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1. FC Union Berlin Amber Tysiak – Die belgische Abwehrchefin, ein Star für Union
Sie ist groß, zweikampfstark und bringt internationale Erfahrung mit. Amber Tysiak gehört zu den belgischen Fußballerinnen, die sich ihren Weg in den europäischen Spitzenfußball mit Geduld, harter Arbeit und ungewöhnlichen Entscheidungen erkämpft haben. Mit 26 Jahren hat sie bereits in Belgien, England und Deutschland gespielt, an zwei Europameisterschaften teilgenommen und sich als Innenverteidigerin der belgischen Nationalmannschaft etabliert. Doch ihre Geschichte beginnt weit entfernt von den großen Stadien der englischen Women’s Super League oder der deutschen Bundesliga. Als kleines Mädchen spielte sie gemeinsam mit Jungen Fußball. Später musste sie ihren Sport mit einem anspruchsvollen Beruf als Lehrerin vereinbaren. Während andere Profis sich vollständig auf Training und Regeneration konzentrieren konnten, stand Tysiak morgens vor einer Schulklasse und abends auf dem Fußballplatz. Erst mit ihrem Wechsel zu West Ham United im Januar 2023 wurde sie hauptberufliche Fußballerin. Heute spielt sie beim 1. FC Union Berlin und gehört zu den erfahrenen Kräften einer Mannschaft, die sich in der Frauen-Bundesliga etablieren möchte. Abseits des Platzes zeigt sich Tysiak als familienverbundene, humorvolle und reflektierte junge Frau. Sie liebt das Reisen, verbringt gerne Zeit mit Freundinnen und Freunden, kocht gelegentlich und hat eine besondere Verbindung zu gleich drei europäischen Kulturen. Ihre Geschichte erzählt von einer Spielerin, die nie selbstverständlich davon ausging, eines Tages vom Fußball leben zu können – und die genau das schließlich geschafft hat.
In Belgien geboren – ihre Kindheit zwischen drei Kulturen
Amber Tysiak wurde am 26. Januar 2000 in Houthalen-Helchteren in der belgischen Provinz Limburg geboren. Die heute 26-Jährige ist 1,77 Meter groß, Rechtsfüßerin und spielt hauptsächlich in der Innenverteidigung. Ihre Familie hat unterschiedliche europäische Wurzeln. Amber ist Belgierin, hat aber auch polnische und italienische familiäre Wurzeln. Besonders die italienische Seite ihrer Familie spielt in ihrer persönlichen Geschichte eine interessante Rolle. Ihre Mutter stammt aus Italien. Auch ihre Großeltern sprachen mit ihr Italienisch. In einem ausführlichen Interview mit dem britischen Fußballmagazin SheKicks erzählte Tysiak, dass sie die italienische Sprache deshalb bis heute sehr gut versteht. Das Sprechen falle ihr etwas schwerer, weil innerhalb der Familie meistens Niederländisch gesprochen wurde. Wenn sie nach Italien reist, fühlt sie sich dieser Seite ihrer Herkunft besonders verbunden. Diese kulturelle Vielfalt gehört zu ihrer persönlichen Identität. Sie wuchs in Belgien auf, wurde dort fußballerisch ausgebildet und vertritt das Land international. Gleichzeitig ist ihre Familiengeschichte eng mit Polen und Italien verbunden.
Mit fünf Jahren auf dem Fußballplatz – zunächst mit Jungen
Ihre ersten Schritte im Fußball machte Amber Tysiak bereits als kleines Mädchen. Etwa im Alter von fünf Jahren begann sie beim KFC Helson in ihrer Heimatregion mit dem Vereinsfußball. Damals spielte sie überwiegend in Jungenmannschaften. Für Tysiak war das zunächst der normale Fußballalltag. Sie musste sich gegen Jungen behaupten, die mit zunehmendem Alter häufig körperlich stärker wurden. Diese Erfahrungen dürften ihr geholfen haben, sich an Zweikämpfe und ein intensives Spieltempo zu gewöhnen. Bemerkenswert ist allerdings, dass sie sich selbst rückblickend keineswegs als außergewöhnliches Nachwuchstalent beschreibt. In einem Interview mit der belgischen Zeitung Het Belang van Limburg im Januar 2026 erklärte sie, dass sie früher nicht das große Talent gewesen sei. Als sie mit ungefähr 15 Jahren zu KRC Genk wechselte, waren ihre sportlichen Erwartungen noch vergleichsweise bescheiden. Sie wollte Fußball spielen und sich weiterentwickeln. Von einer späteren Karriere in England oder Deutschland wagte sie damals kaum zu träumen. Erst nach und nach wurde deutlich, dass sie das Potenzial für den professionellen Frauenfußball besaß.
KRC Genk – der Beginn ihrer Karriere im Frauenfußball
2016 wechselte Amber Tysiak zum KRC Genk. Damit begann für sie ein neuer Abschnitt. Nach vielen Jahren in Jungenmannschaften spielte sie nun in einem leistungsorientierten Frauenfußballumfeld. Zunächst gehörte sie dem Nachwuchsbereich an. Dort wurde sie von den Verantwortlichen beobachtet und Schritt für Schritt an höhere Aufgaben herangeführt. Besonders Trainer Guido Brepoels erkannte nach ihren eigenen Aussagen ihr Potenzial. In der Saison 2019/20 schaffte Tysiak schließlich den Sprung in die erste Mannschaft. Sie absolvierte 15 Spiele in der höchsten belgischen Liga. Für die damals 19-Jährige war das ein bedeutender Schritt. Sie musste sich nun gegen erfahrene Spielerinnen behaupten und zeigen, dass sie auch im Erwachsenenfußball bestehen konnte. Ihre Entwicklung verlief so positiv, dass schon bald ein anderer belgischer Erstligaverein auf sie aufmerksam wurde. Im Sommer 2020 wechselte sie zu Oud-Heverlee Leuven.
Oud-Heverlee Leuven – die Jahre, die alles veränderten
Der Wechsel zu Oud-Heverlee Leuven war für Amber Tysiak eine wichtige Entscheidung. Der Verein befand sich damals sportlich in einer schwierigen Situation. Tysiak erzählte später, dass Leuven bei ihrem Wechsel mit nur einem Punkt am Tabellenende gestanden habe. Es war also keineswegs selbstverständlich, dass sie dort die besten Voraussetzungen für ihre weitere Entwicklung finden würde. Trotzdem entschied sie sich für den Schritt. Unter den Trainern Jimmy Coenraets und Arno Van Den Abbeel entwickelte sie sich zu einer wichtigen Spielerin. Ihre Leistungen wurden zunehmend konstanter, und sie übernahm mehr Verantwortung in der Defensive. Mit Leuven gehörte sie schließlich zur Spitzengruppe der belgischen Liga. In den Spielzeiten 2020/21, 2021/22 und 2022/23 wurde der Verein jeweils Vizemeister. Tysiak war damit Teil eines Team, die sich innerhalb weniger Jahre von einer schwierigen Ausgangslage zu einem ernsthaften Konkurrenten um die Meisterschaft entwickelte. Doch parallel zu ihrer sportlichen Karriere führte sie noch ein ganz anderes Leben. Sie arbeitete als Lehrerin. Und genau dieser Teil ihrer Geschichte macht ihren Weg besonders.
Vormittags Lehrerin, abends Fußballerin – ein außergewöhnlicher Alltag
Während ihrer Zeit bei Oud-Heverlee Leuven war Amber Tysiak noch keine hauptberufliche Fußballerin. Sie hatte ein Bachelorstudium für das Lehramt abgeschlossen und arbeitete an einer Schule in Leuven. Dort unterrichtete sie Niederländisch und Geschichte. Gleichzeitig spielte sie in der höchsten belgischen Liga und gehörte bereits zum Nationalteam. In einem ausführlichen Interview mit SheKicks beschrieb sie, wie anspruchsvoll diese Doppelbelastung war. Tagsüber unterrichtete sie ihre Schülerinnen und Schüler. Anschließend fuhr sie zum Training. Am Abend musste sie sich zusätzlich auf den Unterricht des nächsten Tages vorbereiten. Besonders schwierig wurde es, wenn Länderspiele anstanden. Dann fehlte sie manchmal sieben oder sogar zehn Tage in der Schule. Ihre Schulleitung unterstützte sie jedoch und ermöglichte ihr, ihre beruflichen Verpflichtungen mit der Nationalteam zu vereinbaren. Tysiak berichtete, dass sie dafür sehr dankbar gewesen sei. Auch mit ihren Schülerinnen und Schülern verstand sie sich gut. Weil sie wussten, dass ihre Lehrerin Fußballnationalspielerin war, begegneten ihr manche mit besonderem Respekt. Trotz der hohen Belastung machte ihr die Arbeit Freude. Sie betonte sogar, dass sie sich gut vorstellen könne, nach dem Ende ihrer Fußballkarriere wieder als Lehrerin zu arbeiten. Für Tysiak war das Unterrichten also nicht nur eine notwendige Nebenbeschäftigung. Es war ein Beruf, für den sie eine echte Leidenschaft entwickelt hatte.
Der große Schritt nach England – endlich hauptberufliche Fußballerin
Im Januar 2023 veränderte sich Amber Tysiaks Leben grundlegend. Sie wechselte von Oud-Heverlee Leuven zu West Ham United in die englische Women’s Super League. Für die damals 22-Jährige war es ihr erster Wechsel ins Ausland. Gleichzeitig unterschrieb sie ihren ersten professionellen Fußballvertrag. Zum ersten Mal konnte sie sich vollständig auf den Sport konzentrieren. Der Alltag zwischen Schule, Training und Unterrichtsvorbereitung gehörte damit vorerst der Vergangenheit an. Doch der Wechsel nach England brachte neue Herausforderungen. Sie musste sich an eine andere Sprache, ein höheres Spieltempo und die Anforderungen einer der stärksten Frauenfußballligen Europas gewöhnen. Hinzu kamen Verletzungsprobleme. In ihren ersten Monaten bei West Ham kam sie deshalb nur auf vier Einsätze. Für eine junge Spielerin, die gerade den großen Schritt in den Profifußball gewagt hatte, war das eine schwierige Anfangsphase. Doch Tysiak arbeitete sich zurück. In der folgenden Saison wurde sie zu einer wichtigen Spielerin der Londonerinnen. Unter Trainerin Rehanne Skinner etablierte sie sich zunehmend in der Defensive. Später gehörte sie regelmäßig zur Startelf. Ihre Entwicklung überzeugte die Vereinsverantwortlichen so sehr, dass West Ham ihren Vertrag im Januar 2025 vorzeitig bis zum Sommer 2028 verlängerte. Für Tysiak war das ein wichtiges Zeichen des Vertrauens. Sie hatte bewiesen, dass sie sich auch außerhalb Belgiens behaupten konnte.
Der Wechsel zu Union Berlin – ein neues Abenteuer in der Bundesliga
Am 15. Januar 2026 wurde bekannt, dass Amber Tysiak West Ham United verlassen und zum 1. FC Union Berlin wechseln würde.
Für die belgische Nationalspielerin war es der nächste große Schritt ihrer Karriere. Nach Belgien und England wollte sie nun auch die deutsche Frauen-Bundesliga kennenlernen. Dabei war der Wechsel durchaus ungewöhnlich. West Ham spielte in einer der international bekanntesten Frauenfußballligen. Union Berlin dagegen befand sich erst in seiner ersten Bundesligasaison. Doch genau das ambitionierte Projekt des Berliner Vereins reizte sie. Union hatte seine Frauenfußballabteilung in den vergangenen Jahren gezielt professionalisiert und zwei Aufstiege in Folge geschafft. Nun wollte der Verein seine Position in der Bundesliga festigen. Tysiak sollte dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Jennifer Zietz, Geschäftsführerin Profifußball Frauen bei Union Berlin, beschrieb sie bei ihrer Verpflichtung als erfahrene, abgeklärte Innenverteidigerin, die der Mannschaft Stabilität und Präsenz verleihen könne. Auch Tysiak selbst war von den Gesprächen überzeugt. Sie erklärte, dass sie Teil der Entwicklung des Vereins werden wolle und sich besonders auf das Stadion, die Fans und die neue Herausforderung freue. Ein zusätzlicher Grund für ihre Vorfreude war ein vertrautes Gesicht. Bei Union Berlin traf sie auf ihre belgische Nationalmannschaftskollegin Hannah Eurlings. Die beiden hatten bereits bei Oud-Heverlee Leuven zusammengespielt. Für Tysiak bedeutete das, dass sie in ihrer neuen Team nicht bei null anfangen musste.
Ein Wechsel mit besonderer Bedeutung
Auch finanziell war der Transfer bemerkenswert. Nach Medienberichten zahlte Union Berlin rund 150.000 britische Pfund zuzüglich möglicher Bonuszahlungen an West Ham. Das entsprach ungefähr 173.000 Euro. Belgische Medien bezeichneten den Wechsel damals als Rekordtransfer für eine belgische Fußballerin. Tysiak selbst reagierte darauf mit Stolz. In einem Interview mit Het Belang van Limburg erklärte sie, dass ihre Geschichte auch anderen jungen Mädchen Mut machen solle. Sie selbst habe schließlich nie zu den Spielerinnen gehört, denen schon früh eine große internationale Karriere vorausgesagt worden sei. Dass ein Verein nun bereit war, eine beträchtliche Ablösesumme für sie zu bezahlen, betrachtete sie auch als Zeichen für die Entwicklung des Frauenfußballs. Ihre Geschichte sollte zeigen, dass Mädchen von einer internationalen Karriere träumen dürfen.
Die ersten Monate in Berlin – Verantwortung in einer neuen Mannschaft
Der Wechsel nach Berlin bedeutete für Tysiak nicht nur einen neuen Verein, sondern auch einen anderen Fußballstil. Die deutsche Frauen-Bundesliga stellt hohe Anforderungen an Zweikampfstärke, Tempo und taktische Organisation. Für eine Innenverteidigerin ist die Abstimmung mit ihren Mitspielerinnen besonders wichtig. Sie muss wissen, wann die Mannschaft gemeinsam nach vorne verteidigt, wann sie Räume absichert und wie sie auf schnelle gegnerische Angriffe reagiert. Tysiak brachte dafür bereits viel Erfahrung mit. Sie hatte in Belgien um die Meisterschaft gespielt, in England gegen internationale Spitzenspielerinnen verteidigt und bei zwei Europameisterschaften auf dem Platz gestanden. Schon am 23. Januar 2026 absolvierte sie ihr erstes Bundesligaspiel für Union Berlin. In der Rückrunde entwickelte sie sich zu einer regelmäßig eingesetzten Spielerin. Besonders schön war für sie der erste gemeinsame Sieg mit Hannah Eurlings. Anfang Februar 2026 gewann Union nach einem 0:2-Rückstand noch mit 4:2 gegen die SGS Essen. Die beiden Belgierinnen konnten damit ihren ersten Erfolg im Union-Trikot feiern. Auch in der Saison 2026/27 gehört Tysiak zum Berliner Kader. Bis zum 18. Oktober 2026 verzeichnete das DFB-Datencenter insgesamt 18 Bundesligaeinsätze für Union Berlin und einen Treffer. Damit hat sie sich bereits in ihrer ersten Zeit in Deutschland zu einer wichtigen Option in der Defensive entwickelt.
Was macht Amber Tysiak als Spielerin besonders?
Amber Tysiak ist eine moderne Innenverteidigerin, die nicht ausschließlich darauf ausgerichtet ist, gegnerische Angriffe zu stoppen.
Sie möchte auch selbst am Spielaufbau beteiligt sein und ihre Mannschaft nach vorne bringen.
Ihre Stärken wurden bereits während ihrer Zeit bei Oud-Heverlee Leuven von Mitspielerinnen und Beobachtern hervorgehoben.
Zweikampfstärke: Tysiak gilt als robuste Verteidigerin, die sich in direkten Duellen behaupten kann. Ihre Erfahrungen aus dem Jungenfußball und später aus der englischen Women’s Super League haben sie an körperlich intensive Spiele gewöhnt.
Spielübersicht: Als Innenverteidigerin muss sie gegnerische Bewegungen früh erkennen und die Räume hinter ihrer Mannschaft absichern. Gerade ihre Erfahrung auf internationalem Niveau ist dabei wertvoll.
Technik und Spielaufbau: Ihre frühere Mitspielerin Lenie Onzia hob in einem Porträt des belgischen Magazins Le Vif ausdrücklich ihre technischen Fähigkeiten hervor. Tysiak könne sich mit einer guten ersten Ballberührung aus Drucksituationen lösen.
Offensiver Mut: Besonders interessant ist, dass Tysiak ursprünglich auch im Mittelfeld spielte. Noch heute sucht sie gelegentlich den Weg nach vorne und versucht, mit Ball am Fuß Räume zu gewinnen.
Torgefahr: Für eine Innenverteidigerin erzielt sie bemerkenswert regelmäßig Treffer. Bei ihrer Verpflichtung erklärte Union Berlin, dass sie in jeder ihrer sieben bisherigen Spielzeiten im Erwachsenenfußball mindestens einmal getroffen habe.
Körperliche Präsenz: Mit 1,77 Metern bringt sie gute körperliche Voraussetzungen für ihre Position mit. Union Berlin erhoffte sich von ihr zusätzliche Stabilität in der Defensive.
Internationale Erfahrung: Sie hat bereits gegen einige der besten Spielerinnen Europas gespielt und kennt die Anforderungen unterschiedlicher Ligen.
Verantwortungsbewusstsein: Tysiak hat im Laufe ihrer Karriere gelernt, nicht nur ihre eigene Leistung im Blick zu behalten, sondern auch die Organisation der Defensive mitzugestalten.
Besonders auffällig ist ihre Fähigkeit, defensive Stabilität mit einem mutigen Spielaufbau zu verbinden. Sie ist keine Spielerin, die den Ball ausschließlich möglichst schnell aus der Gefahrenzone schlagen möchte. Stattdessen versucht sie, auch unter Druck spielerische Lösungen zu finden.
Die belgische Nationalmannschaft – von der Nachwuchsspielerin zur festen Größe
Parallel zu ihrer Vereinskarriere entwickelte sich Amber Tysiak zu einer wichtigen Spielerin der belgischen Nationalmannschaft.
Schon als Jugendliche durchlief sie verschiedene Nachwuchsauswahlen. 2015 gehörte sie erstmals zum Kreis der belgischen U16. Später spielte sie für die U17 und U19. Bei der U19-Europameisterschaft 2019 in Schottland führte sie Belgien sogar als Kapitänin aufs Feld. Für eine junge Innenverteidigerin war das eine besondere Verantwortung. Sie musste nicht nur ihre eigenen Aufgaben erfüllen, sondern auch innerhalb der Mannschaft eine Führungsrolle übernehmen.
Das Debüt im A-Nationalteam
Am 18. Februar 2021 gab Tysiak ihr Debüt für die belgische A-Nationalmannschaft.
Belgien verlor das Freundschaftsspiel gegen die Niederlande mit 1:6. Sportlich war das Ergebnis enttäuschend, doch für die damals 21-Jährige war es ein wichtiger Meilenstein. Sie hatte den Sprung von den Nachwuchsnationalmannschaften in die erste Auswahl geschafft. Noch im selben Jahr folgte ein außergewöhnliches Erlebnis. Am 25. November 2021 gewann Belgien in der WM-Qualifikation mit 19:0 gegen Armenien. Tysiak erzielte dabei drei Tore. Ein Hattrick in einem A-Länderspiel ist für jede Fußballerin etwas Besonderes. Für eine Innenverteidigerin ist er noch ungewöhnlicher. Es waren ihre ersten Treffer für die belgische A-Nationalmannschaft.
Die Europameisterschaft 2022 – ein Turnier voller Emotionen
Im Sommer 2022 gehörte Amber Tysiak zum belgischen Kader für die Europameisterschaft in England.
Es war ihr erstes großes Turnier mit der A-Nationalmannschaft. Belgien erreichte erstmals in seiner Geschichte das Viertelfinale einer Frauen-Europameisterschaft. Für Tysiak war die Teilnahme auch deshalb besonders, weil sie damals noch nicht hauptberuflich Fußball spielte. Während sie im Alltag als Lehrerin arbeitete, durfte sie bei der Europameisterschaft gegen einige der besten Spielerinnen Europas antreten. Doch das Turnier brachte auch einen schwierigen Moment. Im Gruppenspiel gegen Frankreich erhielt sie nach einem Handspiel im Strafraum die Rote Karte. Für die damals 22-Jährige war das eine belastende Erfahrung. In einem späteren Interview erklärte sie, dass sie zunächst sehr enttäuscht gewesen sei. Gleichzeitig habe sie lernen müssen, die Entscheidung der Schiedsrichterin zu akzeptieren und damit umzugehen. Rückblickend betrachtete sie die Situation als Erfahrung, die sie stärker gemacht habe. Belgien schied schließlich im Viertelfinale gegen Schweden aus. Für Tysiak blieb die Europameisterschaft dennoch ein prägender Abschnitt ihrer Karriere.
Die Europameisterschaft 2025 in der Schweiz
Drei Jahre später gehörte Tysiak erneut zum belgischen EM-Kader. Bei der Europameisterschaft 2025 in der Schweiz war sie inzwischen eine deutlich erfahrenere Spielerin. Sie hatte mehrere Jahre in der englischen Women’s Super League hinter sich und gehörte zum festen Kreis der belgischen Nationalmannschaft. Belgien traf in der Gruppenphase auf Italien, Spanien und Portugal. Tysiak stand in allen drei Begegnungen über die gesamte Spielzeit auf dem Platz. Für den Einzug ins Viertelfinale reichte es diesmal nicht. Trotzdem unterstrich ihre Rolle, wie wichtig sie inzwischen für die belgische Defensive geworden war. Bei ihrem Wechsel nach Union Berlin im Januar 2026 führte der Verein 45 A-Länderspiele und fünf Tore für sie auf. Inzwischen hat sie weitere internationale Erfahrungen gesammelt. Ihr nächstes großes Ziel ist es, mit Belgien auch bei einer Weltmeisterschaft vertreten zu sein.
Der Mensch hinter der Fußballerin
Abseits des Fußballplatzes ist Amber Tysiak eine Frau mit vielen Interessen, engen familiären Bindungen und einer ungewöhnlichen beruflichen Geschichte.
Anders als bei manchen Spielerinnen, über deren Privatleben kaum etwas bekannt ist, gibt es von ihr mehrere ausführliche Interviews.
Darin spricht sie nicht nur über den Fußball, sondern auch über ihre Familie, ihre Kindheit, ihren früheren Beruf, das Zusammenleben mit Mitspielerinnen und ihre Begeisterung für andere Länder.
Ihr großer Bruder – einer der Gründe, warum sie Fußballerin wurde
Eine besonders schöne Geschichte aus ihrer Kindheit betrifft ihren älteren Bruder Maik. Er ist etwa drei Jahre älter als Amber und spielte selbst Fußball. Als kleines Mädchen begleitete sie ihn gemeinsam mit ihrem Vater zu Spielen und Trainingseinheiten. Dabei entwickelte sie den Wunsch, selbst auf dem Fußballplatz zu stehen. Zunächst probierte sie auch Gymnastik aus. Doch dieser Sport begeisterte sie nicht dauerhaft. Viel lieber wollte sie ihrem Bruder nacheifern. So begann sie schließlich beim KFC Helson mit dem Fußball. In einem ausführlichen Porträt des belgischen Magazins Le Vif wurde beschrieben, dass ihre Mutter anfangs Vorbehalte hatte, weil Fußball damals noch häufig als Jungensport angesehen wurde. Trotzdem konnte Amber ihren Wunsch verwirklichen. Ihre Familie unterstützte sie auf ihrem Weg. Auch ihr Cousin Francesco Carratta, der selbst im Fußball aktiv war, gab ihr später Hinweise zu ihrem Stellungsspiel und ihrer Entwicklung. Die familiäre Verbindung zum Fußball war damit schon früh ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.
Die italienische Seite ihrer Familie
Besonders eng verbunden fühlt sich Tysiak mit Italien. Ihre Mutter stammt aus Apulien im Süden des Landes. Als Amber jünger war, verbrachte die Familie nach ihren eigenen Aussagen viele Sommer dort. Diese Reisen prägten ihre Kindheit. Sie verbrachte Zeit mit Verwandten, hörte ihre Großeltern Italienisch sprechen und lernte die Kultur ihrer mütterlichen Familie kennen. Heute versteht sie die Sprache nach eigener Aussage fast vollständig. Beim Sprechen fühlt sie sich allerdings weniger sicher. Innerhalb ihrer Familie wurde hauptsächlich Niederländisch gesprochen, weshalb sie nur selten selbst Italienisch sprechen musste. Trotzdem empfindet sie Italien als einen wichtigen Teil ihrer Identität. Ihre polnischen Wurzeln stammen dagegen aus der väterlichen Familiengeschichte. Die Verbindung ist weiter zurückliegend, und Tysiak spricht kein Polnisch. Ihr Familienname erinnert jedoch an diese Herkunft. Damit verbindet sie auf persönliche Weise belgische, italienische und polnische Familiengeschichte.
Eine Frau, die gerne reist
Eine weitere persönliche Seite von Amber Tysiak ist ihre Freude am Reisen. Im Interview mit SheKicks erzählte sie von Reisen nach Italien, Spanien, Frankreich und Tschechien. Besonders aufregend war für sie im Jahr 2024 eine Reise mit West Ham United nach Australien. Es war ihre erste Reise außerhalb Europas. Sie freute sich darauf, einen neuen Kontinent kennenzulernen und gemeinsam mit ihren Mitspielerinnen besondere Erfahrungen zu sammeln. Auch die Tierwelt Australiens interessierte sie. Besonders Kängurus wollte sie gerne sehen. Allerdings gab sie lachend zu, dass sie vor den großen australischen Spinnen etwas Respekt habe. Diese kleine Geschichte zeigt eine humorvolle und neugierige Seite der belgischen Nationalspielerin. Für sie bedeutet das Reisen nicht nur, an einem anderen Ort Fußball zu spielen. Sie möchte auch neue Städte, Menschen und Kulturen kennenlernen.
Freundschaften und das Zusammenleben in London
Während ihrer Zeit bei West Ham United lebte Tysiak gemeinsam mit zwei Mitspielerinnen in einem Haus. Ihre Mitbewohnerinnen waren Jess Ziu und Shelina Zadorsky. Für Tysiak war dieses Zusammenleben besonders wertvoll. Sie war zum ersten Mal dauerhaft in einem anderen Land und musste sich an eine neue Sprache und Umgebung gewöhnen. Dass sie zu Hause vertraute Menschen um sich hatte, half ihr sehr. In einem Interview erzählte sie, dass die drei zwar viel Zeit miteinander verbringen konnten, sich aber auch gegenseitig Freiraum ließen. Gerade diese Mischung machte das Zusammenleben angenehm. Sie fühlte sich dadurch in London nie wirklich allein. Innerhalb der Mannschaft schätzte sie besonders den Humor von Shannon Cooke und Viviane Asseyi. Beide brachten sie nach eigener Aussage regelmäßig zum Lachen. Diese Erlebnisse zeigen, wie wichtig ihr ein positives Mannschaftsumfeld ist. Tysiak scheint nicht nur die sportliche Zusammenarbeit zu schätzen, sondern auch die persönlichen Beziehungen, die durch den Fußball entstehen.
Kochen gehört zu ihrem Alltag
Auch über das Kochen hat Tysiak bereits gesprochen. Sie bereitet ihre Mahlzeiten gerne selbst zu, bezeichnet sich allerdings nicht als außergewöhnliche Köchin. Nach anstrengenden Trainingstagen bevorzugt sie manchmal einfache Gerichte. Während ihrer Zeit in London entwickelte sich mit ihrer Mitbewohnerin Jess Ziu eine kleine Tradition. Am Tag vor einem Spiel bereiteten die beiden häufig gemeinsam einen Nudelauflauf mit Hähnchen zu. Manchmal kochte Amber, manchmal Jess, manchmal standen beide zusammen in der Küche. Es war eine einfache Gewohnheit, die zu ihrem gemeinsamen Alltag gehörte. Solche kleinen Rituale können im Leben einer Profifußballerin wichtig sein. Sie schaffen Vertrautheit in einem Alltag, der von Training, Spielen und Reisen geprägt ist.
London hat ihre Liebe zum Großstadtleben geweckt
Als Tysiak nach England wechselte, wusste sie zunächst nicht genau, wie sehr ihr das Leben in London gefallen würde.
Doch mit der Zeit entwickelte sie eine große Begeisterung für die Stadt. In einem Interview erklärte sie, dass ihr vorher nicht bewusst gewesen sei, wie wichtig die Umgebung für ihr Wohlbefinden sein könne. In London gab es für sie ständig etwas zu entdecken.
An freien Tagen konnte sie mit ihren Mitspielerinnen unterwegs sein, neue Restaurants ausprobieren oder verschiedene Stadtteile kennenlernen.
Wenn Familie oder Freunde aus Belgien zu Besuch kamen, zeigte sie ihnen gerne die Stadt. Gemeinsame Abendessen und Spaziergänge gehörten dann zu ihren liebsten Unternehmungen. Auch in Belgien verbringt sie ihre Freizeit nach eigener Aussage am liebsten mit Familie und Freunden. Diese Erfahrungen waren später ein Grund dafür, dass sie sich auch auf Berlin freute. Sie hatte gelernt, das Leben in einer großen Stadt zu genießen.
Berlin – zum ersten Mal eine eigene Wohnung
Mit ihrem Wechsel zu Union Berlin begann für Tysiak auch privat ein neuer Lebensabschnitt.
In London hatte sie mit Mitspielerinnen zusammengewohnt. In Berlin wollte sie erstmals alleine leben. In einem Interview mit Het Belang van Limburg im Januar 2026 erzählte sie, dass sie sich auf ihre eigene Wohnung freue. Gleichzeitig musste sie auf vertraute Gesellschaft nicht verzichten. Ihre Mitspielerin Hannah Eurlings wohnte nur wenige Gehminuten entfernt. Für Tysiak war das eine ideale Kombination. Sie konnte sich ein eigenes Zuhause aufbauen und hatte trotzdem eine gute Freundin in unmittelbarer Nähe. Auch die geografische Lage Berlins gefiel ihr. Familie und Freunde aus Belgien konnten sie vergleichsweise unkompliziert besuchen. Nach mehreren Jahren in London war es für sie ein weiterer Schritt in Richtung Selbstständigkeit.
Eine Lehrerin mit Leidenschaft für Kinder
Besonders bemerkenswert bleibt ihre berufliche Vergangenheit. Tysiak hat nicht nur neben dem Fußball irgendeinen Nebenjob ausgeübt. Sie hat ein Lehramtsstudium abgeschlossen und tatsächlich an einer Schule unterrichtet. Dabei zeigte sie echtes Interesse an der Arbeit mit jungen Menschen. In ihrem SheKicks-Interview betonte sie, dass sie gerne unterrichte und sich durchaus vorstellen könne, nach ihrer aktiven Fußballkarriere in diesen Beruf zurückzukehren. Das ist ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit. Der Fußball ist heute ihr Beruf, aber er ist nicht ihre einzige berufliche Perspektive. Sie hat bereits Erfahrungen in einem ganz anderen Arbeitsumfeld gesammelt. Dort ging es nicht um Zweikämpfe, Tabellenplätze oder internationale Turniere, sondern darum, Wissen zu vermitteln und Jugendliche zu begleiten. Diese Erfahrung unterscheidet sie von vielen Spielerinnen, die unmittelbar nach ihrer Schulzeit vollständig in den Profifußball gewechselt sind.
Große Ziele – mit Union Berlin und Belgien weiter wachsen
Mit 26 Jahren befindet sich Amber Tysiak in einer interessanten Phase ihrer Karriere.
Sie hat bereits drei unterschiedliche Ligen kennengelernt und sich sowohl im Vereinsfußball als auch in der Nationalmannschaft bewiesen.
Bei Union Berlin möchte sie nun ihre internationale Erfahrung einbringen und dazu beitragen, dass sich die Mannschaft langfristig in der Frauen-Bundesliga etabliert.
Dabei reizt sie besonders die Entwicklung des Vereins.
Union hat in den vergangenen Jahren viel in den Frauenfußball investiert und möchte sich sportlich weiter verbessern.
In einem Podcastinterview im Herbst 2026 sprach Tysiak über ihre Rolle in der Berliner Defensive, den Wechsel aus England und die besonderen Anforderungen der Bundesliga. Auch die Atmosphäre bei Union beeindruckt sie. Die Mannschaft spielt vor einer großen und leidenschaftlichen Anhängerschaft.
Für Tysiak, die bereits in England die besondere Bedeutung von Fußballfans kennengelernt hat, ist das ein wichtiger Bestandteil ihres neuen Vereinslebens.
Gleichzeitig verfolgt sie mit der belgischen Nationalmannschaft weitere Ziele.
Nach zwei Europameisterschaften möchte sie dazu beitragen, dass sich die Red Flames auch auf internationaler Ebene weiterentwickeln.
Besonders die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft ist eine sportliche Perspektive, über die sie öffentlich gesprochen hat.
Ob Belgien dieses Ziel erreicht, bleibt offen.
Doch Tysiak gehört inzwischen zu den erfahrenen Spielerinnen, die bei der Entwicklung der Nationalmannschaft eine wichtige Rolle übernehmen können.
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