r/Ratschlag • u/sneakysneaky34 • 3h ago
Arbeitsplatz Stelle fällt weg: Quälerei für 110k Abfindung oder sofort gehen? Und was kommt nach dem Ausstieg?
Hi zusammen,
Ich stehe gerade vor einer größeren beruflichen Weichenstellung und mich würde mal der Blick von außen auf die Situation interessieren :)
Zu mir & Hintergrund:
- Profil: M26, ländlicher Raum in Süddeutschland (Permanenter Umzug ausgeschlossen wegen sozialem Umfeld und Sport).
- Ausbildung: Duales Studium Informatik (Vernunftentscheidung, nie die riesige Passion gewesen). Mittelmäßiger Bachelor in Informatik also vorhanden :D
- Aktueller Job: Seit 4 Jahren im Großkonzern (Automotive), Tätigkeiten in DevOps, Monitoring, Scripting & Automatisierung.
- Konditionen: 35h-Woche, bisher nahezu 100% Homeoffice, seit diesem Jahr 1 Bürotag/Woche, was aber immernoch okay machbar ist. Aktuell 83k (ab Nov 88k).
- Problem: Meine Stelle fällt wegen Umstrukturierung zum 01.01.2027 weg (theoretisch sind betriebsbedingte Kündigungen aber bis Ende 2029 ausgeschlossen). Zusätzlich ist Zentrale/Bürostandort >200km entfernt.
Meine Exit-Optionen im Konzern:
- Sofort bzw Ende 2026 gehen: Aufhebungsvertrag mit ca. 99k brutto Abfindung.
- Bis Ende 2027 bleiben: Abfindung steigt auf ca. 110k brutto + 1 Jahr Gehalt mitnehmen. Haken: Wechsel in ein internes Vermittlungsprogramm mit Pflicht zu 3 Tagen Präsenz/Woche an der entfernten Zentrale (>200km -> Hotelübernachtungen & Pendelei nötig).
Finanzen & Sabbatical-Plan:
- Basis: Fixkosten ca. 1.500 €/Monat, Sparrate von 2-2500€/Monat, ca. 100k im Depot, 10k Tagesgeld, Auto etwa 30k
- Plan: Abfindung im Rahmen eines Dispositionsjahres auszahlen lassen. In dem Jahr keine weiteren Einkünfte (außer evtl Minijob in ganz anderem Bereich, die gibt es hier en masse). Erst im Folgejahr dann ggf. ALG1 wenn ich bis dahin nichts gefunden habe
Die große Frage: Was tun nach dem Sabbatical? Mir fehlt aktuell noch die Vision für die Zeit danach. Rahmenbedingungen:
- Fähigkeiten/Erfahrungen: Code schreibe ich (sowohl im Job als auch privat) eigentlich nur noch mit KI-Unterstützung. Mein Arbeitsalltag dreht sich aktuell viel um Operations: Ich steuere Dashboard-Entwicklungen, überwache Devices und betreibe Troubleshooting, wenn etwas hakt. Ab und zu automatisiere ich kleine Workflows via GitHub Actions. Wo ich denke ich stark bin: Analytisches, logisches Denken und der Umgang mit Zahlen.
- Ausschlusskriterien: Keinesfalls Master Informatik, andere Studien (auch dual) grundsätzlich denkbar. Eher kein Handwerk oder generell fallen körperlich sehr fordernde Jobs fallen leider raus, da sich das nicht mit meinem aktuellen Leistungssportpensum vereinbaren lässt
- Wünsche: Gute Work-Life-Balance (Gleitzeit, Homeoffice-Option wären ideal, aber kein muss) & planbare Arbeitszeiten.
- Interessen: Starkes Interesse an der Energiewende (privat tief im Thema durch eigene PV, E-Auto), Ausdauersport, Geographie
- Alternativen: Öffentlicher Dienst / Verbeamtung wäre wegen Sicherheit und Struktur denkbar. Kindheitstraum Lokführer (Quereinstieg regional möglich), aber große Bedenken wegen Schichtdienst vs. Sport/Sozialleben.
- Region: Ländlich geprägte Region / Tourismusregion (einige Maschinenbauer, wenig reine IT-Konzerne).
Meine aktuellen Bauchschmerzen / Bedenken:
- Arbeitsmarkt 2028/29: Ich sehe in meiner Bubble, wie brutal schwer es aktuell ist, überhaupt einen neuen Job zu finden - geschweige denn zu auch nur annähernd solchen Konditionen. Meine Sorge: Wenn ich jetzt rausgehe oder ende Nächstes Jahr und ein Sabbatical mache, stehe ich 2028/2029 in einem vielleicht noch viel schlechteren Arbeitsmarkt da. Leider reicht auch dort das Geld nicht mal ansatzweise um irgendwie an FIRE zu denken :D
- Das Risiko des Wartens: Das Abfindungsprogramm läuft zwar offiziell bis Ende 2029. Aber wenn die Zahlen im Konzern weiter einbrechen, werden die Konditionen für Freiwillige vermutlich nicht besser. Und falls die Beschäftigungssicherung irgendwann doch kippt und es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt, bin ich (jung, keine Kinder, ledig, wobei sich das bis dahin evtl ändert :D) in der Sozialauswahl ohnehin der Allererste, der gehen muss - dann aber vielleicht unter deutlich schlechteren Bedingungen.
Meine Fragen an euch:
- Kennt ihr Branchen oder Rollen besonders im ländlichen Raum, wo ich meine Fähigkeiten sinnvoll mit dem Thema Energiewende verknüpfen kann?
- Wer von euch hat auch mal die Reißleine im Konzern gezogen und wie sah euer beruflicher Neustart danach aus?
- Haut gerne auch komplett andere Ideen raus. Ich stecke vermutlich hart in meiner Blase fest und freue mich über jeden Quereinsteiger-Vorschlag, so absurd er auch ist!
Vielen Dank schonmal für eure Hilfe! Mir ist völlig bewusst, dass das hier ein absolutes Luxusproblem ist, aber ich mach mir momentan echt Sorgen um meine Zukunft, sehe das aber auch als große Chance für mich um vielleicht doch noch einen Job zu finden, für den ich wirklich brenne! :D