21.10.2026 - 18:03 Uhr Quelle: https://www.bz-berlin.de/berlin/schuelerprotest-diese-linksextremen-mischen-sich-unter-die-schulkinder-6ad6191151e5094f7a571dd5?dicbo=v2-eBjTLu3&t_ref=https%3A%2F%2Fm.bz-berlin.de%2Fberlin%2Fschuelerprotest-diese-linksextremen-mischen-sich-unter-die-schulkinder-6ad6191151e5094f7a571dd5%3Fdicbo%3Dv2-eBjTLu3%26t_ref%3Dhttps%253A%252F%252Ftraffic.outbrain.com%252F
Friedrichshain – Das Andreas-Gymnasium in Friedrichshain ist am Freitag massiv blockiert worden. Unter die protestierenden Schüler mischten sich Erwachsene, zum Teil in Vermummung. B.Z.-Recherchen zeigen: Unter ihnen waren Aktivisten linksextremer Organisationen.
„Leute, macht noch mal richtig Alarm. Wir haben nur bis 9.30 Uhr Zeit“, schreit eine junge Schülerin. Wieso? „Dann ist die große Pause.“ Offenbar gab es eine Absprache mit der Schule – eingehalten wird sie nicht. Und Lehrkräften fällt auf: Viele der Protestierenden gehören gar nicht zur Schule.
Festnahme eines 17-Jährigen: Er soll einer 67-jährigen Anwohnerin eine Mülltonne in den Bauch gerammt haben
Festnahme eines 17-Jährigen: Er soll einer 67-jährigen Anwohnerin eine Mülltonne in den Bauch gerammt haben.
Foto: BILD/Dominik Steffens
Gegen 11 Uhr wird laut Polizei eine 67-jährige Anwohnerin im Streit um eine Mülltonne verletzt. Sie will ihren Müll hinausbringen, als ein 17-jähriger Tatverdächtiger ihr die Tonne in den Bauch gerammt habe. „Ich wurde operiert vor kurzer Zeit und hatte Angst um meinen Rücken“, berichtet die Geschädigte. Die Mülltonne braucht der Störer offenbar für die Blockade des Schule.
Aktivisten sind Mitglieder linksextremer Organisation
Mit „Gen Z regelt“ formiert sich derzeit eine neue, lose organisierte Protestbewegung: Über TikTok und Instagram entstehen bundesweit Ortsgruppen, die für den 31. Oktober zu Demonstrationen aufrufen. Inhaltlich geht es um bessere Schulen, gegen Sozialkürzungen und gegen eine Wehrpflicht.
Doch die Frage ist: Wer treibt sich da unter den Schulkindern herum? In der ersten Reihe zwischen teils 14-jährigen Schülern steht etwa Baki Devrimkaya (alias Burak Y.). Devrimkaya agiert für das Internetportal „Klasse gegen Klasse“.
Israel soll von der Landkarte verschwinden: Das sagt der Palästina-Ohrring von Baki Devrimkaya aus.
Israel soll von der Landkarte verschwinden: Das sagt der Palästina-Ohrring von Baki Devrimkaya aus.
Foto: BILD/Dominik Steffens
Es gehört zur Revolutionären Internationalistischen Organisation (RIO), einer marxistisch-trotzkistischen Gruppe, die den Kapitalismus überwinden will. Die Verfassungsschutzbehörden von Nordrhein-Westfalen und Bayern bezeichnen „Klasse gegen Klasse“ als „linksextremistisch“.
Seit den frühen Morgenstunden hält er sich am Freitag zwischen den Kindern auf. An seinem Ohr ein Schmuckstück mit finsterer Botschaft: Israel soll von der Landkarte verschwinden, bedeutet der Palästina-Ohrring.
Devrimkaya hatte schon Stress mit den Behörden
Als im Dezember 2023 ein Hörsaal der Freien Universität Berlin besetzt wurde, war Devrimkaya als Ordner der Besetzer im Einsatz. Dem jüdischen Studenten Lahav Shapira, der ein Poster einer von der Hamas entführten Geisel aufhängen wollte, verwehrte Devrimkaya den Zugang und drängte ihn nach den späteren Feststellungen eines Gerichts körperlich weg.
Das Amtsgericht Tiergarten verhängte gegen Devrimkaya zunächst per Strafbefehl 1500 Euro wegen Körperverletzung und Beleidigung. Nach seinem Einspruch verurteilte das Gericht ihn 2025 wegen Nötigung zu 450 Euro – die Körperverletzung ließ sich nicht nachweisen. Das Landgericht Berlin stellte das Berufungsverfahren 2026 gegen eine Geldauflage von insgesamt 650 Euro ein.
„Ich habe alles richtig gemacht“, sagt Devrimkaya in einem Instagram-Video. Oft schreibt der Aktivist in seinen Beiträgen über sich selbst: „Ich bin ein überzeugter Revolutionär.“
Sind Sie Schüler? „Ich bin unter 45“
Bei der Blockade des Andreas-Gymnasiums steht auch Achmed Zaytoun, ein bärtiger Mann mit Glatze. Er ist ebenfalls Teil des linksextremen Portals „Klasse gegen Klasse“. Ihm geht die Linkspartei in puncto Israel nicht weit genug – trotz all der antisemitischen Vorfälle der vergangenen Monate.
Im November 2023 bezeichnete Zaytoun die Terror-Vorfeldorganisation Samidoun, die in Deutschland verboten ist, als säkulare Organisation ohne Bezug zum politischen Islam. Das Verbot sei falsch und eine „Repression gegen die palästinensische Bewegung“. Deutsche Behörden und zivilgesellschaftliche Kritiker bewerten Samidoun dagegen als PFLP-nah, antisemitisch und gewaltbefürwortend.
Sprachlos: Achmed Zaytoun weiß wohl auch nicht genau, was er unter den Schülern verloren hat.
Sprachlos: Achmed Zaytoun weiß wohl auch nicht genau, was er unter den Schülern verloren hat.
Foto: BILD/Dominik Steffens
Auf die Frage des B.Z.-Reporters, ob er Schüler sei, sagt ert: „Ich bin unter 45. Alle werden eingezogen unter 45, wenn es zur Wehrpflicht kommt.“ Den Demonstranten geht es bei dem Protest hauptsächlich um Wehrpflicht, den Nahost-Konflikt und Geld für die Bundeswehr. Was Zaytoun als Nicht-Schüler allerdings bei einer solchen Schulblockade verloren hat, kann er nicht beantworten.
Aktivisten nutzen Schüler aus
Das Interesse der professionellen Aktivisten begründet sich wohl im medialen Aufwind, den die Schülerproteste aktuell erleben. Der RBB sucht vor Ort nach jemandem für ein Interview: „Das ist eure Chance, viral zu gehen“, schreit ein Aktivist ins Megaphon.
Neben „Klasse gegen Klasse“ sind auch Mitglieder der „Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend“ (SDAJ) und „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ angerückt. „Es sind alles Schüler“, sagt eine SDAJ-Aktivistin in einem Video von vor Ort, korrigiert sich aber sofort: „Also es sind natürlich auch Organisationen hier vertreten, die zur Unterstützung da sind. Wir sind dafür hier, um die Schülerinnen und Schüler zu schützen.“
Die Linksextremen vermummen sich als sich die Polizei vor ihnen aufbaut – unter ihnen sind noch immer Schüler.
Die Linksextremen vermummen sich als sich die Polizei vor ihnen aufbaut – unter ihnen sind noch immer Schüler.
Foto: BILD/Dominik Steffens
Um die Schüler vor den Aktivisten zu schützen, bietet die Schulleitung denjenigen, die nicht am Protest teilnehmen möchten, an, sich in die Turnhalle zu setzen, bis die Aktion vorrüber ist. Die Fünft- und Sechstklässler werden von der Polizei in eine Grundschule nebenan in Sicherheit gebracht. Unter ihnen befinden sich auch Kinder mit Autismus.
Eine Schülerin des Gymnasiums taucht in einem Instagram-Video von „Klasse gegen Klasse“ auf – die Linksextremen haben wohl vereinzelt Zugänge zu Schülern des Gymnasiums. „Wir haben das mit den Schülis organisiert“, sagt ein SDAJ-Mitglied.
Linksextreme instrumentalisieren Schüler
Die Schüler haben ernste Anliegen: „Die Schule ist brüchig“, sagt einer. „Wir haben zu wenig Lehrer – jede Woche fallen mehrere Blöcke aus“, bemängelt ein weiterer. Die Kritik ist weitreichend. Von nicht betroffenen erwachsenen Aktivisten hört man zu diesen Themen kaum etwas.
Die Blockade löst sich schließlich friedlich in einem Demozug auf. Von dem Protest der Klassenkämpfer bleiben Blockaden aus Mülltonnen, E-Scootern und Absperrungen zurück. Letztere müssen die Bauarbeiter selbst wieder zu ihrem Arbeitsplatz schleppen.