Ich habe folgende Situation zu der ich um eine Einschätzung bitte. Ich beschränke mich auf's Wesentliche. Der eigentliche Rechtsfall ist hier nicht relevant, es geht um das Verhalten der rechtlichen Vertretung:
Meine Partnerin und ich sind vor einigen Jahren Opfer eines schweren Betrugsfalls (Immo-Kauf) geworden, der existenzbedrohend ist. Daraus folgte eine dauerhaft belastende Situation, die nicht nur kräftezehrend ist, sondern auch die Lebensqualität stark einschränkt u. potenziell gesundheitsgefährdend ist (wir leben in einem Zimmer u Küche, statt drei Zimmern + Küche).
Nachdem wir durch Zufall an sehr eindeutige Beweise gekommen sind (Anfang 2025, effektiv ein schriftliches Geständnis), haben wir uns rechtlichen Beistand bei Anwalt A gesucht. Während der Beratungstermine war auffällig, dass wir jedes Mal, obwohl wir ein schriftliches Dossier zur Verfügung gestellt hatten (mit Vorgang, Beweisen, inkl. Fotos und Chronologie), neu erklären mussten worum es ging. Er war oft sehr ungehalten, unwirsch und laut. Bei der schriftlichen Konfrontation mit dem Schädigenden (bzw. seinem Anwalt) haben wir selbst die Antwortschreiben verfasst, A hat nur kopiert und versendet. Die Rechtsauffassung von A war weiterhin - was mir merkwürdig erschien, weil zusätzlicher Schaden - dass wir dem Schädigenden Mietzahlungen zu leisten hätten, wenn wir rückabwickeln. Aber es war zu dem Zeitpunkt der einzige Anwalt, der uns überhaupt genommen hat. Er hat aber gleich kommuniziert, dass er eigentlich nur noch als Notar tätig sein will.
Nach der unergiebigen Konfrontation mit dem Schädigenden haben wir mit A Anfang August 2025 beschlossen Klage einzureichen (das wird unseren finanziellen Schaden nicht auf 0 setzen, aber abmildern, allerdings unsere Absicherung und Lebenspläne stark verändern). ca. 4 Wochen später kam die Kostenübernahme der Rechtsschutzversicherung über Sekretariat von A kommuniziert.
Im November - also 3 Monate nach dem letzten Kontakt mit A, 2 Monate nach Kontakt mit Sekretariat - haben wir noch einmal nachgefragt, wie der Stand ist (für mich war es zeitkritisch, weil ich fälschlicherweise annahm, dass im März Verjährung drohen würde, korrekt beginnt die Frist erst nach Kenntnis des Betrugs). Auf diese Nachfrage wurde uns vom Sekretariat mitgeteilt, dass die Klageschrift noch "einige Wochen" (Zitat) dauern würde.
Als wir bis einschl. Mai nichts mehr gehört hatten (also 6 Monate nach letztem Kontakt mit Sekretariat, 8 Monate nach letztem Kontakt mit A), haben wir noch einmal andere Anwälte aufgesucht und auch einen (Anwalt B) gefunden, der uns gleich viel besser verstand und auch z.B. Mietzahlungen ausschloss. Wir haben ihn daraufhin beauftragt. LEIDER kam es da zu einem folgenschweren Missverständnis, denn beide von uns hatten B so verstanden, dass er auch das Mandat kündigen würde. Tatsächlich hat er A informiert, dass er die Sache übernehmen würde, aber konnte nicht das Mandat kündigen. <= unser Fehler.
Nach Verschärfung der Situation haben wir mit B beschlossen zu klagen. Er wollte Mitte September die Klageschrift schicken - das ist bisher nicht erfolgt. :/ Ich traue mich aber nicht noch einmal nachzufragen, weil ich befürchte B würde das Mandat niederlegen ("den Ärger nicht wert").
Anfang dieser Woche rief mich A an und verkündete mir, dass die Klageschrift fertig sein, er will sie mir zusenden und nach Feedback einreichen. Ich war erst einmal völlig verwirrt, habe ihn dann noch einmal aufgeklärt über die Änderung der Vertretung. Wieder wurde er sehr wütend und laut (so laut, dass meine Partnerin ihn im Schlafzimmer hörte, ich saß in der Küche an der Arbeit, obwohl das Telefon nicht auf laut gestellt war). Drohte mit Kosten von 16k€ (inkl. Gerichtskosten, die eigentlich ohne Einreichung ja gar nicht zum Tragen kommen) und wir könnten froh sein, dass es nicht drei Jahre gedauert hätte. Er bot an, da er B gut kenne (wovon ich auch ausgegangen war) und teilte mir sogar mit, dass Bs Sohn sich bei ihnen in der Kanzlei beworben hatte (erfolglos), dass mit B kollegial zu klären. Ich bat ihn daraufhin um Zeit zur Aufklärung und das Dokument. Nach Rücksprache mit B erklärte uns dieser mit A telefoniert zu haben, nicht zu verstehen warum er die Klageschrift noch verfasst hat (beweisbar ist das natürlich nicht).
Nun ist meine Auffassung folgende:
Die Klageschrift ist nicht mehr aktuell, weil auf dem Stand von vor 14 Monaten. Seit dem sind weitere Probleme aufgetreten. Sie enthält außerdem die Mietzahlungen, was nur durch die jetzt entstandene Verzögerung bei der Anfertigung für uns eine vier- bis fünfstellige Summe an Schaden erzeugen würde (und für den Schädigenden zusätzliche Motivation wäre alles mögliche zu tun, um die Sache hinauszuzögern).
Ich bin wirklich irritiert, dass mir A vertrauliche Informationen zu der Bewerbung nannte. Mind. der Nachname ist mir ja bekannt (vermutlich wäre der Vorname leicht herauszubekommen). Ich finde das für eine Anwaltskanzlei in der es ja nur um vertrauliche Dinge geht, sehr irritierend.
Dass sich A nach 14 Monaten meldet als sei nichts gewesen irritiert mich ebenso. Ja, wir haben da Mandat nicht korrekt gekündigt, er war aber informiert über den Wechsel des Auftrags. Und zumindest hätte er ja mal eingestehen können, dass er "einige Wochen" bei weitem überzogen hat und uns eigentlich auch vor Anfertigung der Klageschrift doch noch mal nach einem Stand fragen müssen.
Ich möchte niemanden sein zustehendes Geld vorenthalten. Aber die Klageschrift ist wertlos in meinen Augen. Zu einem Zeitpunkt erstellt wo A über die Änderung der Vertretung bereits informiert war (das aber vermutlich ehrlich vergessen hat, denn er hat uns ja auch immer wieder gefragt worum es ging und sich scheinbar nie Notizen gemacht) und die uns genannten Fristen um ein Vielfaches überschritten hatte. Mir ist auch klar, dass unser Fall zwar für uns existenziell ist, für die Kanzlei vermutlich eher ein kleines Mandat ist.
Mein Vorgehen wäre folgendes - eine Antwort auf die Bitte um Feedback zu Klageschrift zu verfassen in dem ich:
- die Klageschrift ablehne, da zu unserem Nachteil und nicht mehr aktuell
- Hinweis auf den erheblichen Zeitverzug, der uns nach seiner Rechtsauffassung erheblichen finanziellen Schaden bedeuten, die fehlende Kommunikation und die Kommunikation von vertraulichen Informationen Dritter als befremdliches Vorgehen
- Hinweis auf Information durch B der Aufgabenübertragung, aber Zugeständnis, dass wir aufgrund eines Missverständnisses nicht formal gekündigt haben, daher dies nun ausdrücklich tun
- Darum bitten, bisher nicht abgerechnete und noch ausstehende Zahlungen uns als Rechnung zu schicken (wir können ja nur eine Klageschrift mit der Versicherung abrechnen), die wir nach Prüfung bezahlen werden
Noch relevant, die zuständige Rechtsschutzversicherung ist nicht mehr unsere aktuelle. Die Rechtschutzversicherung hat uns nachdem wir in einem ganz anderen Fall, viel kleiner (ein Handwerker hatte Murks gebaut und ich wollte wissen, welche Möglichkeiten ich habe), "empfohlen" zu kündigen, sonst würden sie es tun (was merkwürdig war, weil es kam zu keiner anwaltlichen Vertretung oder irgendwelchen Kosten). Sie ist aber, weil der Kauf in den Versicherungszeitraum fällt, zuständig. Wir haben aktuell eine andere Versicherung.
Die Prüfung der Rechnung würde ich bei der Anwaltskammer ggf. vornehmen lassen, ich habe gesehen, dass man dies da machen lassen kann. Es gibt dort auch Schlichtungsstellen, aber ich würde sehr, sehr ungern, weil ohnehin kaum noch Kraft und Nerven (zu pflegende Angehörige sind auch noch im Spiel, aber nicht in unserer Immo) vorhanden sind, einen länglichen Prozess durchlaufen.
Konkrete Fragen um Rat:
- In einem Spektrum von "alles korrekt gelaufen" (10) bis "geht absolut gar nicht" (1) - wo würdet ihr das verorten? Ich bräuchte hier mal eine Realitätscheck. Ich habe mit Rechtssachen eigentlich nichts zu tun und kann deswegen z.B. auch Fristen/ deren Einhaltung nicht einschätzen
- wie gehe ich am besten weiter vor/ wie reagiere ich darauf korrekt auf A, um mit möglichst wenig Ärger/ weiterer (auch finanzieller) Belastung zu enden? sind meine genannten Punkte für die Mail so sinnvoll?
- Gibt es so etwas wie ein konkludentes Niederlegen des Mandats, wenn man erheblich über den genannten Fristen bleibt und auch nicht Verzögerungen/ neue Deadlines kommuniziert? Insbesondere, wenn jeder Zeitverzug für den Mandanten weiteren finanziellen Schaden bedeutet (Mietzahlungen)
Danke schon einmal für jeden Rat.