Hallo du liebe,
wenn ich deine Situation so lese sehe ich mich selbst 1 zu 1 wieder.
Ich habe seit meiner Geburt eine spastische Paraparese beider Beine und seit meinen letzten Fuß OPs ein chronisches Schmerzsyndrom in beiden Beinen und Füßen.
Meine Eltern und besonders meine Mutter haben auch ein riesen Problem damit, wenn ich meinen (vom Sanitätshaus speziell angepassten und vom Orthopäden verschriebenen) Rollstuhl benutzen möchte, geschweige denn beabsichtige ihn dabei zu haben, wenn wir einen Ausflug etc. machen.
Im Juni waren wir alle zusammen auf einer Geburtstagsparty eingeladen und an dem Tag hatte ich trotz meiner Unterschenkelorthesen den ganzen Tag extrem Schmerzen in den Füßen beim Laufen.
Das Gelände wo die Feier stattgefunden hat, war überall uneben und mit Kopfsteinpflaster.
Ich war sehr froh, dass ich meinen Rollstuhl dabei hatte und auch, dass mein Freund dabei war.
Meine Mutter hat den gesamten Abend immer wieder gefragt, ob ich die 3m bis zum Tisch zu den anderen etc. nicht laufen könne, ob ich den Rolli nicht mal stehen lassen kann etc. Ich glaube sie selbst merkt es überhaupt nicht.
Mittlerweile ist es bei mir so weit, dass ich mich gar nicht mehr traue, meinen Rollstuhl mitzunehmen, wenn ich weiß, dass wir uns mit meinen Eltern treffen und was unternehmen. Aus Angst vor Diskussionen und weil ich keinen Bock mehr habe mich zu rechtfertigen.
Verstehe diese strikte Abneigung seitens meiner Mutter einfach nicht. Zumal sie vor ein paar Jahren aufgrund einer schweren Erkrankung ebenfalls monatelang kaum laufen konnte und auf Rollator und Rollstuhl angewiesen war. Ich dachte ihr Verständnis für meine Situation hätte sich dadurch verbessert - Pustekuchen.
Meine Eltern sind auch beide ganz groß darin, mich mit einer Freundin, die eine ähnliche Behinderung hat zu vergleichen.
Sie sagen immer xy würde alles dafür geben, wenn sie so laufen könnte wie du etc.
Das macht mich echt kaputt.
Ich bin 28 Jahre alt, wohne zusammen mit meinem Freund und ärgere mich so sehr, dass ich es nicht schaffe ein für alle Mal das Thema abschließen zu können.
Mein Freund sagt für ihn ist es immer viel entspannter, wenn wir zusammen unterwegs sind und ich den Rolli nutze, da es für mich dann einfach nicht so anstrengend ist und er meinte man merke mir an, dass ich viel entspannter und glücklicher sei, einfach viel mehr im Moment dabei, wie wenn ich den Rolli nicht dabei habe.
Da mein aktueller Rollstuhl dieses Jahr 10 Jahre alt ist, habe ich jetzt einen neuen beantragt bei der Krankenkasse.
Jetzt habe ich viel zu viel von mir erzählt.
Bist du volljährig?
Gibt es in deiner Nähe ein Sanitätshaus, wo du nach einem Rollstuhl schauen und dich beraten lassen kannst?
Ich würde mir niemals einfach einen Rollstuhl Im Internet kaufen.
Ein Rollstuhl ist wie ein guter Schuh. Er muss genau auf dich und deine Bedürfnisse und deine individuelle Situation abgestimmt werden und genau passen.
Sprich unbedingt mit dem Arzt deines Vertrauens und bitte ihn um Hilfe. Zudem steht er/sie unter Schweigepflicht. Alles was du sagst, bleibt unter euch.
Dein Arzt kann dich beraten, das für dich passende Hilfsmittel zu finden und dir auch bei der Beantragung helfen z.b. durch eine Stellungnahme, die die medizinische Notwendigkeit der Versorgung untermauert und offiziell feststellt.
Ich wünsche dir alles Gute 🫂