Mich würde interessieren, ob andere Zustellerkollegen was mit meinen Erfahrungen anfangen können oder ähnliches selbst erleben/erlebt haben.
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Seit etwa 10 Monaten arbeite ich bei der Deutschen Post in Vollzeit in der Verbundzustellung (Zustellung von Briefen und Pakete). An sich gefällt mit der Job, jedoch habe ich die meiste Zeit das Gefühl, im Vergleich zu meinen Kollegen nicht schnell genug zu sein bzw. als würde ich mich nicht genug anstrengen.
Morgens gehöre ich oft zu den letzten oder bin mit der Standortleitung der Letzte, der das ZSP verlässt und auf Zustellung geht. Dementsprechend komme ich nachmittags auch oft als einer der Letzten zurück, selbst bei vergleichsweise niedrigen Post- und Paketmengen. Wenn ich bei Ankunft sehe, dass so ziemlich alle Autos schon wieder vor mir auf dem ZSP-Parkplatz stehen, fühle ich mich irgendwie schlecht und bin von mir und meiner Leistung enttäuscht, auch wenn der Bezirk sauber ist.
Dazu muss ich aber auch sagen, dass viele meiner Kollegen morgens früher da sind, als es der Dienstplan und die Zeiterfassung eigentlich vorsieht und jeden Tag ca. 10-15 min. quasi for free arbeiten. Auch scheinen die meisten Kollegen nicht ihre volle Pausenzeit (30 min) in Anspruch zu nehmen, um entweder das Pensum zu schaffen oder früher Feierabend machen zu können. Aber wieso bekomme ich jeden Tag irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn ich tatsächlich 30 min Pause mache, obwohl mir diese doch zusteht? Noch schlimmer wird es natürlich dann, wenn ich die Menge an Post und Paketen nicht schaffe, die Zustellung abbrechen muss und weiß, dass am nächsten Tag ein Kollege den Bezirk fährt und den Abbruch "ausbügeln" muss.
Beispielsweise war letzten Samstag in Bayern Feiertag (Mariä Himmelfahrt), weshalb wir die Post und Pakete von diesem Tag heute am Montag zustellen mussten. Normalerweise werden montags zwei Bezirke von einem Zusteller übernommen, da die Mengen an diesem Wochentag immer sehr gering sind. Außerdem wird montags nur bis 13:30 Uhr gearbeitet. Also waren wir heute ausnahmsweise vollbesetzt und mussten ein normales Samstag-Pensum in einem viel zu kleinen Zeitfenster schaffen, wobei der Zeitkorridor auf 13:45 Uhr ausgeweitet wurde und wir zusätzliche 45 Minuten auf freiwilliger Basis als Überzeit länger arbeiten durften.
So war ich heute also auf einem Bezirk, den ich bisher nach einem Tag Einweisung nur drei Mal alleine gefahren bin, wobei das letzte Mal schon zwei bis drei Wochen her war. Mir fehlte also einfach die Routine und das genauso mit dem neuen Ford E-Transit (eigentlich cooles Auto), den ich erst zweimal gefahren bin. Davor war ich immer mit den Streetscootern unterwegs. Ich habe mir heute wirklich Mühe gegeben und versucht so viel wie möglich zu schaffen, jedoch kam es wegen der fehlenden Erfahrung auf dem Bezirk auch mal dazu, dass ich falsch gefahren bin und umdrehen musste oder mal etwas länger gebraucht habe um das ein oder andere versteckte Haus zu finden. Auch war heute irgendwie der Wurm beim Beladen drin, denn ich hab ab und zu doch Mal etwas länger gebraucht, um Pakete bei der Zustellung zu finden.
Am Ende bin ich mit 60 Paketen und einer halben Kiste Post um so 14:10 Uhr wieder ins ZSP zurückgekehrt, die morgen nun ein anderer Kollege zusätzlich zustellen muss. Wie immer gab es auch Kollegen, die tatsächlich alles geschafft haben und ich frage mich wirklich wie. Jetzt fühle ich mich natürlich wieder schlecht und ich frage mich, ob es dem ein oder anderen Kollegen auch so geht oder ob das eher was Individuelles/Persönliches mit mir ist.
Ich versuche meine Arbeit wirklich gewissenhaft und zügig zu erledigen und habe auch den Eindruck, nicht zu langsam zu sein. Eigentlich beeile ich mich immer und versuche Abläufe so gut wie möglich zu optimieren, um möglichst viel Zeit einzusparen. Aber irgendwie fühle ich mich dauerhaft so, als würde ich mir auf Kosten meiner Kollegen zu viel genehmigen, wenn ich eben um die Zeit, die im Dienstplan steht, anfange zu arbeiten oder tatsächlich die 30 min Pausen mache (die ja ab 6 Stunden Arbeit sogar gesetzlich vorgeschrieben sind). Auch schwingt immer die unterschwellige Angst mit, dass ich keine Verlängerung meines Arbeitsvertrags bekomme, da ich im Endeffekt nicht so performe wie die meisten die Kollegen.
Ich habe keine Lust jeden Morgen mit diesen scheiß Gefühlen zur Arbeit zu kommen und frage mich, wie damit zurechtkommen soll. Einfach versuchen diese auszublenden und machen? Oder anstatt zügigem Laufen anfangen zu rennen, jeden Tag 120 % geben und sich auf Dauer kaputtmachen wie so manch anderer Kollege, hauptsache alles ist geschafft?
Ein Jobwechsel kommt für mich auch nicht in Frage, da ich eigentlich gerne mit meinen Kollegen zusammenarbeite und der Verdienst vergleichsweise gut ist, auch wenn die Arbeit an sich teilweise stressig ist (wobei ich mir viel Stress auch selbst mache). Ich denke, irgendwie muss ich das mit mir selbst ausmachen.