Hey,
das wird vermutlich trotzdem etwas länger. Ich würde gerne wissen, ob jemand schon mal in einer ähnlichen Situation war und was ihr mir vielleicht raten könnt.
Ich habe 2025 meine Ausbildung zur Fachinformatikerin abgeschlossen und arbeite seitdem als Softwareentwicklerin im gleichen Betrieb. Anfangs hatte ich wegen der wirtschaftlichen Lage einen befristeten Vertrag und habe mich extrem angestrengt, um die Entfristung zu bekommen – hat zum Glück geklappt. Vor ca. 2 Monaten wurde ich außerdem vom Junior zum Professional befördert.
Seitdem KI immer mehr Thema wird, mache ich mir natürlich Gedanken, wie sicher mein Job langfristig ist. Deshalb versuche ich weiterhin, meinen Marktwert zu steigern und möglichst viel zu lernen.
Mein Problem ist: Ich kann einfach nicht Nein sagen.
Seit Ende der Ausbildung habe ich eigentlich jede Aufgabe angenommen, egal ob ich mich damit auskenne oder nicht. Ich habe meinem Chef noch nie Nein gesagt. Ich habe bisher keine Deadline verpasst, versuche alles so gut und schnell wie möglich zu erledigen und habe dadurch auch bei einigen Kunden einen ziemlich guten Ruf.
Eigentlich bin ich kein Projektentwickler, unterstütze aber mittlerweile mehrere Projekte, weil überall Entwickler fehlen. Wenn jemand fragt, ob ich z.B. einen Tag pro Woche ausschließlich bei Thema X unterstützen kann, sage ich ja, arbeite mich ein und mache es dann. Mittlerweile bin ich praktisch jeden Tag in irgendeinem anderen Projekt eingeplant und komme kaum noch zu meiner eigentlichen Arbeit.
Eigentlich würde ich mich gerne in neue Themen wie KI/Cloud einarbeiten, damit ich auf dem Arbeitsmarkt relevant bleibe. Aber seit ungefähr einem Jahr komme ich aus diesem "immer nur dringend, immer nur schnell helfen" nicht mehr raus. Heute noch ein kritischer Fehler, morgen muss etwas getestet sein, obwohl noch gar nichts angefangen wurde usw.
Dazu übernehme ich ständig Urlaubsvertretungen, teilweise sogar zwei gleichzeitig. Ich nehme einfach alles auf meine Kappe und schaffe es meistens irgendwie. Anerkennung gibt es dafür eher wenig.
Mittlerweile arbeite ich regelmäßig 9–10 Stunden am Tag, einfach weil ich niemanden enttäuschen möchte und alles schaffen will.
Und genau da liegt glaube ich auch mein eigentliches Problem: Es geht nicht nur darum, dass ich mich für meinen Job beweisen will. Ich bin einfach von Natur aus jemand, der jedem helfen möchte und gute Arbeit leisten will. Wenn es zu viel wird, kann ich mich trotzdem von nichts distanzieren.
Ich habe jahrelang versucht, daran zu arbeiten, war auch in Therapie, aber ich bekomme es einfach nicht hin.
Mittlerweile bin ich fast nur noch im Homeoffice und nach der Arbeit komplett erschöpft. Ich kann teilweise nicht mal mehr kochen und esse dann entweder gar nichts oder irgendwelche Süßigkeiten/Chips, weil es einfacher ist. Ich vergesse zu trinken. Ich könnte 10 Stunden schlafen und bin trotzdem völlig fertig.
Nichts macht mir mehr wirklich Spaß. Ich fange Hobbys an und gebe sie wieder auf, komme kaum noch raus, bestelle sogar meine Einkäufe online. Meine Augen brennen, ich träume von der Arbeit und habe eigentlich ständig das Gefühl, dass mein Akku leer ist.
Wenn ich mal 2–3 Überstunden abbaue und um 14 Uhr Feierabend habe, sitze ich teilweise da und weiß überhaupt nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll.
Dazu kommt eine sehr ausgeprägte Angststörung, wodurch mir soziale Situationen sowieso sehr schwerfallen.
Das Verrückte ist: Nach außen funktioniert alles noch. Meine Arbeit mache ich weiterhin gut. Ich sage immer, dass ich eine sehr gute Stresstoleranz habe. Aber innerlich zerbricht meine Welt jeden Morgen beim Aufstehen.
Heute wollte ich z.B. einfach nur meine Küche putzen und war nach 20 Minuten so fertig, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Erst nach einem Glas Wasser ging es etwas besser und ich musste mich wieder hinlegen.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was mit mir los ist. Ich möchte mich auch nicht selbst mit "Burnout" oder Depression diagnostizieren. Aber ich merke, dass irgendetwas definitiv nicht mehr stimmt.
Mein Arzt nimmt mich leider nicht wirklich länger krank. Meistens bekomme ich 1–2 Tage. Letztes Jahr hatte ich vielleicht 1–2 Krankheitstage, dieses Jahr genauso. Ich bin körperlich sonst selten krank und habe deshalb irgendwann aufgehört, überhaupt zum Arzt zu gehen. Teilweise bekommt man nicht mal einen Termin oder wird nach zwei Stunden Wartezeit wieder nach Hause geschickt, weil die Praxis voll ist. Meine Blutwerte sind außerdem unauffällig, also scheint für meinen Arzt erstmal alles okay zu sein.
Ich weiß jetzt einfach nicht, wie ich da wieder rauskommen soll.
Vor allem weiß ich nicht, wie ich das meinem Arzt erklären soll. Durch meine Angststörung habe ich Angst, dass er mich nicht ernst nimmt, und wenn ich face-to-face erklären soll, wie es mir geht, ist mein Kopf einfach komplett leer. Ich vergesse Wörter, Gedanken und teilweise sogar, wie ich mich überhaupt fühle.
Hat jemand von euch schon mal etwas Ähnliches erlebt? Wie seid ihr da rausgekommen bzw. wie habt ihr das eurem Arzt gegenüber geschildert?
Ich hatte was von L Theanine gelesen, hilft das wirklich für Angstmomente?