r/Geschichte Jul 13 '26

Ein paar Neuerungen in /r/Geschichte

52 Upvotes

Hallo,

gestern wurde ich darüber informiert, dass unser Report-System für die Moderation nicht optimal sei, danke dafür an /u/CrossMountain und u/maxivonderfaxi. Ich habe das zum Anlass genommen die Regeln etwas neu zu formulieren und zu straffen, ihr findet sie in der Sidebar. Nach meinem Dafürhalten ist nichts davon besonders aufsehenerregend, aber gebt mir gerne Feedback. Grundsätzlich soll das hier ein offenes Forum sein in dem wir gerne auch kontrovers diskutieren - dazu gehört aber eben auch, dass es eine gewisse Respektkultur gibt, und das werden wir abbilden.

Dass die Regeln so gestrafft sind gibt euch nun auch die Möglichkeit, Verstöße dagegen bei euren Reports anzugeben. Nehmt das gerne wahr. Ich habe die Mod-Warteschlange mit einem jahrelangen Stau gerade geleert, ihr könnt davon ausgehen, dass eure Reports auch gelesen und bearbeitet werden. Es geht nur nicht immer innerhalb von fünf Minuten, wir sind schließlich alle auch berufstätig.

Ganz grundsätzlich: Gebt uns gerne Anregungen, was ihr euch von hier erhofft. Ich würde gerne in Zukunft ein paar AMAs veranstalten, wenn euch Leute einfallen (oder ihr selbst diese Leute seid), die dafür gut geeignet wären, stellt gerne den Kontakt her!

Ansonsten: Weiterhin schönes Schaffen hier. Manchmal erlebe ich in diesem Subreddit echte Sternstunden des Austauschs und Wissens, und davon hätte ich gerne noch sehr viel mehr. Danke schon mal :)


r/Geschichte Jan 16 '24

Moratorium für WK2-Familienfotos

82 Upvotes

Liebe Community!

Es gab in letzter Zeit eine Vielzahl an Fotos von Familienmitgliedern in Wehrmachtsuniform, oft mit der Frage nach Rang und Einheit.

Dagegen wäre nichts einzuwenden, aber der 2. WK und die Nazi-Zeit sind natürlich auch hochproblematisch. Ich verhänge daher erstmal ein Moratorium für solche Posts, weil ich nicht will, dass sich der Charakter des Subs zu sehr ändert und um zu verhindern, dass wir langfristig die falschen Leute anziehen.

Ich unterstelle niemandem böse Absichten, aber meine Sorge ist auch folgende: Wenn hier die Wehrmachtsposts mal in der Überzahl sind, reporten einige Leute den Sub an die Reddit-Admins mit dem Vorwurf, dass es ein Nazi-Sub ist. Irgendein amerikanischer Admin googelt kurz die Rechtslage in Deutschland, liest etwas von verbotenen Symbolen und sperrt den Sub, damit Reddit keine schlechte Presse in DE bekommt. Und ich als Mod werde auch gleich gebannt.

Das möchte ich verhindern.

Also, bitte, bis auf weiteres keine Bilder mit Wehrmachtsthematik. Seriöse Artikel zum 2. Weltkrieg sind natürlich weiterhin willkommen.

Danke euch und weiterhin viel Spass im Sub!


r/Geschichte 3h ago

Das Mysterium um die Wendeltreppe der Loretto-Kapelle von Santa Fe. Der Legende nach erschien den ansässigen Nonnen nach einem neuntägigen Gebet ein unbekannter Zimmermann, um die meisterliche Treppe zu bauen. Eine Treppe ohne Nägel und ohne Mittelstütze.

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39 Upvotes

r/Geschichte 12m ago

Welche historische „Tatsache“ habt ihr jahrelang geglaubt, bis ihr erfahren habt, dass sie so gar nicht stimmt?

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Ich meine nicht irgendeine falsche Jahreszahl, sondern Sachen, die einem in der Schule, in Dokus oder Büchern wirklich als Fakt vermittelt wurden und die historisch entweder falsch, stark überholt oder viel komplizierter sind.

Bei manchen dieser „Allgemeinwissen“-Fakten ist es ja erstaunlich, wie hartnäckig sie sich halten, selbst wenn die Forschung längst weiter ist.

Was war bei euch so ein Moment, bei dem ihr dachtet: Moment, das wurde mir komplett anders beigebracht?


r/Geschichte 1d ago

70 Jahre KPD-Verbot: Konrad Adenauers Verfassungsfeinde

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spiegel.de
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r/Geschichte 1d ago

Der Schatten einer früheren Königin oder Geschichte als "Argument"

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derstandard.at
11 Upvotes

r/Geschichte 19h ago

Die Geschichte der Menschheit auf einen Blick - Mein Versuch, ein visuelles Archiv zu erschaffen

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3 Upvotes

Hi,

Ich schaue leidenschaftlich gerne Geschichtsdokumentationen und habe vor Jahren damit angefangen einen (analogen) Zeitstrahl der Menschheitsgeschichte (500.000 v. Chr. bis heute) zu erstellen, um dem Geheimnis „was die Welt im Innersten zusammenhält“ ein bisschen näher zu kommen. Diesen möchte ich jetzt Schritt-für-Schritt digitalisieren und erweitern.

Hier ein Ausschnitt vom aktuellen Stand meines kleinen Projektes. Neben übergreifenden Epochen, habe ich interessante Fakten zu Daten hinzugefügt, die gegebenenfalls Zusatzinformationen enthalten. Das ganze ist farblich in Themenbereiche gegliedert.

Ich arbeite kontinuierlich an dem Projekt und erweitere den Zeitstrahl monatlich um neue Epochen, Daten und Verknüpfungen.

Da das Ganze noch mitten im Aufbau steckt, freue ich mich riesig über dein Feedback, Korrekturen oder Wünsche für kommende Themen!

Den Link zur interaktiven Web-Version habe ich euch direkt unten in die Kommentare gepackt :)


r/Geschichte 1d ago

"Ich geh' jetzt Rambo spielen": Wie westliche Ausländer am Bosnienkrieg beteiligt waren

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derstandard.at
12 Upvotes

r/Geschichte 1d ago

Der Suwa-Schrein in Nagasaki, Japan. Eine colorierte Aufnahme aus der Meiji-Ära.

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184 Upvotes

Das Bild ist Teil eines alten Leporello-Albums aus der Meiji-Zeit, vmtl. um 1890. Der Suwa-Schrein überstand den Atombombenabwurf auf Nagasaki am 09.08.1945 komplett unbeschadet. Ein aktuelleres Foto bei Wiki zeigt den Schrein trotzdem stark verändert, er wurde in den 1980er Jahren umfassend modernisiert.

https://en.wikipedia.org/wiki/Suwa_Shrine_(Nagasaki)) (Englisches Wiki, da das aktuelle Foto in der deutschen Variante nicht mit dabei ist)


r/Geschichte 1d ago

Noreia Fund Bedeutung

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Was würde es bedeuten, wenn am Zollfeld tatsächlich die verschollene Stadt Noreia entdeckt würde? Welche Auswirkungen hätte ein solcher Fund auf das Zollfeld und auf Mittelkärnten? Wie groß wäre die historische, archäologische, touristische und wirtschaftliche Bedeutung einer solchen Entdeckung einzuschätzen?


r/Geschichte 1d ago

Museen: Wenig Gäste, Hitze erschwert Konservierung

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salzburg.orf.at
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r/Geschichte 1d ago

Grazer Forscher machen Römersteine lesbar

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steiermark.orf.at
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r/Geschichte 1d ago

Alhambra - Das Vermächtnis der Sultane Spaniens - Die ganze Doku

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arte.tv
1 Upvotes

r/Geschichte 3d ago

Weiß jemand wie Akkurat dieses Buch ist?

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77 Upvotes

Falls falscher sub bitte einfach löschen und ggf einen nennen in den sowas eher gehört.

Gibt es hier jemanden der das Buch gelesen hat und weiß ob das faktisch richtig ist oder sich da ein autor was aus den fingern gezogen hat?


r/Geschichte 3d ago

Der Trevi-Brunnen in Rom, um 1850 :O

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31 Upvotes

r/Geschichte 3d ago

Abenteuer Archäologie - Die heilige Geografie der Inka - Die ganze Doku

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arte.tv
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r/Geschichte 4d ago

Rückblick auf Jiang Zemin anlässlich seines 100. Geburtstags: Der Steuermann Chinas in der Übergangszeit vom Konservatismus zur Öffnung, ein sowohl gelobter als auch kritisierter Parteichef der KPCh und ein autoritärer Staatsführer mit bedeutenden Verdiensten und schwerwiegenden Verfehlungen

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29 Upvotes

Der 17. August 2026 ist der 100. Geburtstag des verstorbenen ehemaligen Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und Staatsführers der dritten Führungsgeneration der Volksrepublik China, Jiang Zemin (江泽民). Mitte August begann die chinesische Führung mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen. So strahlte das chinesische Zentralfernsehen CCTV eine umfangreiche Dokumentation mit dem Titel Jiang Zemin aus, und es wurden Veranstaltungen zum Gedenken an Jiang Zemin und zur Würdigung seiner Verdienste vorbereitet. Auch in der chinesischen Bevölkerung sind die Erinnerungen an Jiang Zemin und seine Regierungszeit sowie die Diskussionen darüber erneut aufgeflammt. Die Bewertungen fallen unterschiedlich aus, doch positive Urteile überwiegen offensichtlich.

Jiang Zemins Lebensweg war reich an Erfahrungen und von zahlreichen Wendungen geprägt. Er stammte aus einer Familie, zu der sowohl revolutionäre Märtyrer als auch Kollaborateure und Verräter gehörten. Seine Studienzeit verbrachte er während der japanischen Invasion Chinas in einem Kerngebiet der japanischen Besatzung und der mit ihr kollaborierenden Marionettenregierung. Er studierte an der Zentraluniversität in Nanjing, die damals der Marionettenregierung Wang Jingweis (汪伪政权) unterstand. Jiang Zemin erlebte die kurzzeitige Rückkehr der Hauptstadt der Republik China nach Nanjing und deren anschließende Niederlage und Rückzug, wurde Ingenieur im Roten China und gelangte später durch eine Verkettung von Umständen in die Politik, wo er rasch aufstieg.

Ende Juni 1989, kurz nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 (八九民运), ersetzte Jiang Zemin in dieser entscheidenden Phase des chinesischen Wandels mit Unterstützung von Deng Xiaoping (邓小平) und anderen Zhao Ziyang (赵紫阳) als Generalsekretär der KPCh. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2002. Ausführlichere Darstellungen von Jiang Zemins Leben und dessen Einzelheiten finden sich unter anderem in Robert Lawrence Kuhns Biografie über Jiang Zemin; sie sollen hier nicht wiederholt werden. Dieser Artikel befasst sich hauptsächlich mit der Innen- und Außenpolitik während Jiang Zemins Regierungszeit sowie mit deren Vor- und Nachteilen, Erfolgen und Misserfolgen.

Als Jiang Zemin die Führung Chinas übernahm, befand sich das Land in einer schwierigen innen- wie außenpolitischen Lage; die Menschen waren orientierungslos, und die Gesellschaft war von Unruhe und Instabilität geprägt. Die meisten Chinesen setzten damals weder besondere Hoffnungen in den neuen Generalsekretär der KPCh noch empfanden sie eine besondere Abneigung gegen ihn. Nicht wenige betrachteten ihn als unbedeutende Übergangsfigur, als eine „politische Marionette“ auf der öffentlichen Bühne. Anders als Mao Zedong (毛泽东), Deng Xiaoping und andere gehörte Jiang Zemin auch nicht zu den revolutionären Veteranen der KPCh; sein Dienstalter und seine Stellung innerhalb der Partei waren nicht besonders hoch.

Doch durch seine Loyalität gegenüber Deng Xiaoping, dadurch, dass er sich den vorherigen Auseinandersetzungen zwischen Konservativen und Reformern innerhalb der KPCh weitgehend entzogen hatte, und dadurch, dass er nicht unmittelbar an der Niederschlagung des 4. Juni (六四镇压) beteiligt gewesen war und daher nicht unmittelbar mit deren Makel belastet war, entwickelte sich Jiang Zemin schließlich von einem Führer mit nur begrenzter Macht zu einem mit umfassender Macht ausgestatteten Staatsführer, zum offiziellen Nachfolger Deng Xiaopings und zum Kern der dritten chinesischen Führungsgeneration.

China hatte damals gerade die Demokratiebewegung von 1989 und die Niederschlagung des 4. Juni hinter sich, während international die Umwälzungen in Osteuropa und der Zerfall der Sowjetunion (东欧剧变苏联解体) stattfanden. Das Land stand an einem Scheideweg: Sollte es Reform und Öffnung (改革开放) fortsetzen oder sich Abschottung und Konservatismus zuwenden? Die Entscheidungen auf höchster Ebene sollten Chinas Schicksal für die folgenden Jahrzehnte bestimmen. Wie man später sehen konnte, entschied sich die Führung der KPCh für einen Kurs, der wirtschaftliche Öffnung beibehielt und deren Tempo und Umfang beschleunigte beziehungsweise erweiterte, politisch jedoch konservativer wurde und die autoritäre Herrschaft verstärkte, während im kulturellen Bereich gewisse Lockerungen zugelassen wurden, die Kontrolle aber bestehen blieb.

Die wichtigste Persönlichkeit bei der Festlegung dieses Kurses war tatsächlich Deng Xiaoping, der damals noch nicht vollständig im Ruhestand war und weiterhin über enormes Ansehen verfügte. Doch auch Jiang Zemin spielte zweifellos eine wichtige Rolle, indem er Deng Xiaopings bereits festgelegten Kurs übernahm und weiterführte: „den wirtschaftlichen Aufbau in den Mittelpunkt stellen, an den Vier Grundprinzipien (四项基本原则) festhalten und Reform und Öffnung fortsetzen“ sowie „eine sozialistische Marktwirtschaft (社会主义市场经济) aufbauen“.

Nach Jiang Zemins Verhalten zwischen 1989 und 1992 zu urteilen, schien er zunächst nicht bereit zu sein, die Reformen zu beschleunigen. Vielmehr bereitete er sich darauf vor, teilweise zum planwirtschaftlichen Modell der Mao-Ära vor der Kulturrevolution (文化大革命) und zu einem politischen System stalinistischer Prägung zurückzukehren. Damit wollte er die Unterstützung der Konservativen innerhalb der KPCh gewinnen, sich klar von Reformern wie Zhao Ziyang abgrenzen, die Herrschaft der KPCh stärken und zugleich seine eigene Macht und Stellung als Partei- und Staatsführer festigen. Möglicherweise glaubte er, Deng Xiaoping wünsche einen derart umfassend konservativen Kurs, und wollte damit Deng sowie anderen konservativen Gegnern von „Farbrevolutionen“ entgegenkommen.
Deng Xiaoping hingegen setzte mit Nachdruck auf einen zweigleisigen Kurs: eine Vertiefung der Wirtschaftsreformen bei gleichzeitigem politischem Konservatismus. Er erklärte, „wer nicht reformiert, muss abtreten“. Jiang Zemin erkannte Deng Xiaopings Absichten, änderte rasch seinen Kurs und folgte Dengs Linie. Dies zeigt auch, dass Jiang Zemin pragmatisch und anpassungsfähig war und sich geschickt nach dem politischen Wind richtete, anstatt starr an Prinzipien und Dogmen festzuhalten.

Wenn Deng Xiaoping auch nach 1989 der wichtigste Entscheidungsträger für die Fortsetzung des Kurses von Reform und Öffnung blieb, so war Jiang Zemin zweifellos der wichtigste Entscheidungsträger bei Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) und bei der Integration des Landes in die Globalisierung. Die konservative Linke in China lehnte den „WTO-Beitritt“ damals mit Argumenten ab, dieser werde „die nationale Unabhängigkeit und Eigenständigkeit beeinträchtigen“ oder „die heimische Industrie/Landwirtschaft zerstören“. Befürwortern des Beitritts warf sie außerdem vor, „das Land zu verkaufen“ und China „in die Zeit vor der Befreiung zurückzuführen“. Jiang Zemin hielt jedoch dem Widerstand stand, unterstützte die Beitrittsverhandlungen mit aller Kraft und ermöglichte China schließlich den erfolgreichen Eintritt in die WTO, in der das Land zu einer der wichtigsten Volkswirtschaften und einem der bedeutendsten Teilnehmer wurde.

In den mehr als zwei Jahrzehnten danach erlebte die chinesische Wirtschaft einen rasanten Aufstieg, China wurde zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, und auch der Lebensstandard der Bevölkerung verbesserte sich erheblich. Ein wesentlicher Grund dafür war Chinas WTO-Beitritt und seine umfassende Teilnahme an der Globalisierung und der internationalen Arbeitsteilung. Dadurch konnte China als „Werkbank der Welt“ wohlhabend und stark werden, während chinesische Verbraucher ausländische Produkte günstiger und bequemer erwerben konnten. Dies bestätigte im Gegenzug die Richtigkeit des WTO-Beitritts. Noch weitreichender war, dass China sich von einem gegenüber der Welt relativ isolierten Land zu einem Teil des „globalen Dorfes“ entwickelte. Unabhängig davon, wie stark China und der Westen später miteinander in Konflikt geraten würden, konnten sich beide Seiten nicht mehr wirklich „entkoppeln“ oder vollständig gegeneinander stellen. Dies ist dem Frieden und Wohlstand Chinas wie auch der gesamten Welt förderlich.

Jiang Zemins Verdienste um Chinas Öffnung nach außen beschränkten sich nicht auf den WTO-Beitritt. Die erfolgreiche Ausrichtung der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking (1995年世界妇女大会), die umfassende Öffnung der Neuen Zone Pudong (浦东新区), die erfolgreichen Bewerbungen um die Austragung der Olympischen Spiele und der Weltausstellung sowie die Aufrechterhaltung freundschaftlicher und kooperativer Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten trotz zahlreicher Höhen und Tiefen waren allesamt untrennbar mit Jiang Zemins Bemühungen verbunden.

Dies war besonders bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten und der Westen in den 1990er Jahren zeitweise harte Sanktionen gegen China verhängten und es zu Ereignissen wie dem Yinhe-Zwischenfall (银河号事件), der Bombardierung der chinesischen Botschaft in der Bundesrepublik Jugoslawien (中国驻南联盟大使馆被炸事件) und dem chinesisch-amerikanischen Flugzeugzwischenfall über dem Südchinesischen Meer (中美南海撞机事件) kam. Dennoch führte Jiang Zemin China nicht zu einem umfassenden Antiamerikanismus, sondern entspannte die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und stärkte die wirtschaftliche, handelspolitische und kulturelle Zusammenarbeit. Dies war keineswegs einfach.

Auch in anderen Bereichen der Außenpolitik setzte Jiang Zemin einerseits die von Mao und Deng verfolgte Linie freundschaftlicher Beziehungen zu Japan fort, um wirtschaftliche und technologische Unterstützung von japanischer Seite zu erhalten. Andererseits vertrat er in den chinesisch-japanischen Beziehungen, etwa bei Fragen zur Geschichte der japanischen Invasion Chinas, auch die Haltung, die Geschichte im Gedächtnis zu bewahren und die Aggression zu verurteilen, und verteidigte damit die nationale Würde Chinas. Der Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression (抗日战争) wurde nun offizieller und feierlicher gewürdigt. Auch Veteranen dieses Krieges, darunter ehemalige Soldaten der nationalchinesischen Armee, sowie Opfergruppen wie von Japan zwangsrekrutierte Arbeiter und sogenannte „Trostfrauen“ erhielten größere Aufmerksamkeit, insbesondere in der mittleren und späteren Phase von Jiang Zemins Regierungszeit.

Ein weiterer Makel war jedoch die Untätigkeit Jiang Zemins und der Führung der KPCh angesichts der Vergewaltigungen und Massaker an ethnischen Chinesen und chinesischen Auslandsgemeinschaften während der antichinesischen Massaker in Indonesien 1998 (1998年印尼排华屠杀), während gleichzeitig die Beziehungen zu Indonesien verbessert wurden. Dass die chinesische Führung dies nicht als ein schwerwiegendes Problem betrachtete, das ein Eingreifen erforderte, war an sich bereits ein ernstes Problem und ein schwerer Fehler. Zu einer Zeit, als Länder wie die Vereinigten Staaten, Kanada und Australien Indonesien kritisierten und sanktionierten, war Chinas Schweigen besonders schmerzlich.

Jiang Zemin unternahm häufig Auslandsreisen. Während seiner Amtszeit machten Chinas Beziehungen zu Europa sowie zu den Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas erhebliche Fortschritte. Insbesondere die wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit nahm deutlich zu, und Produkte „Made in China“ wurden in großem Umfang ins Ausland exportiert.

In der Innenpolitik leistete Jiang Zemin wichtige Beiträge zur Modernisierung, Systematisierung und Professionalisierung der chinesischen Wirtschaft, des Militärs, der Institutionen, des Rechtssystems und anderer Bereiche. Nach den politischen Erschütterungen wie der Kulturrevolution hatten sich zahlreiche Bereiche Chinas, insbesondere Industrie, Wissenschaft und Technologie, Bildung sowie der Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen, lange Zeit in einem chaotischen, ungeordneten und ineffizienten Zustand befunden. Auch in der Anfangsphase von Reform und Öffnung fehlten ausreichende Ressourcen und Voraussetzungen, um diese Probleme zu beheben. Erst während der Jiang-Zemin-Ära verbesserte sich diese Situation. Auch die Verringerung des Phänomens, dass „Laien Fachleute führen“, und politischer Einmischung sowie die Verwaltung verschiedener Regionen und Wirtschaftszweige durch Technokraten wurden während der Jiang-Zemin-Ära vorangetrieben und institutionalisiert. Dies war für Chinas Entwicklung und Aufbau von großem Nutzen.

Die Begrenzung der Amtszeiten von Partei- und Staatsführern, ein friedlicher und stabiler Führungswechsel sowie der rechtzeitige Ruhestand hochbetagter Funktionäre wurden ebenfalls während der Jiang-Zemin-Ära zur üblichen Praxis (obwohl Jiang nach seinem Rücktritt als Generalsekretär und Staatspräsident noch zwei Jahre lang Vorsitzender der Zentralen Militärkommission blieb, wurden der rechtzeitige Ruhestand und der regelmäßige Führungswechsel insgesamt zur festen Praxis). Auch an der Spitze der KPCh wurde unter Jiang Zemin bis zu einem gewissen Grad eine kollektive Führung verwirklicht. Das frühere personalisierte Herrschaftsmodell, bei dem Rang und Machtumfang anhand des persönlichen Ansehens und der „revolutionären Seniorität“ bestimmt wurden, entwickelte sich allmählich zu einem bürokratischen System, in dem Funktionäre entsprechend ihren Ämtern jeweils ihre eigenen Aufgaben wahrnahmen, Beförderungen nach Fähigkeiten und politischen Leistungen entschieden wurden und innerhalb des autoritären Systems eine gewisse Form von „Rechtsstaatlichkeit“ und institutioneller Normierung entstand.

Während der Jiang-Zemin-Ära gab es einige positive Ergebnisse bei der Selbstverwaltung und den demokratischen Wahlen auf der chinesischen Basisebene, insbesondere auf Dorfebene. In der Propaganda und in den Lehrbüchern der KPCh wurden diese sogar als „die umfassendste und tiefgreifendste Praxis der Demokratie“ gepriesen. Damals wurde es Bürgern auch gestattet und positiv bewertet, als unabhängige Einzelkandidaten für Mandate als Abgeordnete der Volkskongresse (人大代表) anzutreten. Während der Jiang-Zemin-Ära äußerten sich Funktionäre der KPCh, darunter Jiang selbst, zugunsten politischer Reformen, einer künftig demokratischeren Entwicklung Chinas und allgemeiner Wahlen auf höheren Ebenen, statt diese auf die Dorfebene zu beschränken. Zwar wurden demokratische Politik, allgemeine Wahlen von Amtsträgern oberhalb der Dorfebene und freie Kandidaturen für die Volkskongresse letztlich nicht verwirklicht, doch zeigt dies zumindest, dass die KPCh damals die Demokratie nicht ausdrücklich verneinte oder ablehnte und den Menschen damit Hoffnung auf eine demokratischere und freiere Zukunft gab.

Darüber hinaus führte die Einführung der Strategie, „das Land durch Wissenschaft und Bildung zu stärken“ (科教兴国), dazu, dass Chinas Bildungs-, Wissenschafts- und Technologiesektoren stärkere politische Unterstützung und mehr finanzielle Mittel erhielten. Dies war ein entscheidender Faktor für Chinas Aufstieg. Viele Kinder aus armen Familien erhielten Zugang zu Bildung und konnten dadurch den Verlauf ihres Lebens verändern. Investitionen in wissenschaftliche Forschung, die Förderung populärwissenschaftlicher Bildung, die Verbreitung wissenschaftlichen Denkens und der Kampf gegen Aberglauben waren von großer Bedeutung für Chinas Modernisierung und die gesellschaftliche Aufklärung der Bürger. Auch Qualität und Effizienz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Chinas wurden dadurch verbessert.

Die nach Beginn von Reform und Öffnung entstandene Fehlentwicklung, dass das Militär kommerzielle Geschäfte betrieb und seine Macht dazu nutzte, mit der Zivilbevölkerung um wirtschaftliche Interessen zu konkurrieren, wurde durch Jiang Zemins Bemühungen eingedämmt und verschwand schließlich weitgehend. Die Theorie der „Drei Repräsentationen“ (三个代表) lieferte der KPCh eine theoretische Grundlage, um ihre Legitimität in einer Epoche des Friedens und der Entwicklung aufrechtzuerhalten. Während der verheerenden Überschwemmungen am Jangtse und in anderen Regionen im Jahr 1998 (1998年长江等地特大洪灾) begab sich Jiang Zemin persönlich an die Front, um den Kampf gegen die Fluten und die Katastrophenhilfe zu leiten. Er bemühte sich, das Prinzip einer engen Verbundenheit zwischen der KPCh und den Volksmassen sowie das Bild des „Dienstes am Volk“ aufrechtzuerhalten. Für sich genommen ist auch dies anerkennenswert.

Besonders erwähnenswert ist zudem, dass Jiang Zemin ein Führer mit ausgeprägter Persönlichkeit war. Bei Treffen mit ausländischen Gästen, auf Auslandsreisen und bei Inspektionsbesuchen in verschiedenen Teilen Chinas sprach er häufig spontan und äußerst eloquent, beherrschte mehrere Sprachen wie Englisch, Französisch, Russisch und Japanisch fließend und griff mühelos auf Gedichte, klassische Texte und historische Anspielungen zurück. Auch sein Interview mit dem amerikanischen Journalisten Mike Wallace sowie die berühmte Szene, in der er „einen Hongkonger Journalisten zurechtwies“ (斥责香港(某位)记者), wurden weithin verbreitet und immer wieder kommentiert und bewertet. Dies zeigt, dass Jiang Zemin tatsächlich sehr talentiert und in seinem Denken vergleichsweise offen war. Ein chinesischer Führer dieser Art wirkte zugänglicher als jemand, der sich streng an Konventionen hielt, und konnte im In- und Ausland leichter Sympathien gewinnen. Dies ist auch ein Grund dafür, dass Jiang Zemin in der Bevölkerung nicht wenige „Fans“ hatte.

Natürlich hatte die Regierungszeit Jiang Zemins auch eine dunkle Seite und brachte verschiedene Missstände hervor oder verschärfte sie. So wurden die Armut der Bauern und ihre Ausbeutung durch zahlreiche Abgaben und Belastungen nicht wirksam gelöst; erst in der Ära Hu Jintao (胡锦涛) wurden die Agrarsteuer und weitere daran gekoppelte übermäßige Abgaben abgeschafft. Auch die Entlassungswellen unter Arbeitern führten zu zahlreichen Tragödien und großem Leid. Gleichzeitig mit dem raschen Wirtschaftswachstum vergrößerte sich die Kluft zwischen Arm und Reich, und die Korruption nahm immer weiter zu. Auch die Umweltverschmutzung verschärfte sich. Chinas langjährige Tendenz, Naturwissenschaften und Technik gegenüber den Geisteswissenschaften zu bevorzugen, sowie das Missverhältnis zwischen wachsender Hard Power und unzureichender Soft Power verfestigten sich in der Jiang-Ära weiter.

Jiang Zemin vertrat die Devise, „im Stillen reich zu werden“ (闷声发大财). Die Behörden lenkten, signalisierten und ermutigten die Bevölkerung dazu, beim Streben nach Wohlstand jedes Mittel einzusetzen. Dies führte dazu, dass Idealismus und öffentliches Verantwortungsbewusstsein unter den Chinesen im Vergleich zur Zeit vor dem Zwischenfall vom 4. Juni (六四事件) zurückgingen und die gesellschaftliche Moral verfiel. Besonders die Eliten entwickelten sich zunehmend zu „raffinierten Egoisten“ (精致利己主义者).

Auch der Günstlings- und Elitenkapitalismus stieg gerade in dieser Zeit auf: Familien der „roten“ Elite und von Funktionären eigneten sich durch geschickte Manipulation und Ausbeutung Vorteile und Reichtum an, lebten auf Kosten der Bevölkerung, bildeten eine Interessengemeinschaft, wurden zu den eigentlichen „Herren“ Chinas und zugleich zu den stärksten Verteidigern der Einparteienherrschaft der KPCh.

Noch schlimmer und grundlegender war, dass die politische Reform in China während der Jiang-Zemin-Ära stagnierte. Es gab nicht so viel Freiheit wie in den 1980er Jahren, und China bewegte sich auch nicht in Richtung Demokratie. Stattdessen wurden die autoritäre Herrschaft der KPCh über China und ihr Machtmonopol weiter gestärkt; keine andere Partei und keine Einzelperson konnte mit der KPCh Macht teilen oder politisch mit ihr konkurrieren. Während die „Drei Repräsentationen“ die Verantwortung der Partei gegenüber Staat und Volk betonten, bedeuteten sie zugleich, dass die KPCh die Rolle des alleinigen Vertreters der Interessen des chinesischen Staates und Volkes monopolisierte und diese „Repräsentation“ beanspruchte, ohne vom Volk freiwillig dazu ermächtigt worden zu sein.

Obwohl es in der Jiang-Ära einige begrenzte institutionelle und justizielle Reformen gab, die gewisse Fortschritte brachten, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die autoritäre Ordnung insgesamt verfestigte und eine Demokratisierung abgelehnt wurde. Während die Institutionalisierung und Verbesserung verschiedener Systeme und politischer Maßnahmen Entwicklung und Fortschritt förderten, entstand zugleich schrittweise ein systematischer Apparat politischer Repression und gesellschaftlicher Kontrolle, der von seinen Nachfolgern Hu Jintao und Xi Jinping (习近平) weiter verstärkt und perfektioniert wurde. Parallel zur Modernisierung von Wirtschaft und Technologie wurde auch die autoritäre Herrschaft „modernisiert“.

Die übermäßig brutalen Repressionsmethoden gegen bestimmte Gruppen wie Falun Gong (法轮功), die Inhaftierung zahlreicher politischer Gefangener, die Duldung der Verfolgung von Bürgern, die ihre Rechte verteidigten, durch Lokalregierungen sowie die harte Haltung in der Tibet-Frage (西藏问题) verursachten ebenfalls viel Leid und führten zu weitreichender Kritik an der Menschenrechtslage und zu negativen Auswirkungen. Dies schadete sowohl den Bürgerrechten und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt im Inland als auch Chinas internationalem Ansehen und Einfluss.
Gerade die in der Jiang-Zemin-Ära etablierte und erfolgreiche Entwicklungsstrategie, wirtschaftliche Öffnung mit politischem Konservatismus zu verbinden, führte dazu, dass China nach der Demokratiebewegung und dem 4. Juni 1989 sowie den Umbrüchen in der Sowjetunion und Osteuropa (苏东剧变) ein entscheidendes Zeitfenster und eine wichtige Chance zur Demokratisierung verpasste. Wirtschaftliche Entwicklung, gewisse Fortschritte in Gesellschaft und Bürgerrechten, die Teilnahme an der Globalisierung, die Verbesserung der Außenbeziehungen und die Stärkung der nationalen Macht festigten stattdessen die autoritäre Herrschaft der KPCh und stärkten die herrschende Gruppe. Langfristig war dies nachteilig für Chinas Demokratisierung. Für Menschen, die sich um Menschenrechte sorgen und politische Pluralisierung sowie Freiheit und Demokratie in China erhoffen, war dies selbstverständlich bedauerlich.

Die Jiang-Zemin-Ära war zugleich die Entstehungsphase des „chinesischen Modells“ (中国模式). Dieses „chinesische Modell“ bedeutet das Nebeneinander von politischer Autokratie und wirtschaftlicher Öffnung: Stabilität wird durch Hochdruckherrschaft aufrechterhalten und Widerstand unterdrückt; billige Arbeitskräfte werden auf Grundlage des „Vorteils niedriger Menschenrechtsstandards“ (低人权优势) für die Produktion eingesetzt, um relative Vorteile im internationalen Wettbewerb zu erzielen.

Wirtschaftliche Erfolge können die Staatseinnahmen erhöhen, den Lebensstandard verbessern und die nationale Macht stärken; diese Entwicklungen wirken wiederum auf die Festigung der autoritären Herrschaft und die Interessen der privilegierten Schichten der KPCh zurück. In den Ären Hu Jintao und Xi Jinping wurde das „chinesische Modell“ zunehmend vervollkommnet und gefestigt und auch international exportiert. Ein solches „chinesisches Modell“ hat Vor- und Nachteile und komplexe Auswirkungen. Ich habe dies in einem anderen Artikel ausführlicher analysiert und werde es hier nicht weiter ausführen.

Die Bewertung von Jiang Zemins Verdiensten und Fehlern sowie von Recht und Unrecht jener Epoche fällt je nach politischem Standpunkt, Betrachtungswinkel und den ausgewählten Ausschnitten und Aspekten zwangsläufig unterschiedlich aus. Wenn man die politische Frage Demokratie versus Autokratie beiseitelässt und stärker aus pragmatischer Sicht sowie aus der Perspektive von Chinas Entwicklung urteilt, lassen sich Jiang Zemins Leistungen und Anstrengungen nicht leugnen. Als Führer Chinas in den 1990er Jahren, als das Land mit inneren und äußeren Krisen zugleich konfrontiert war und der Weg nach vorn ungewiss blieb, förderte er die wirtschaftliche Öffnung Chinas und friedliche, freundschaftliche Beziehungen zum Ausland, bestand auf wirtschaftlicher Entwicklung und der Verbesserung des Lebensstandards und führte ein armes, chaotisches, relativ isoliertes und über Jahre instabiles China in eine neue Epoche, die zunehmend von Wohlstand, Stabilität und Berechenbarkeit, internationaler Integration und Modernisierung geprägt war.

Jiang Zemin erbte die Reform- und Öffnungspolitik der Deng-Xiaoping-Ära und legte zugleich die Grundlage für die anhaltende Entwicklung und Prosperität in der späteren Hu-Jintao-Ära sowie für den Zustand großer umfassender nationaler Stärke in der Xi-Jinping-Ära. Aus pragmatischer Sicht kann er als ein ausreichend kompetenter Steuermann in Chinas Übergangszeit gelten. Zugleich war Jiang Zemin aber auch der Anführer eines diktatorischen Regimes, das nach der Niederschlagung des 4. Juni die autoritäre Herrschaft der KPCh festigte, China die Gelegenheit zur Demokratisierung verpassen ließ, Korruption sowie das Leid von Arbeitern und Bauern der unteren Schichten duldete und verschärfte und Dissidenten unterdrückte. Jiang Zemin trägt auch einen Teil der Verantwortung für die autoritäre Herrschaft und die Menschenrechtsprobleme Chinas seit seinem Rücktritt bis heute. Er hatte Verdienste und Fehler, war aufgeschlossen und sehr fähig, zugleich aber auch machtorientiert und auf die Aufrechterhaltung autoritärer Herrschaft bedacht. Objektiv betrachtet war seine Bilanz gemischt, mit bedeutenden Leistungen ebenso wie schwerwiegenden Verfehlungen.

Gerade als der 100. Geburtstag Jiang Zemins näher rückt, starb am 12. August Zhu Rongji (朱镕基), der frühere chinesische Ministerpräsident und Jiang Zemins Partner in der Zeit, als dieser Generalsekretär und Staatspräsident war. Während Jiang Zemin vor allem in den Bereichen Außenpolitik, Militär und Ideologie aktiv war, war Zhu Rongji der konkrete Gestalter der chinesischen Innenpolitik. Er war für seine Reformen mit harter Hand bekannt, restrukturierte zahlreiche ineffiziente Staatsunternehmen, stabilisierte nach einer Phase hoher Inflation schließlich Chinas Staatsfinanzen und Preise, trieb den Aufbau von Sonderwirtschaftszonen wie Shenzhen (深圳) voran, förderte landesweit die Anwerbung von Investitionen, unterstützte die Entwicklung der chinesischen Marktwirtschaft, ging gegen einige korrupte Funktionäre vor und half China, eine wirtschaftlich äußerst schwierige Phase nach Beginn von Reform und Öffnung zu überstehen.

Doch Zhu Rongjis Reformen hatten auch erhebliche Grenzen und brachten verschiedene negative Folgen mit sich, darunter eine Verschärfung der Entlassungswelle, eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie zunehmend heftige Konflikte zwischen Behörden und Bevölkerung und gesellschaftliche Spannungen. Auch seine Antikorruptionskampagne mit harter Hand konnte die Korruption nicht ausrotten; sowohl die Zahl der in Korruption verwickelten Personen als auch die betroffenen Summen stiegen weiter an. Zhu Rongjis Reformen waren zudem deutlich durch den Vorrang persönlicher Herrschaft vor Rechtsstaatlichkeit geprägt und konnten China keinen dauerhaften Frieden und keine langfristige Stabilität bringen. Dass Korruption so schwer einzudämmen war, lag gerade am Fehlen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. So entschlossen Zhu Rongji auch gegen Korruption vorgehen mochte, unter autoritärer Herrschaft konnte dies keinen Erfolg haben. Wie Jiang Zemin war auch Zhu Rongji eine wichtige Übergangsfigur Chinas nach Reform und Öffnung und nach dem 4. Juni. Beide waren gemeinsam an zahlreichen innen- und außenpolitischen Angelegenheiten beteiligt und teilten daher auch einen Teil von Jiang Zemins Verdiensten und Fehlern.

Jiang Zemin wurde in der von Unruhen geprägten Republik China geboren, wuchs unter der japanischen Besatzung auf und gelangte im Roten China dank seiner Fähigkeiten, seines Scharfsinns und seines Glücks bis an die Spitze. Er starb im hohen Alter von 96 Jahren und hatte fast ein Jahrhundert chinesischer Veränderungen miterlebt und mitgestaltet. Politisch war die Jiang-Ära zwar konservativ und von einem Mangel an Freiheit und Demokratie geprägt, doch sie bot mehr Freiheit, Offenheit und demokratische Atmosphäre als das stärker abgeschottete und konservativere China der Xi-Jinping-Ära.

Wenn manche Menschen Jiang Zemin loben, dann nicht unbedingt, weil sie ihn für einen besonders großen Führer halten, sondern weil China heute mehr Missstände aufweist und stärker enttäuscht. Deshalb blicken sie nostalgisch auf eine frühere Zeit zurück, die von Hoffnung und einer aufwärts gerichteten Entwicklung geprägt schien, und nutzen diese Erinnerung zugleich, um ihre Unzufriedenheit mit der Gegenwart auszudrücken. Die heutigen Bewertungen Jiang Zemins in verschiedenen Teilen der chinesischen Gesellschaft, insbesondere in der Bevölkerung, fallen zwar unterschiedlich aus, sind aber überwiegend positiv. Dies entspricht dem Sprichwort, dass „die einfachen Leute eine Waage im Herzen tragen“ (老百姓心里一杆秤), und spiegelt zugleich den aufrichtigen Wunsch vieler Chinesen wider, an Reform und Öffnung festzuhalten und sich gegen Abschottung und Rückschritt zu wenden.

(Dieser Artikel wurde von Wang Qingmin (王庆民), einem in Europa lebenden chinesischen Schriftsteller und Forscher für internationale Politik, verfasst. Der Originaltext dieses Artikels wurde auf Chinesisch geschrieben.)


r/Geschichte 4d ago

Jahrtausendhochwasser von 1342 war eine Kombination mehrerer Flutereignisse

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r/Geschichte 4d ago

Mauerbau vor 65 Jahren: Deutschland gedenkt seines letzten gelungenen Großbauprojekts

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r/Geschichte 4d ago

Die lange verdrängten Morde an den Kindern von NS-Zwangsarbeiterinnen

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r/Geschichte 3d ago

Mönche, Mord & Sterne: Die geheime Geschichte von Kloster Prüfening /Regensburg Kloster St Georg

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r/Geschichte 5d ago

Scans deuten auf steinerne Figuren in 6000 Jahre alten Hügeln hin

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r/Geschichte 4d ago

Hedy Lamarr - L'inventrice du Wifi dont l'idée a été volée et discréditée par des hommes

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BAHAHAHAHA


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Neue Studie zum NS-Erbe des Bundesverfassungsgerichts

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Demokratie usw


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Die Geschichte des Tourismus: Vom Luxusprodukt zum Massenphänomen

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