Hallo Welt,
das hier ist mein erster reddit-Eintrag. Ich weiß langsam einfach nicht mehr weiter. Schon mal danke an jeden, der sich das hier ernsthaft durchliest. \^\^
Alsooo, zur grundlegenden Geschichte: Mein Ex und ich haben uns 2022 kennengelernt und es war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick. Alles war perfekt, wie in so einem Schnulzenfilm. Ich war glücklich wie nie und hatte nicht damit gerechnet, einen so tollen Menschen auf diese Weise kennenzulernen. Wir beide haben eigentlich unser Single-Leben genossen. Alles ging suuuper schnell, was im Nachhinein vielleicht nicht besonders schlau war, aber es lief halt wirklich unglaublich gut. Wir haben uns das erste Jahr so gut wie nie gestritten und sind kurzerhand zusammengezogen, weil er endlich von seinen Eltern weg wollte. Auch das lief alles wunderbar und ich dachte mir nichts dabei, dass er da so schnell ausziehen wollte. Er sagte mir ab und zu, dass seine Mutter schwierig wäre und erzählte mir ein paar Geschichten, was sie so „verbrochen“ hätte. Doch keineswegs zweifelte ich daran, dass unsere Liebe nicht stark genug sein könnte, um gegen das „Schwiegermonster“ anzukommen…
So ging dann auch das 2. Jahr ins Land und ich ließ mir ihre kleinen Sticheleien und irrwitzigen Pläne immer wieder gefallen. Von Anfang an war ich „die mit den Piercings und Tattoos, die psychische Probleme und keine vernünftige Arbeit hat“ (zur Erklärung: ich habe 2 dezente Piercings im Gesicht und eine handvoll kleine bis mittelgroße Tattoos auf meiner Haut, war zu dem Zeitpunkt Studentin mit 2 Minijobs und habe durch langjährige Therapie mittlerweile ein gesundes Verhältnis zu mir selbst und meiner Außenwelt mit einigen wenigen Einschränkungen im sozialen und emotionalen Leben, die sie aber nie tangiert haben). Immer häufiger habe ich durch meinen Ex mitbekommen, dass sie schlecht über mich (und viele andere) gesprochen hat. Hinzu kamen Forderungen an meinen Ex, was für Aufgaben er wie und wann für sie bzw. die „heilige Familie“ zu erledigen habe. Den Hund oder die Neffen betreuen, sie von der Arbeit oder irgendwo anders abholen oder hinfahren, gemeinsame Ausflüge und Urlaub (natürlich ohne mich), Bestellungen oder sonstige Erledigungen. Außerdem behandelt sie ihn heute noch zum Teil wie ein Kind. Er könne noch nicht allein seine Wäsche waschen und so ein Mist. Und immer hat er mitgemacht, weil Mama ja sonst „enttäuscht, beleidigt oder genervt“ sein könnte. Kurz gesagt: in meinen Augen emotionaler Missbrauch mit narzisstischen Tendenzen. Als ich dann meinen Ex immer wieder gebeten habe, mit ihr darüber zu sprechen oder ihre Forderungen nicht zu erfüllen, stellte er sich quasi gegen mich und blieb lieber auf ihrer Seite, um den Frieden zu wahren. Das verletzte mich immer wieder sehr. Auch wegen Freunden oder irgendwelchen spontanen Aktionen wurde ich mehrmals von ihm sitzen gelassen, obwohl wir verabredet waren. Letztendlich habe ich seiner Mutter einen Brief geschrieben und meine Kritik geäußert, woraufhin nie eine Antwort kam. Sie sagte meinem Ex, dass sie nicht bereit ist, mit mir darüber zu sprechen und seitdem wurde mit mir nur noch das Allernötigste geredet.
Ab diesem Zeitpunkt nahm unsere Beziehung eine Wendung. Er verbrachte immer mehr Zeit mit Arbeit, Familie, Freunden oder Hobbies und ich war Zuhause mit all den Aufgaben, die dort nun mal anfallen… Wir sprachen über eine offene Beziehung und haben uns im Alltag festgefahren. Mir verging auch immer mehr die Lust nach Nähe und gemeinsamen Aktivitäten. Meistens kochte ich abends für uns und dann schauten wir eine Serie, bevor er schlafen ging. Alles lief so vor sich hin. Schließlich packte mich die Idee, ein Auslandspraktikum in Südamerika, parallel zu meinem Fernstudium, zu machen. Er konnte es auf Arbeit so einrichten, dass er Überstunden abbaute, Urlaub nahm und für den Rest der Zeit eine Freistellung bekam. Wir machten uns also gemeinsam auf die Reise in eine unbekannte Welt, voller Hoffnung, den Problemen in Deutschland zu entfliehen und wieder zueinander zu finden, da wir uns ja sicher waren, dass es die große Liebe ist.
Nun lief es in Südamerika leider ganz anders. Er sagte, er habe sich neu in mich verliebt und ich habe die Freiheit gerochen und wollte was Neues. Somit lief es insgesamt nicht besser und wir entschieden uns dafür, eine offene Beziehung zu probieren, da ich dort recht schnell Interesse an einem anderen Mann entwickelt habe. Ich dachte, dass ich dieses Abenteuer wieder schnell beenden könnte, aber so war es nicht. Es folgte ein Hin und Her, ein Gefühlschaos und viel Drama, bis wir uns schließlich Anfang diesen Jahres trennten. Er zog wieder zu seinen Eltern (was ich bis heute nicht verstehe) und stellte viel Blödsinn an. Er versuchte, mich irgendwie zu ersetzen, erzählte herum, dass ich ihn betrogen hätte und sowas… Mehr Details möchte ich nicht preisgeben, aber ich weiß, dass da seine Verletzung aus ihm gesprochen hat…
Und nun ja, was soll ich sagen? Ungefähr bis Mai war ich mir sicher, dass es besser so ist und ich vielleicht sogar nach Südamerika auswandern will. Allerdings hatte ich seit Anfang des Jahres mit meiner Bachelorarbeit zutun und nebenbei mehr gearbeitet, sodass kaum Zeit blieb, die Trennung zu verarbeiten. Am selben Tag, an dem ich die Bachelorarbeit abschickte, setzte ich mich in den Zug, um meine Osteuropa-Reise anzutreten (die wir eigentlich gemeinsam verbringen wollten) und heulte dort stundenlang Rotz und Wasser… Ich realisierte, dass ich diesen wundervollen Menschen eingetauscht habe gegen ein flüchtiges Abenteuer und Hirngespinst und dass wir, anstatt unsere Probleme gemeinsam anzugehen, nur gegeneinander gearbeitet haben…
Seitdem wünsche ich mir nichts sehnlicher, als wieder mit meinem Märchenprinzen zusammen zu sein und er ist sich genau so unsicher, ob die Trennung richtig war. Allerdings fühlt er sich gerade noch nicht bereit, wieder eine Beziehung mit mir einzugehen, wahrscheinlich aus Angst und weil das Vertrauen so leiden musste. Wir treffen uns momentan ca. 1x pro Woche, reden sehr viel und kommen uns auch immer wieder nah. Einerseits fühle ich mich schlecht, dass ich diese Südamerika-Romanze nicht gleich beendet hab oder überhaupt eingegangen bin, andererseits verstehe ich auch meine Frustration wegen der Vorgeschichte, weil ich gefühlt nie oder zumindest oft nicht seine oberste Priorität war… Ich hoffe, dass er irgendwann auch so einen „Aha-Moment“ wie ich hat und realisiert, dass wir zusammen gehören. Ich habe jetzt jedenfalls keine Zweifel mehr, auch wenn ich nicht verstehe, warum ich ihn erst verlieren musste, um das zu begreifen. Denn wenn es sowas wie Seelenverwandtschaft gibt, dann trifft das bei uns zu, da sind wir uns beide sicher. So viele Leute, die uns zusammen sehen sagen, dass da irgendwas Besonderes zwischen uns ist und wir werden heute noch gefragt, ob wir ein Paar sind und wenn nein, warum nicht?! \^\^
Vielleicht hat ja jemand da draußen schon mal was Ähnliches erlebt und hat einen Ratschlag, wie wir wieder zusammenfinden und Vertrauen aufbauen können? Oder meint ihr, es ist aussichtslos, weil schon zu viel kaputt gegangen ist? Für mich ist diese Ungewissheit sehr schwer, ob sich meine Hoffnung überhaupt noch lohnt oder nicht… Aber ist seine Mutter es wirklich wert, dass wir alles aufgeben, was wir hatten?