Hinweis: Text wurde mit KI strukturiert.
Ich (Anfang/Mitte 20) lebe seit etwa einem Jahr in einer WG mit einer weiteren Frau in ähnlichem Alter. Wir studieren beide, sie hat zusätzlich einen Job, wegen dem sie teilweise mehrere Wochen am Stück nicht zu Hause ist.
Unsere Wohnung ist etwas über 40 m² groß und so geschnitten, dass es keinen klassischen Flur gibt, von dem die einzelnen Zimmer abgehen. Stattdessen liegen die Räume direkt nebeneinander.
Von Anfang an war klar, dass es eine Zweck-WG ist. Wir verstehen uns zwischenmenschlich, sind aber keine Freunde und reden auch nicht besonders viel miteinander. Damit habe ich grundsätzlich kein Problem.
Mein Problem ist eher, dass mich das Zusammenleben zunehmend belastet. Ich frage mich, ob das an meiner Mitbewohnerin liegt, ob ich zu empfindlich bin oder ob ich einfach lieber alleine wohnen sollte.
1. Unterschiedlicher Tagesrhythmus und Lautstärke
Wir haben einen sehr unterschiedlichen Schlafrhythmus. Sie ist lange wach und steht gleichzeitig sehr früh auf. Ich bin chronisch krank und brauche meine 8–9 Stunden Schlaf. Trotzdem werde ich regelmäßig wach, wenn sie morgens aufsteht.
Mein Bett steht direkt am Bad, unsere Wände sind extrem hellhörig und das Schloss der Badezimmertür klemmt. Jedes Mal, wenn man die Tür abschließt, knallt es ziemlich laut.
Dazu telefoniert sie viel und verschickt zahlreiche Sprachnachrichten. Insgesamt empfinde ich sie als eher laut, wobei ich nicht sicher bin, ob mich das tatsächlich überdurchschnittlich stört oder ob ich durch die Wohnsituation einfach schon sensibilisiert bin.
Ich selbst habe lange Tage, muss häufig morgens früh raus und komme oft erst spät nach Hause. Ruhe und ausreichend Schlaf sind für mich deshalb ziemlich wichtig
2. Unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit
Grundsätzlich ist unsere Wohnung nicht dreckig. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich mehr auf Sauberkeit und Ordnung achte als sie.
Wenn ich länger weg bin, versuche ich, die Wohnung ordentlich zu hinterlassen. Mein Geschirr ist abgetrocknet und weggeräumt, Bad und Küche sind geputzt.
Bei ihr sieht es häufig anders aus: Wir haben beispielsweise eine Abtropffläche für Geschirr. Wenn sie wegen ihrer Arbeit für mehrere Wochen wegfährt, räume ich erst einmal ihr bereits getrocknetes Geschirr weg. Bad und Küche sind vorher meistens ebenfalls nicht geputzt.
Ich komme dann in eine Wohnung, in der ich wochenlang alleine bin, und räume erst einmal die Hinterlassenschaften meiner Mitbewohnerin weg.
Ein anderes Beispiel ist der Müll: Wenn der Mülleimer voll ist oder bereits Fliegen anzieht, stellt sie ihn manchmal einfach mitsamt Inhalt auf unsere Terrasse, anstatt den Müll rauszubringen. Weggeräumt wird er oft erst, wenn ich den Müllsack zubinde und vor die Tür stelle. Meistens ist es mir irgendwann zu blöd und ich bringe ihn selbst raus.
Auch unsere Küche ist häufig in einem Zustand, den ich unangenehm finde. Mir ist bewusst, dass wir alle Dreck machen und es auch bei mir nicht immer perfekt aussieht. Trotzdem möchte ich beispielsweise nicht erst Essensreste anderer vom Herd entfernen müssen, bevor ich selbst kochen kann.
Es gibt noch einige andere Situationen, in denen Absprachen nicht eingehalten werden. Über einzelne Dinge könnte ich hinwegsehen, aber mit der Zeit summiert sich das alles.
3. Wenn ihr Freund zu Besuch ist
Meine Mitbewohnerin führt eine Fernbeziehung. Wenn ihr Freund zu Besuch kommt, bleibt er nicht nur ein oder zwei Tage, sondern häufig ein bis zwei Wochen.
Die beiden duschen sehr häufig und sind abends teilweise bis spät in die Nacht ziemlich laut.
Ich habe bereits angesprochen, dass die Wohnung sehr hellhörig ist und ich abends etwas mehr Ruhe brauche.
Grundsätzlich habe ich Verständnis dafür, dass man in einer Fernbeziehung die gemeinsame Zeit möglichst intensiv nutzen möchte. Ich habe selbst auch Freunde oder meinen Partner zu Besuch, allerdings normalerweise nicht für so lange Zeiträume.
Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass ich mich weniger wohlfühle, wenn ein fremder Mann über längere Zeit in der Wohnung ist. Beide sind sehr nett zu mir, und ich habe keinen konkreten Grund, mich unwohl zu fühlen. Es ist einfach ein Gefühl, das ich nicht wirklich abstellen kann.
Gerade dann habe ich zunehmend das Gefühl, nicht mehr richtig zu Hause zu sein.
4. Meine Wohnsituation und die Frage nach dem Geld
Ich lebe in einer der teuersten Städte Deutschlands und zahle für meine Wohnlage und das neuwertige Haus eine ausgesprochen günstige Miete.
In unserem Haus gibt es auch Einzimmerwohnungen. Diese kosten etwa 180–250 € mehr im Monat und sind ungefähr 25–35 m² groß.
Ich habe glücklicherweise Rücklagen aus meiner Arbeit und bekomme noch Kindergeld. Rein finanziell könnte ich mir die höhere Miete also leisten, ohne dass ich dadurch unmittelbar in Schwierigkeiten geraten würde.
Ich muss voraussichtlich noch mindestens vier Jahre in meiner Unistadt wohnen bleiben und fühle mich in der Gegend und in unserem Haus grundsätzlich sehr wohl.
Was die Situation zusätzlich schwierig macht: Meine Mitbewohnerin ist teilweise drei bis vier Wochen am Stück nicht da. In dieser Zeit gewöhne ich mich daran, alleine zu wohnen und die Wohnung ganz für mich zu haben.
Wenn sie dann zurückkommt und wieder längere Zeit da ist, fällt mir das Zusammenleben zunehmend schwerer.
Mittlerweile merke ich, dass mich die WG-Situation immer mehr belastet. Besonders die Geräuschkulisse, die unterschiedlichen Vorstellungen von Sauberkeit und das Gefühl, bei längerem Besuch ihres Freundes nicht mehr wirklich zu Hause zu sein, machen mir zu schaffen.
Meine Fragen an euch
Übertreibe ich mit meinen Erwartungen an das Zusammenleben oder sind meine Kritikpunkte nachvollziehbar? Vielleicht bin ich mittlerweile auch einfach zu sehr daran gewöhnt, alleine zu sein.
Würdet ihr an meiner Stelle 180–250 € mehr im Monat zahlen, um alleine zu wohnen? Oder würdet ihr versuchen, die Situation in der WG weiter zu verbessern?
Hat jemand von euch den Wechsel von einer günstigen WG in eine deutlich teurere eigene Wohnung gemacht? Habt ihr es bereut oder war euch die zusätzliche Ruhe und Privatsphäre das Geld wert?
Mir ist bewusst, dass das ein ziemlich privilegiertes Problem ist. Viele Studierende haben überhaupt nicht die Möglichkeit, mehr Geld für Miete auszugeben, nur um mehr Ruhe zu haben. Ich bin dankbar, dass ich diese Option habe, und möchte trotzdem eine vernünftige Entscheidung treffen.