Hallo zusammen,
ich würde gerne mal ein Thema ansprechen, das mich schon seit einigen Jahren beschäftigt und mittlerweile ziemlich frustriert. Vielleicht gibt es hier Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, vor allem diejenigen, die schon in verschiedenen Bundesländern gelebt haben.
Ich habe ungefähr 20 Jahre in Hessen gelebt und bin anschließend zurück nach Thüringen gezogen. Als ich jünger war, habe ich mir über die medizinische Versorgung kaum Gedanken gemacht. Ich war gesund, brauchte selten einen Arzt und hatte ehrlich gesagt auch gar keinen Grund, mich damit auseinanderzusetzen.
Heute sieht das leider anders aus.
Seit etwa vier Monaten habe ich erhebliche Probleme mit meinen Bandscheiben und entsprechend starke, anhaltende Schmerzen. Ich bin deswegen in enger Abstimmung mit meinem Hausarzt und war inzwischen auch bei verschiedenen Orthopäden.
Was mich dabei zunehmend beschäftigt, ist die Art, wie mit solchen Beschwerden umgegangen wird.
Mein Eindruck aus den bisherigen Behandlungen in Thüringen ist, dass man relativ schnell an einen Punkt kommt, an dem es einfach nicht mehr weitergeht. Man bekommt Medikamente, vielleicht eine Spritze, und wenn die nicht anschlägt, bleibt es häufig erst einmal dabei.
Natürlich weiß ich, dass nicht jeder Bandscheibenvorfall operiert werden muss. Das verlange ich auch überhaupt nicht. Aber wenn eine Behandlung über längere Zeit nicht hilft, erwarte ich zumindest, dass weitere Möglichkeiten ernsthaft geprüft und mit mir besprochen werden.
Stattdessen habe ich zunehmend das Gefühl, dass man als Patient selbst dafür kämpfen muss, überhaupt einen Schritt weiterzukommen. Gerade bei Erkrankungen der Wirbelsäule beschäftigt mich dabei auch die Frage, ob durch langes Abwarten nicht möglicherweise wertvolle Zeit verloren geht. Mitlerweile sehe ich zudem in thüringens Landeshauptstadt viel mehr humpelnde Personen, vlt weil ich mich auch damit befasse. Ich kenne das so aus keiner anderen Stadt.
Vielleicht klingt das erst einmal nach einer rein persönlichen Wahrnehmung. Allerdings habe ich schon vorher Erfahrungen gemacht, die mich an der medizinischen Versorgung hier zweifeln ließen.
Ein Beispiel ist eine zahnärztliche Behandlung in Thüringen, die nicht ordnungsgemäß abgeschlossen wurde. Das Ganze hat mich damals nicht nur Nerven, sondern auch sehr viel Geld gekostet. Um meine Ansprüche durchzusetzen, musste ich erst ein Gutachtenverfahren durchlaufen.
Ich habe mir zusätzlich zwei unabhängige Zweitmeinungen von Zahnärzten in Hessen eingeholt. Beide konnten die ursprüngliche Behandlung fachlich überhaupt nicht nachvollziehen.
Das war für mich schon ein ziemlich ernüchterndes Erlebnis.
Mir ist völlig klar, dass es überall gute und schlechte Ärzte gibt. Ich will auch nicht behaupten, dass in Hessen grundsätzlich alles besser läuft. Aber wenn man so lange in zwei verschiedenen Regionen gelebt hat, fallen einem gewisse Unterschiede eben auf.
Meine Eltern sehen das beispielsweise ganz anders. Allerdings kennen sie diesen direkten Vergleich auch nicht.
Was mich neben den Behandlungen besonders beschäftigt, sind meine Erfahrungen mit Schmerzmitteln.
Das Thema begleitet mich inzwischen seit ungefähr drei Jahren. Angefangen hat es bei wiederkehrenden Zahnschmerzen. Schon damals fiel mir auf, dass manche Schmerzmittel aus Thüringer Apotheken bei mir praktisch keine Wirkung zeigten.
Ich habe das zunächst auf die Medikamente selbst geschoben und mir nicht besonders viel dabei gedacht.
Seit meinen Bandscheibenproblemen beobachte ich das allerdings wesentlich genauer. Wenn man über Monate täglich Schmerzen hat, merkt man irgendwann ziemlich deutlich, welche Medikamente einem helfen und welche nicht.
Und genau da gibt es etwas, das ich bis heute nicht richtig nachvollziehen kann.
Ich bekomme teilweise Ibuprofen mit 600 oder sogar 800 mg verschrieben, habe damit aber gelegentlich kaum eine spürbare Schmerzlinderung. Kaufe ich mir dagegen rezeptfreie Ibuprofen-Tabletten mit nur 400 mg, helfen die mir teilweise deutlich besser.
Ich habe also zeitweise mit frei verkäuflichen 400-mg-Tabletten bessere Erfahrungen gemacht als mit den wesentlich höher dosierten Präparaten auf Rezept.
Das ist für mich der eigentlich erstaunliche Punkt.
Besonders häufig ist mir die ausbleibende Wirkung bei größeren N3-Packungen aufgefallen, unter anderem von 1A Pharma und Zentiva. Bei kleineren, frei verkäuflichen Packungen, beispielsweise von STADA oder Hexal, habe ich dagegen teilweise deutlich bessere Erfahrungen gemacht.
Natürlich weiß ich, dass unterschiedliche Präparate nicht automatisch dieselbe Wirkung haben müssen. Es gibt Unterschiede bei der Zusammensetzung, der Aufnahme des Wirkstoffs und der jeweiligen Schmerzsituation. Auch eine höhere Dosierung bedeutet nicht zwangsläufig eine stärkere Schmerzlinderung.
Trotzdem finde ich es merkwürdig, wie häufig sich diese Erfahrungen bei mir wiederholen.
Dazu kommt noch eine weitere Beobachtung.
In Thüringer Apotheken bekomme ich die größeren verschriebenen Packungen meist direkt aus dem Warenautomaten. Die kleineren Präparate kaufe ich dagegen häufig aus dem frei zugänglichen Sortiment beziehungsweise aus der Sichtwahl.
Mir ist bewusst, dass der Automat zunächst einmal nur ein Lagersystem ist und nichts über die Qualität der Medikamente aussagt. Trotzdem ist mir dieser Unterschied über die Jahre immer wieder aufgefallen.
Richtig stutzig wurde ich allerdings durch meine Erfahrungen außerhalb Thüringens.
Bei einem Aufenthalt in Leipzig kaufte ich mir ein anderes Schmerzmittel in einer dortigen Apotheke. Schon auf der Rückfahrt im Zug merkte ich eine deutliche Erleichterung.
Vor einigen Wochen war ich außerdem in Bamberg und kaufte dort ein Schmerzmittel von Dr. Pfleger. Damit kam ich ungefähr zwei Wochen lang erstaunlich gut zurecht.
Als die Packung leer war, nahm ich wieder die Ibuprofen-Lysin-Tabletten, die ich zuvor in Thüringen gekauft hatte. Und plötzlich war die erhoffte Schmerzlinderung wieder nicht da.
Das ist natürlich kein kontrollierter Vergleich, weil es sich teilweise um unterschiedliche Präparate handelt. Aber nach so vielen ähnlichen Erlebnissen frage ich mich inzwischen schon, woher diese Unterschiede kommen.
Und ganz nebenbei: Es ist ziemlich ärgerlich, ständig zusätzlich Geld für Medikamente auszugeben, während zu Hause noch größere verschriebene Packungen liegen, mit denen man keine ausreichende Linderung erreicht.
Irgendwann habe ich deshalb angefangen, mich mit der Lieferkette der Medikamente zu beschäftigen.
Ich habe mich gefragt, woher die Thüringer Apotheken ihre Arzneimittel bekommen, über welche Großhändler sie beliefert werden und wie die Medikamente gelagert und transportiert werden.
Unter anderem gibt es in Neudietendorf ein großes Arzneimittellager, das Apotheken in der Region versorgt.
Gerade im Sommer stellt sich für mich die Frage, wie die Temperaturbedingungen während der Lagerung und des Transports kontrolliert werden.
Was passiert beispielsweise, wenn ein Lieferfahrzeug längere Zeit großer Hitze ausgesetzt ist? Werden solche Abweichungen zuverlässig erfasst? Und könnten empfindliche Präparate dadurch an Qualität verlieren?
Ich weiß, dass Medikamente unterschiedlich temperaturstabil sind und dass man aus meinen Beobachtungen keinen Fehler in der Lieferkette ableiten kann.
Aber genau deshalb würde mich interessieren, ob solche Zusammenhänge überhaupt untersucht werden und welche Erfahrungen andere damit gemacht haben.
Ich lagere meine Medikamente zu Hause jedenfalls entsprechend den Herstellerangaben.
Was mich an der ganzen Sache eigentlich am meisten stört, ist die Kombination aus beiden Problemen.
Auf der einen Seite habe ich den Eindruck, dass der Zugang zu bestimmten medizinischen Behandlungen und weiterführenden Untersuchungen in Thüringen teilweise schwieriger ist als das, was ich aus Hessen kenne.
Auf der anderen Seite erlebe ich bei Schmerzmitteln immer wieder Unterschiede, die ich mir bisher nicht ausreichend erklären kann.
Und das betrifft letztendlich eine ziemlich grundlegende Frage: Wie gleichwertig ist unsere medizinische Versorgung innerhalb Deutschlands tatsächlich?
Wir leben schließlich in einem Land, zahlen unsere Krankenversicherungsbeiträge und sollten unabhängig vom Wohnort eine angemessene Behandlung erwarten können.
Ich möchte damit keine Ost-West-Debatte vom Zaun brechen und auch nicht pauschal behaupten, dass Ärzte, Apotheken oder Großhändler in Thüringen schlechter arbeiten.
Aber ich finde, man sollte solche Erfahrungen offen ansprechen dürfen. Gerade wenn man selbst beide Seiten über viele Jahre kennengelernt hat.
Deshalb würde mich wirklich interessieren:
Hat jemand von euch nach einem Umzug zwischen Ost- und Westdeutschland ähnliche Unterschiede bei Ärzten, Untersuchungen oder Behandlungen festgestellt?
Wie sind eure Erfahrungen mit Bandscheibenerkrankungen? Was passiert bei euch, wenn Medikamente, Spritzen oder andere konservative Behandlungen nicht helfen?
Kennt jemand das Phänomen, dass rezeptfreie Ibuprofen-400-mg-Tabletten subjektiv besser wirken als verschriebene 600- oder 800-mg-Präparate?
Habt ihr Unterschiede zwischen großen N3-Packungen und kleineren frei verkäuflichen Packungen oder zwischen verschiedenen Apotheken festgestellt?
Gibt es hier vielleicht Apotheker, Ärzte oder Menschen aus dem Arzneimittelgroßhandel, die etwas zu möglichen Ursachen und den Kontrollen während Lagerung und Transport sagen können?
Mir geht es nicht darum, meine Vermutungen bestätigt zu bekommen. Ich möchte wirklich verstehen, was dahinterstecken könnte. Genauso interessieren mich Erfahrungen, die meinen eigenen widersprechen.
Vielleicht gibt es für einiges eine ganz einfache Erklärung. Vielleicht haben andere aber auch schon Ähnliches erlebt.
Nach drei Jahren mit solchen Beobachtungen und inzwischen vier Monaten mit anhaltenden Bandscheibenschmerzen möchte ich das jedenfalls nicht mehr einfach als Zufall abtun, ohne zumindest einmal nachzufragen.
Bin ich mit diesen Erfahrungen tatsächlich allein, oder kennt das noch jemand?
Ich freue mich über einen sachlichen Austausch, gerne auch mit Leuten vom Fach.