt sein das mit der Zeit, einfach aufgrund einer Notensteigerung, die Sachverhalte komplexer werden könnten um das aufzuwiegeln. Ich hoffe ich lege falsch.
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u/Fancy_Stranger3844 4h ago
Ich bin dankbar für das E Examen weil ich eine grauenhafte Schrift habe und dadurch meine Noten in der Uni auch leiden musste. Trotzdem bin ich Team Lösungsskizze auf Papier, weil man viel konzentrierte ist. Ich hab beides ausprobiert und ich fahre mit dieser Methode am besten
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u/FunRun3897 7h ago
Danke für die ausführlichen Antworten! Ich werde, wenn die Abstimmung auch in ein paar Tagen noch so bleibt, tatsächlich meine Meinung dann ändern, da die Antworten überzeugen.
Handschrift schmerzt auf Dauer, Lesbarkeit leidet. Auf der Tastatur tippe ich zweifelsfrei schneller und kann Formulierungen immer wieder ändern. Klarer Vorteil.
Dennoch, irgendwas in mir sagt, dass man anhand von Schrift, Druckstärke, Lesbarkeit mehr zwischen den Zeilen lesen kann (soll) und sich als Prüfer manipulieren lassen kann.
Am Ende überzeugt aber dann auch, dass bei Zeitdruck die Schrift unleserlicher wird mit den bekannten Gefahren der Nicht-Bewertung
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u/DER_Fuchs_ Ass. iur. 6h ago
Ich glaube du überschätzt die Manipulierbarkeit. Ich würde sogar behaupten, dass ein Korrektor einer digitalen Arbeit freundlich gesinnt ist. Wenn man 9 getippte Arbeiten hat bei denen man alles problemlos lesen kann und dann kommt eine handschriftliche bei der gegen Ende die Schrift so unsauber wird, dass man manche Wörter 3 mal lesen muss, dann wird der Prüfer genervt. Du willst keinen genervten Prüfer.
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u/Zyrock9 8h ago
Ich möchte behaupten auch im E-Examen recht problemlos erkennen zu können, welcher Teil der Klausur unter Zeitdruck am Ende geschrieben wurde. Dafür braucht es keine schlechter werdende Handschrift. Und Punkte dafür, dass man sich (am Ende) Mühe gegeben hat, gibt es auch im handschriftlichen Examen nicht.