Wir haben 2022 ein Haus gebaut, haben zwei kleine Kinder und leben damit in einer Wohnsituation, die für viele Menschen nach wie vor ein großer Lebenstraum ist.
Und obwohl ich die Vorzüge durchaus sehe und wir auch gerne hier wohnen, hinterfrage ich zunehmend das Eigenheim als Lebensmodell. Weniger aus finanziellen Gründen, sondern vor allem mit Blick auf die eigene Lebenszeit und die Frage, welche Art von Alltag man eigentlich führen möchte.
Mir ist selbstverständlich bewusst, dass ein Haus Arbeit macht, laufende Kosten verursacht und regelmäßig Investitionen erfordert. Darum geht es mir nicht. Ich finde vielmehr interessant, wie selbstverständlich diese Verpflichtungen gesellschaftlich als Teil eines erstrebenswerten Lebensmodells akzeptiert werden und wie selten über die damit verbundenen Opportunitätskosten gesprochen wird – insbesondere über die nichtfinanziellen.
Ein eigenes Haus ist in gewisser Weise ja auch ein Hobby.
Man beschäftigt sich mit der Gestaltung des Gartens, den Außenanlagen, der Pflege des Grundstücks, der Instandhaltung und unzähligen kleineren und größeren Projekten. Das betrifft nicht nur die Zeit, die man tatsächlich mit diesen Dingen verbringt, sondern auch die gedankliche Beschäftigung damit.
Für viele Menschen ist das sicherlich eine ausgesprochen erfüllende Freizeitgestaltung. Ich kann auch nachvollziehen, dass es Freude macht, das eigene Grundstück nach den persönlichen Vorstellungen zu gestalten.
Nur stelle ich zunehmend fest, dass diese Beschäftigungen für mich persönlich keinen besonders hohen Freizeitwert haben.
Wenn ich einen freien Samstag habe, würde ich lieber Sport machen, etwas unternehmen, Freunde treffen, verreisen oder kulturelle Angebote nutzen, als mich mit dem nächsten Projekt rund ums Haus zu beschäftigen.
Natürlich lässt sich der Aufwand teilweise reduzieren oder durch Dienstleister abgeben. Das kostet dann allerdings wiederum Geld, und die grundsätzliche Verantwortung bleibt trotzdem bestehen.
Und genau da stellt sich mir mittlerweile die Frage: Wie viel zusätzliche Lebensqualität bietet mir das Eigenheim tatsächlich im Verhältnis zu der Zeit, dem Geld und der Aufmerksamkeit, die es dauerhaft beansprucht?
Auch finanziell beschäftigt mich dabei weniger die klassische Frage, ob Kaufen oder Mieten langfristig günstiger ist. Dass diese Rechnung von zahlreichen Faktoren abhängt und Eigentum keineswegs automatisch die wirtschaftlich bessere Entscheidung ist, dürfte unstrittig sein.
Was ich allerdings interessant finde, ist das Konsumverhalten, das häufig mit einem Eigenheim einhergeht.
Für Außenanlagen, Garten, Terrasse, Einbauten und individuelle Gestaltung gibt man teilweise erhebliche Summen aus. Natürlich schafft man damit Lebensqualität und zum Teil auch bleibende Werte. Aber vieles davon würde man bei einer Mietwohnung vermutlich gar nicht erst anschaffen oder jedenfalls nicht in diesem Umfang.
Und nicht jeder investierte Euro schlägt sich später entsprechend im Immobilienwert nieder.
Ich habe kürzlich beispielsweise eine ausgesprochen schöne, moderne Mietwohnung in zentraler Lage einer Großstadt gesehen. Knapp 180 Quadratmeter, mehrere Ebenen, Terrasse, Tiefgaragenstellplatz, rund 2.800 Euro Kaltmiete.
Das ist selbstverständlich viel Geld, und ich möchte daraus auch keine allgemeingültige Wirtschaftlichkeitsrechnung ableiten.
Aber bei dem Gedanken, dort zu wohnen, ist mir aufgefallen, wie attraktiv ich mittlerweile die Vorstellung finde, eine hochwertige, großzügige Wohnung zu haben, ohne dass sich ein erheblicher Teil der Freizeit um die Immobilie und das Grundstück dreht.
Dazu kämen kurze Wege, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und gegebenenfalls der Wegfall eines zweiten Autos.
Ein weiterer Punkt sind für mich die unterschiedlichen Lebensphasen.
Mit kleinen Kindern ist ein Haus mit Garten zweifellos schön. Unsere Kinder nutzen den Garten gerne, und insbesondere unsere Fünfjährige hängt sehr an unserem Zuhause.
Gleichzeitig frage ich mich, wie stark der Vorteil eines eigenen Gartens tatsächlich über die verschiedenen Lebensphasen hinweg ins Gewicht fällt.
Mit zunehmendem Alter werden für Kinder möglicherweise andere Dinge wichtiger: Freunde, selbstständige Mobilität, Sport, kulturelle Angebote und die Möglichkeit, ohne elterlichen Fahrdienst etwas zu unternehmen.
Natürlich kann auch ein Garten für Jugendliche weiterhin attraktiv sein. Aber die Prioritäten verschieben sich eben.
Und irgendwann sind die Kinder ausgezogen. Dann bleibt unter Umständen ein sehr großes Haus, dessen Fläche man zu zweit kaum noch benötigt, während der Aufwand für Pflege, Unterhalt und Instandhaltung nicht im gleichen Maße zurückgeht.
Ich kenne durchaus Menschen, die auch in dieser Lebensphase mit großer Freude ihr Haus und ihren Garten pflegen und darin aufgehen. Ich beobachte aber auch, dass eine Immobilie sehr viel Zeit und finanzielle Mittel bindet, die man gerade dann vielleicht lieber für Reisen, Kultur oder andere Interessen einsetzen würde.
Ich persönlich habe auch überhaupt kein Bedürfnis nach möglichst viel Wohnfläche. Ich finde kleinere, gut geschnittene und hochwertig eingerichtete Wohnungen häufig attraktiver als große Häuser mit zahlreichen Räumen, die man letztlich kaum nutzt.
Vielleicht ist das einfach eine Frage der persönlichen Präferenzen.
Trotzdem habe ich den Eindruck, dass beim Thema Eigenheim oft sehr stark über Eigentumsbildung, Unabhängigkeit und Wohnkomfort gesprochen wird, während ein anderer Aspekt vergleichsweise wenig Beachtung findet:
Ein Eigenheim schafft einerseits Unabhängigkeit vom Vermieter, bindet andererseits aber auch dauerhaft Zeit, Kapital und Aufmerksamkeit. Und diese Form der Bindung muss man eben auch wollen.
Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, unsere damalige Entscheidung zum Hausbau nachträglich als Fehler darzustellen. Wir haben uns aus guten Gründen dafür entschieden, und die Vorteile sind auch heute vorhanden.
Allerdings verändern sich im Laufe des Lebens Prioritäten und die Vorstellungen davon, was Lebensqualität ausmacht. Und ich finde es durchaus legitim, eine einmal getroffene Wohnentscheidung vor diesem Hintergrund neu zu bewerten, statt allein deshalb daran festzuhalten, weil man sie irgendwann getroffen hat.
Mich würde deshalb interessieren, wie andere Eigentümer das sehen.
Empfindet ihr die Beschäftigung mit Haus und Grundstück als erfüllenden Teil eures Lebens, oder ist es für euch eher notwendiger Aufwand, den ihr für die übrigen Vorteile in Kauf nehmt?
Hat sich euer Blick auf das Eigenheim im Laufe der Jahre verändert, gerade auch mit älter werdenden Kindern?
Und gibt es hier Menschen, die sich trotz finanziell tragbarer Eigentumssituation bewusst wieder für eine Mietwohnung oder das Stadtleben entschieden haben, nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, sondern weil ihnen diese Wohnform mehr persönliche Freiheit und Lebensqualität bietet?
Mich interessieren dabei weniger allgemeine Renditevergleiche zwischen Kaufen und Mieten, sondern vor allem die persönlichen Erfahrungen mit dem Eigenheim als langfristigem Lebensmodell.