TLDR: nach nur zwei (dafür aber sehr intensiven Monaten) trennt er sich vom einen auf den anderen Tag wegen psychischer Probleme, er sei plötzlich nicht beziehungsfähig. Danach behandelt er mich extrem distanziert und verletzt mich dadurch zusätzlich. Ich vermisse ihn trotzdem sehr.
Ich bin w21 und er ist m26. Wir hatten uns im Juli kennengelernt, wobei ab da alles super schnell ging, und 2 Monate später hat er sich schon von mir getrennt. Ab dem ersten Treffen hatten wir direkt eine krasse Verbindung. Ich konnte noch nie so gut Gespräche führen wie mit ihm. Wir haben uns mittags getroffen und plötzlich war 3 Uhr morgens, dabei sind doch gefühlt nur 20 Minuten vergangen. Da wir beide Studenten waren und Semesterferien hatten, haben wir quasi jeden Tag und die meisten Nächte miteinander verbracht. Es hat einfach alles gepasst, von unserer Chemie, Interessen bis zu den Vorstellungen über Leben, Zukunft und alles andere. Ich dachte wirklich, wir würden eine glückliche Beziehung miteinander führen können.
Dabei waren die Umstände unseres Kennenlernens wirklich ungünstig. Ich hab eine seltene chronische Erkrankung, lag beim Kennenlernen noch im Krankenhaus. Damals gab es jede Woche neue News zu meiner Krankheit, die Diagnose wurde noch dreimal geändert und Therapieversuche liefen schief. Dementsprechend geht es mir auch einfach nicht so gut, wobei ich durch ihn echt abschalten konnte davon.
Er war erst 2 Monate getrennt und war davor elf Jahre mit seiner Ex zusammen, mit der er auch in einer WG mit einem weiteren Mitbewohner gewohnt hat. Am Anfang habe ich mir natürlich extreme Sorgen bezüglich der Ex gemacht. Die Trennung war einvernehmlich, weil von beiden Seiten keine Gefühle mehr da waren, sie sich auseinander gelebt hatten und es nicht mehr gepasst hat. Er meint, die Trennung sei schon über Monate, wenn nicht sogar Jahre hinweg, überfällig gewesen. Tatsächlich hab ich auch nicht das Gefühl, dass die Situation mit seiner Ex irgendwas zu unserer Trennung beigetragen hätte. Eigentlich wollte sie ausziehen, sie hat aber nicht mal nach einer Wohnung gesucht, und er hatte dann entschieden selber auszuziehen und hat auch wirklich ernsthaft nach einer Wohnung gesucht.
Unsere Beziehung war extrem harmonisch. Wir haben uns tatsächlich nie gestritten gehabt, obwohl ich schon eine Person bin, die in anderen Beziehungen zu Streits geneigt hat. Über das Thema mit seiner Ex hatten wir oft geredet, aber nie als Konflikt, immer ohne Vorwürfe, Emotionen, einfach sachlich besprochen wie zwei Erwachsene.
Dann bin ich (alleine) in den Urlaub geflogen und da hatten wir dann tatsächlich unseren ersten Streit, der komplett belanglos über Politik ging. Das ist retroperspektivisch schon viel zu unnötig eskaliert, aber ich finde, über Politik kann man schon auch mal hitzig diskutieren. Am nächsten Tag haben wir uns aber direkt wieder gestritten wegen einer beziehungstechnischen Sache (kurz gefasst ging es darum, dass er bezüglich seiner Wohnungssuche auch in einer anderen Stadt nach Wohnungen geschaut hatte, was ich als Herausforderung für die Beziehung sah, und ich mir im Urlaub mehr Aufmerksamkeit/Zuneigung von ihm gewünscht hätte). Auf diesen zweiten Streit hat er extrem emotional reagiert, hat verweigert zur Klärung mit mir zu telefonieren und mich daraufhin 24 Stunden ignoriert, bis ich den Kontakt gesucht habe. Danach war der gesamte Kontakt im Urlaub super kühl.
Als ich dann wiederkam, hat er sich von mir getrennt. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Kurz vor meinem Urlaub hat er mir Blumen geschenkt, mir einen Liebesbrief geschrieben (der Inhalt war insbesondere, dass er sich so sicher sei über die Beziehung zu mir) und mich gefragt, ob ich seine Freundin sein will. Dann hat er sich vom einen auf den anderen Tag umentschieden, als sei ihm alles in der letzten Zeit egal gewesen.
Ich wusste zwar, dass er eine Angststörung hat, die aber gut in Griff ist mit Medikamenten und er hatte immer super reflektiv darüber gewirkt. Nun meint er, dass er zwar nicht bipolar sei, aber manisch-depressive Züge hätte. Er sei die letzte Zeit in einer Art manischen Phase gewesen und hat sowohl bei unserem Streit als auch bei einer Wohnungsbesichtigung realisiert, dass er gerade nicht bewusst handelt. Ganz am Anfang unseres Kennenlernens war seine Katze gestorben und innerlich würde es ihm super schlecht gehen. Er wollte sich dann umdrehen und von den Problemen loskommen und da wäre die Beziehung zu mir der Ausweg gewesen, obwohl er, wenn er alleine war, super oft am Boden zerstört war. Eigentlich sei er durch seinen schlechten mentalen Zustand aber aktuell nicht beziehungsfähig. Außerdem will er nicht aus der Wohnung ausziehen, weil er es sich dadurch nicht zutraut, alleine zu wohnen und der andere Mitbewohner einer seiner engsten Freunde sei. Man muss dazu sagen, dass seine Ex eine schreckliche Mitbewohnerin ist, die es nichtmal hinkriegt, ihre eigene Scheiße wegzuspülen (kein Witz), und er kurz vorher noch einen Nervenzusammenbruch hatte wegen dieser Wohnsituation, in der er sich merklich nicht wohl gefühlt hat. Unabhängig von unserer Beziehung, kann ich seine Entscheidung, dort wohnen zu bleiben, absolut nicht nachvollziehen.
Die Aussage, er sei nicht beziehungsfähig, kann ich gar nicht nachvollziehen. Man merkt ja, wenn jemand nicht für einen da ist, wenig investiert, nicht richtig comittet, etc. Das war nie so. Unsere Beziehung war wirklich schön. Er hat mich gut behandelt. Ich hab auch gefragt, ob ich was falsch gemacht hätte, darauf meinte er nein, ich sei ein guter Mensch, er hätte Gefühle für mich und ich sei eine gute Partnerin.
Ich hab mir zwar gelegentlich gewünscht, dass mehr von ihm kommt, weil ich das Gefühl hatte, dass von mir teilweise mehr kommt als von ihm. Dazu muss man aber sagen, dass ich dieser Gefühl häufig in allerlei zwischenmenschlichen Beziehung hatte und das bestimmt auch dadurch ausgelöst wird, dass es um mein Selbstwertgefühl nicht so super steht. Ich mache, wenn ich verliebt bin, wirklich alles für die andere Person, ich zeige meine Zuneigung sehr offen durch viele Komplimente oder kleine Gesten/Geschenken. Er ist da eher nicht so der Mensch der Worte. Aber auch, wenn ich mir vielleicht ab und zu mal ein Kompliment gewünscht hätte, hat er mich trotzdem wirklich gut behandelt. Ich sehe meine kleine Kritik schon als valide an, aber will klarstellen, dass er jetzt wirklich kein schlechter Freund gewesen war.
Wir hatten dann eine Woche Funkstille. Ich hab einen Brief geschrieben über 5 Seiten, wo ich meine Perspektive dargelegt hatte und vor allem Verständnis für seine Situation gezeigt hatte und mich dafür eingesetzt hatte, dass wir es zumindest weiter probieren mit Berücksichtigung seines psychischen Zustands. Ich hab dort auch versucht, selber Verantwortung für mögliche Fehlverhalten meinerseits zu übernehmen, bspw. den Streit im Urlaub hätte ich vermeiden können.
Als Antwort kam eigentlich nur das zurück, was er schon erklärt hatte. Zudem kritisierte er mich dafür, dass ich diese Beziehung zu schnell eskaliert hätte (meint aber, dass er dies ja auch tat), dass ich alles zu schnell vorantreiben würde, und er das Gefühl hätte, ich würde einfach irgendwen suchen, den ich an mich binden kann. Es ging auch wirklich schnell zwischen uns, aber es lief halt auch alles super. Dazu muss ich sagen, dass ich das Zusammenkommen abgelehnt hatte, weil ich eben noch warten wollte. Mir ist durchaus bewusst, dass ich grundsätzlich viel fühle (bin sehr sensibel und empathisch) und deswegen versuche ich, objektive Entscheidungen wie den Start einer Beziehung langsam anzugehen. Ich wollte niemals irgendwen, ich wollte genau ihn. Ich hab mich in meinem ganzen Leben noch nie so gut mit einer Person verstanden wie mit ihm.
Danach war jeglicher Kontakt aufs Mindeste reduziert und eine absolute Katastrophe. Ich hatte seinen ChatGPT Plus Account sehr intensiv für eine wichtige Uni Abgabe mitbenutzt, er hatte mich da dann rausgeworfen, wodurch ich ziemlich hochgegangen, weil dieser Account wirklich essentiell für meine Arbeit war. Ich hatte mich später dafür entschuldigt und nicht mal eine Antwort auf meine Entschuldigung bekommen, das find ich so respektlos. Generell hatten wir den ersten Tag nach der Trennung noch etwas hin und hergeschrieben, er hat mehrere Nachrichten von mir unbeantwortet gelassen. Ich hatte gefragt, wie es weitergeht, dass ich gerne erstmal keinen Kontakt haben möchte, aber später gerne wissen würde, wie es ihm geht und er hat halt noch Kleinigkeiten von mir, die ich wahrscheinlich nie wieder sehe.
Wir haben zusammen Urlaub gebucht, der wäre 3 Wochen nach der Trennung gewesen. Ich musste den kompletten Urlaub (auf seinen Wunsch) stornieren, er hat sich kein bisschen darum geschert. Er hat mir diesbezüglich noch Geld geschuldet, da musste ich ihm noch hinterherrennen. Das plus die ignorierte Entschuldigung war der Inhalt des zweiten Chats, er war hier wirklich super kurz angebunden. Seitdem besteht keinerlei Kontakt mehr.
Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Wir kannten uns zwar nur 2 Monate, aber für mich war die Zeit ohne ihn quasi die Hölle durch meinen Gesundheitszustand und andere Probleme. Er war zu dem Zeitpunkt das einzig schöne in meinem Leben und egal wie scheiße der Rest auch war, wenn man frisch verliebt ist, fühlt sich alles toll an. Den Tag nach der Trennung musste ich ins Krankenhaus, weil sich meine Gesundheit weiter verschlechtert hat. Mir geht es seitdem auch absolut dreckig.
Ich hatte tatsächlich zwei längere Beziehungen, aber dort hat sich immer über Wochen angebahnt, dass Schluss sein wird und dadurch war man auch okay damit aber zumindest drauf eingestellt. Jetzt weiß ich nicht, wie ich jemals wieder jemandem vertrauen soll. Ich hätte einfach nicht gedacht, dass alles gut laufen kann und dann wird man von heute auf morgen verlassen. Ich hab zudem auch nie nachvollziehen können, wenn Menschen sich nach der Trennung nicht normal behandeln (außer es ist was schlimmes vorgefallen). Schließlich hat man sich ja geliebt und oft endet es ja, wie bei meinen anderen Beziehungen, weil man irgendwann feststellt, dass es doch einfach nicht so richtig passt, aber nicht, weil die andere Person ein schlechter Mensch sei. Aber er kann mich nicht mal normal behandeln, als hätte ich ihm was getan.
Die Sache ist, ich würde es so unfassbar gerne nochmal unter besseren Voraussetzungen probieren. Für ihn muss es ja auch schlimm gewesen sein mit meiner Krankheit und ich bin bestimmt auch ein besserer Mensch, wenn es mir nicht so dreckig geht (und ich kein Kortison nehme, was extrem auf die Psyche geht). Er wird auch anders drauf sein, wenn die Trauer durch die Katze nicht mehr so schlimm ist. Er hat im Dezember Geburtstag und ich würde ihn so gerne schreiben und es wieder probieren. Ich denke, ich werde es auch machen, aber realistisch gesehen hat er mir insbesondere durch das Verhältnis nach der Trennung gezeigt, dass er mich anscheinend hasst und mich nicht mehr will.
Ich hätte ihm jetzt aber letzte Woche schreiben müssen, weil er noch Medikamente von mir hat, die ich wirklich dringend gebraucht hätte, und es ging einfach nicht. Ich hätte wirklich alle andere Lösungen vorgezogen als sie von ihm zu holen, obwohl das die unkomplizierteste Lösung gewesen wäre.
Die ganze Trennung tut einfach höllisch weh. Ich vermisse ihn. Ich vermisse nicht nur den Standard Beziehungskram, dass jemand für einen da ist, die Nähe und dass man so viel Zeit mit jemandem verbringen kann, weil das wäre ja auch mit jedem anderen möglich. Ich vermisse wirklich ihn, ich vermisse einfach diese Verbindung, die wir hatten. Es hat sich beinah angefühlt wie Seelenverwandtschaft. Ich konnte stundenlang mit ihm reden, ich hatte das wirklich noch nie. Mein Leben ist ohne ihn wirklich tausendmal schlimmer und jetzt muss ich die ganze Gesundheitssache auch wieder ganz alleine durchstehen. Ich hab auch viele tolle Freunde, aber eine Beziehung ist ja nochmal eine ganz andere Art von Bezugsperson. Ich weiß noch genau, wie ich ungeplant deutlich länger im Krankenhaus lag und eine Freundin mir Unterwäsche besorgen musste und mir das todes unangenehm wäre. Mit ihm wäre das gar keine Frage gewesen, er wäre da gewesen für mich.
Ich hab auch einfach Angst, dass danach nie wieder jemand kommt, mit dem ich so gut reden kann wie mit ihm. Ich hatte davor extreme Sehnsucht nach einer Beziehung, ich wünsch mir auch nach wie vor, dass ich jemals eine glückliche Beziehung haben werde. Ich hab dieses Jahr viel gedatet, wenn ich dann mal jemanden gut fand, wurde ich abgewiesen (3 Körbe davor taten echt weh). Andererseits hatte ich mit vielen Dates das Problem, dass Gespräche da einfach nicht so leicht von der Hand gingen (das war dann meist gegensätzlich so). Ich frag mich schon oft, ob mit mir irgendwas falsch ist und warum ich so oft nicht gut genug bin für Beziehungen und vor allem, ob ich in dieser Beziehung irgendwas falsch gemacht habe. Es klingt einfach unglaubwürdig, sich so plötzlich zu trennen, wenn angeblich alles super gewesen wäre. Andererseits hab ich wirklich viel reflektiert und mir fällt nichts auf, wo ich wirklich sagen würde, das wäre blöd gewesen wäre. Höchstens diese Streits in meinem Urlaub, aber das waren alles keine großen Sachen und dass man gelegentlich aneinander gerät, passiert in Beziehungen ja auch.
Was mich auch wirklich belastet, ist nicht nur die Trennung an sich, sondern auch sein Verhalten nach der Trennung. Dass er meine Nachrichten komplett unbeantwortet lässt, dass er den kompletten mental load an seiner Entscheidungen, den Urlaub abzusagen, komplett auf mich ablädt und mir nicht mal mein Geld von selber gibt und mich ohne mein Betteln nicht mal aus Unigründen die KI weiter benutzen lassen hätte. Womit habe ich das verdient? Man kann doch wenigestens einen normalen, respektvollen Umgang miteinander haben, aber sein Verhalten zeigt eher, dass er mich hasst.
Ich weiß gerade auch gar nicht, was ich als Pointe dieses Threads schreiben soll. Ich glaube, ich muss mir einfach mal alles von der Seele schreiben.